Schwarz und Weiss, wenn Like und Dislike Grau verschwinden lassen

Öfter frage ich mich, ob die niveauvolle Diskussionskultur sprichwörtlich den Bach runter geht. Die Nation ist gespalten, bekommt man zu hören und zu lesen. Widmet man sich den Kommentaren einiger Online-Medien, kommt man nicht umhin zu erkennen, dass dies wahr ist.

Es gibt Like und Dislike Buttons, Ja und Nein (quasi). Aber auch mit den geschriebenen Worten, entweder ist man voll und ganz für etwas oder dagegen. Versucht man seiner Unschlüssigkeit Ausdruck zu verleihen wird man dennoch in ein Lager gestellt. Oftmals in eines das gar nicht zu einem passt.

Wie so oft, komme ich nicht umhin, etwas in der Vergangenheit zu schwelgen, wie war das früher wenn man sich nicht einer Meinung war? Lies man Argumente noch zu? Oder stellte man sein Gegenüber von Haus aus in ein bestimmtes Lager, steckte ihn in eine Schublade?

Betrachtungsweisen, scheinen mir heute enger als vor einigen Jahren, bevor es Like und Dislike gab. Vor Schwarz und Weiß. Warum darf man nicht mehr Grau sein? Oder Beige? Oder Lila? Oder…? Warum muss der Mensch zu allem eine gefestigte 100% Meinung haben? Warum müssen wir unser  Gegenüber, fast zwanghaft, in eine Kategorie stecken?

Und warum lassen wir unser Gegenüber aus dieser Schublade nur so schwer wieder hinaus? Liegt es an den eigenen ethischen Werten?

Ich bin oft Bunt, eigentlich ständig. Jeden Tag gewinne ich neue Eindrucke, neue Sichtweisen und neue Erkenntnisse. Klar, meine Meinung dreht sich auch nicht wie ein Blatt im Wind, einen roten Faden gibt es da schon. Aber grundsätzlich würde ich behaupten nicht wirklich in eine Schublade zu passen. 60% von mir gehören in diese Schublade, 30% in die darüber und 10% ganz nach unten …

… An Diskussionen teilzunehmen, wird mir immer mühsamer, Worte werden verdreht, ständig höre ich „damit sagst du eigentlich…“, nein ich sage nichts eigentlich. Wenn man meine Antwort nicht in eine Kategorie einordnen kann, dann deshalb das entweder meine Meinung über das Thema noch nicht gefestigt ist, oder es tatsächlich ein Thema ist bei dem ich nicht Schwarz oder Weiß sondern einfach Grau bin.

Will man nicht mehr diskutieren, weil man Grau bleibt, wird man gern in das Eck der Unbelehrbarkeit oder Zickigkeit gesteckt. Die „Fähigkeit“, einfach mehrere Blickwinkel auf ein Thema heranziehen und mehrere Seiten verstehen zu können, wird nicht „anerkannt.“

Auch gut, Mensch kann meist nur schwer aus seiner Haut und so werde ich ein „Buntdenker“ bleiben … Denn so ist das Leben nun mal Bunt …

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