Tanz im Regen

Der Sommer liegt mir nicht, obwohl falsch, die Hitze liegt mir nicht. Zeigt das Thermometer zwanzig Grad freut mich beinahe selbst das Laufen nicht mehr, ohne die hündischen Damen des Hauses fiele dann so mancher Lauf wohl ins Wasser … Tatsächlich laufe ich am liebsten ab minus zehn Grad.

Dieser Sommer meint es besonders gut mit uns, seit Tagen stöhnen die Kollegen im nicht klimatisierten Büro und von den armen Arbeitskameraden in der Produktion fange ich gar nicht erst an. Keine Shirts mehr unter den Arbeitslatzhosen und nasse Tücher um den Hals, sowie unter der Kappe.

Es ist zwei Uhr, als es plötzlich ziemlich flott, sehr finster im Büro wird. Noch bevor ich meinen Blick zur großen Glasfront wenden kann, vernehme ich die ersten Tropfen am Wellblechdach.

„Ich mach Pause“, sage ich nachdem ich mich bereits von meinem Platz erhoben habe und beinahe im Laufschritt auf dem Weg nach draußen bin, unten haben sich einige Arbeitskameraden aus der Produktion vor den Eingängen versammelt und beobachten den mittlerweile sehr heftigen Regenguss.

„Nicht rausgehen, du wirst nass!“, rufen mir einige zu, als sie sehen das ich Anstalten mache, die Türe zu öffnen.

„Genau darum geht’s mir ja!“ antworte ich bereits halb zur Tür hinaus.

Nun kann mein Mobiltelefon beweisen ob es wasserfest ist, ich hole es aus der Hosentasche und lasse den Musikplayer laufen, ohne nachzusehen welcher Song gerade gewählt ist. Es startet das Metallica Cover von Smoke on the Water, ich sehe es als Wink des Schicksals und als ich gewahr werde das der aufgeheizte Asphalt tatsächlich etwas dampft bin ich nicht mehr zu halten, ausgelassen tolle ich im Regen herum, wobei es nicht unwahrscheinlich ist das ich dreifach mitsinge, laut, falsch aber mit Begeisterung. Es steckt eben doch noch ein Kleinkind im erwachsenen Ich.

Noch bevor der Song endet beginnen Blitze den Himmel zu durchziehen und Donner ist zu hören, ich besinne mich und betrete wieder das Gebäude. Mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Unterhalten starren mich meine Kollegen an, so mancher ließ sich gar dazu hinreisen ein Foto von mir zu machen, während ich im Regen herumsprang.
Allerdings nicht das Beitragsbild, selbiges entstand bei einem Nebenjob.

Notdürftig trockne ich mich etwas im Waschraum, bevor ich erfrischt wieder an die Arbeit gehe, auch die Kollegen im Büro sehen mich etwas Ungläubig an, während ich dezent durchnässt, aber nicht mehr tropfend, an meinem Platz sitze.

„Du bist ja doch ein verrücktes Huhn.“, sagt Dominik

„Manchmal, ja.“

„Das man sich so über Regen freuen kann.“, Michael lächelt mich bei diesen Worten an.

„Ihr stöhnt und schimpft alle tagelang über diese Affenhitze, habt euch gewünscht dass es bald regnet, nun regnet es und ihr freut euch nicht darüber?“

„Aber deine Haare und deine Kleidung sind jetzt nass.“, gibt Dominik zu bedenken

„Wenn die Sonne gleich rauskommt, mach ich einfach Mittagspause in selbiger, Problem gelöst.“ … und so war es dann auch.

Es scheint mir kein Zufall, dass sich Regen auf Segen reimt und ich bin mir sicher, jedes Mal, wenn der himmlische Segen, während einer Hitzeperiode, eine Erfrischung verspricht, werde ich hinauslaufen und mich so lange wie möglich daran erfreuen und erquicken. Außerdem bringt ein kurzes Regentänzchen gelungene Abwechslung in den tristen Arbeitstag … Mittlerweile habe ich dennoch meist Wechselwäsche mit, sicher ist sicher.

3 Kommentare

  1. Hi,

    wieder mal ein spitzen Artikel. Am besten gefällt mir der Absatz über das Kleinkind im Erwachsenen 😉

    Ich kann Dir zu 100% bestätigen dass das Leben zu kurz ist um über jede Folge meiner Handlungen nachzudenken. Wenn ich was machen will, dann mache ich das auch – mir ist es egal was Andere davon halten. Die meisten Mitmenschen sagens einem eh ned direkt ins Gsicht was sie von deinen Handlungen halten – das erfährst immer hinten herum ;-)). Und was ich hintenrum oder von Dritten erfahre interessiert mich nicht – ist wie stille Post – da stimmt dann meistens die Hälfte nicht.

    Gefällt 1 Person

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