Doppelmoral? Wenn über Fotos von Toten debattiert wird

Eine schwer zu beantwortende Frage breitet sich derzeit aus, ausgelöst durch das Foto, eines am Strand treibenden toten Flüchtlingskindes.

Ist es in Ordnung verstorbene derart abzubilden? Die einen Sagen „Ja“, damit ein Bewusstsein geschaffen wird, die anderen sagen „Nein“, man wisse auch so wie schrecklich es derzeit zuginge.

Aber ich sehe eine Art Doppelmoral, einerseits muss sich sogar der Presserat damit befassen ob es zulässig ist, „unverblümte“ Bilder der 71 Verstorbenen im Schlepperunglück vor einigen Wochen, zu zeigen.

Andererseits soll es jetzt in Ordnung sein den ertrunkenen Jungen „überall auszustellen“?

Ailan wird jetzt um Symbol, jetzt sind Menschen überall erbost und möchten dass die Regierungen etwas unternehmen ???

Keine Frage es ist tragisch, aber unter den 71 Verstorbenen waren ebenfalls Kinder, warum ist das Foto „böse“ und das Foto des kleinen jungen nun „gut“? Ich verstehe es nicht … Versteht mich nicht falsch, aber mir kommt es fast so vor als wäre das Leben bzw. Schicksal eines Kindes „wichtiger“ als das Schicksal von 71 Verstorbenen.

Die Fotografin des kleinen Ailan sagt, sie musste seinen stummen Schrei festhalten und alle meinen das ist Ok. Zähen die 71 qualvoll erstickten Menschen nichts? Oder gar weniger? Warum müssen wir überhaupt erst Leichen sehen, damit wir verstehen wie schlimm es ist?

Beide „Vorfälle“ (doofes Wort dafür), sind tragisch! Bei beiden Vorfällen starben Menschen (Ailan ist bei dem Bootsunglück auch nicht das einzige Opfer), die vor Krieg und Terror flohen …

… Groß prangt der Satz „Er war jemandes Kind, er könnte Dein Kind sein“, unter dem Foto von Ailan, Frankreichs Premier Manuel Valls twitterte: “Der Junge hatte einen Namen: Ailan. Wir müssen dringend etwas tun.”
Sind alle anderen verstorbenen keine Menschen? Nicht das Kind von jemanden? Sind sie Roboter? Namenlose? Unwichtige?
Oder (man verzeihe mir meine harschen Worte), sind 71 Menschen, zusammengepfercht wie Legebatterie-Hennen, einfach nicht so „hübsch“ anzusehen wie ein kleiner junge (tot) „allein“ am Strand???

… ich brauche jedenfalls solche Fotos nicht um zu begreifen wie schlimm die Situation ist. Ich persönlich würde auch nicht wollen das mein verstorbenes Kind „einfach abfotografiert“ wird … und wenn man unbedingt tote Kinder sehen muss, reicht es in der Google Bilder Suche: „Syrien Krieg“ einzugeben, da gibt es genug Fotos die einem dem Schrecken vor Augen führen, Tränen in die Augen treiben und das Herz kurz aussetzen lassen  …

… wenn es wirklich so ist das wir erst solche Bilder sehen (eigentlich ausschlachten) müssen um Leid zu begreifen, frage ich mich in welcher Gesellschaft ich lebe …

… obwohl, dass beantwortet sich wohl von selbst, Ailans Familie suchte in Kanada um Asyl an, dies wurde abgelehnt (hier herrscht unklarheit einmal sind es abgelehnte Visa, einmal Asyl)… jetzt wo der kleine Ailan (sein Bruder und seine Mutter) verstorben ist, bietet Kanada dem Vater die Staatsbürgerschaft an …. (meine Antwort wäre: die dürft ich euch jetzt sonst wohin schieben) … der Vater nimmt diese auch nicht an.

Und so bedenklich und traurig es ist, wenn sein Foto endlich ein Umdenken in den Köpfen bewirkt und die nächste Familie nicht ihre Kinder verliert, oder kein Asyl erhält „soll es mir recht sein“ …

Auch respektiere ich die mutige Entscheidung des Vaters, Abdullah Kurdi: „Das, was uns hier in diesem Land passiert ist, in dem Land, in dem wir Zuflucht suchten, um dem Krieg in unserer Heimat zu entgehen, das soll die ganze Welt sehen“ … „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Welt, sodass anderen nicht das gleiche passiert. Lasst es das letzte Mal gewesen sein!“

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