Soziale Kompetenz auf dem Rückzug – Selfies mit Leichen

Wer kennt es nicht, dem jüngeren – gleichaltrigen oder älterem Gegenüber fällt das Einkaufssackerl runter oder es reißt. Der Inhalt kullert über den Boden. Kaum einer hilft die verstreuten Sachen wieder einzusammeln.

Im Winter kämpft eine alte Dame sich bergauf am rutschigen Boden mit Einkaufstüten oder schleppt sich im Sommer, bei sengender Hitze, mit selbigen ab. Kaum einer fragt ob man die Last ein Stück weit für die Person tragen darf, oder gar ob sie ein paar Meter mit dem Auto mitfahren möchte.
Gut ich muss zugeben aufgrund gewisser Umstände wird eventuell die ältere Person sich nicht trauen Hilfe anzunehmen, aus Angst überfallen zu werden. Aber nicht selten kennt man die Nachbarschaft ja zumindest vom Sehen und Grüßen.

Geschweige denn davon, dass es den meisten Leuten mittlerweile unmöglich ist, einer anderen Person an der Kasse z.B. ihren Freiraum zu lassen, nicht selten atmet mir ein Fremder an der Supermarktkasse in den Nacken. Find ich ganz toll ehrlich, wär für mich absolut kein Grund Auszurasten (was mir verbal dann auch hier und da mal passiert, wenn betreffende Person einen bösen Blick mit Räuspern und auf Seite rutschen nicht versteht). Tippt man dann seinen Pin an der Bankomatkassa ein, steht er ebenfalls so knapp neben dir wie es eigentlich nur ein Bekannter oder Familienmitglied sollte.

Darum geht es mir jetzt zwar nicht direkt aber es gehört für mich einfach zur sozialen Kompetenz dazu, zu wissen, dass man in einem gewissen Bereich (1 Armlänge abstand wär ganz gut) einer fremden Person nichts zu suchen hat. Und ach ja, mir ist auch aufgefallen das Leute mit 2 Artikeln in der Hand kaum noch vorgelassen werden, wenn man selber 1 vollen Einkaufswagen ausräumt.

Aber gut, zurück zum Thema.

Wie gesagt älteren Menschen mal zu helfen, ist für viele anscheinend bereits undenkbar, aber sobald sie sterben, sind sie so interessant wie nie. Krankenhausschwestern die sich mit sterbenden selber knipsen. Mädels die in aufreizenden Posen neben einem aufgebarten stehen. Und zig Personen die sich dümmlich breit grinsend mi Toten ablichten. Ja sogar eine Prämie fürs beste Bild gibt es …

Die neueste Geschmacklosigkeit eine Prämie von 5000 (Rubel wenn ich es richtig im Kopf habe), für ein Foto mit einer jugendlichen, bei einem Autounfall, Verstorbenen.

Geht’s noch? Sind wir echt so degeneriert das wir uns an derartigen Vorfällen „aufgeilen“ müssen? Oder haben die Nekrophilen nun ihre Nische gefunden?

Wenn mir einer mit einem Selfie, bei der Beerdigung eines mir wichtigen Menschen kommen würde, kann er sein Handy aus der Kanalisation wieder holen. Entdecke ich irgendwo mal ein Selfie mit einer sterbenden Person, die mir nahe steht, oder würde gar davon hören, das auf ein Selfie mit meinem verstorbenen Kind eine Prämie ausgesetzt ist, könnte ich für gar nichts mehr garantieren.

Ich verstehe diesen merkwürdigen „Trend“ in jedem Fall absolut nicht. Mir wäre es deutlich lieber, wenn wir unsere Mitmenschen im Leben noch, mit Gefälligkeiten und Hilfsbereitschaft „ehren“. Und wenn man schon ein R.I.P-Foto haben möchte, dann bitte ein Geschmackvolles ohne Leichen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s