Blackfish, fange nie was du nicht kontrollieren kannst

„Wir brauchen jemanden in SeaWorld, es gab eine Tote..“

Am 24. Februar 2010 läuft die Orca Vorführung bei Seaworld (mal wieder) gewaltig schief, als der männliche Orca, Tilikum, seine Trainerin in die Tiefe zieht und tötet …

Tatsächlich schien es als gäbe SeaWorld der Trainerin die Schuld daran, ich selbst erinnere mich noch an Meldungen, seitens SeaWorld, wie: „Ihr Pferdeschwanz war schuld, sie hätte die Haare nicht so binden dürfen, er (Tilikum) verwechselte ihre Haare mit einem Spielzeug …“ Nachdem auch heimische Touristen dort anwesend waren, fand man tagelang Meldungen dazu in unseren Medien, daher auch dieses hängengebliebene Statement …

Dies echauffierte einige Menschen „der Branche“, weshalb es zu einem beeindruckend Dokumentarfilm „Blackfish“ kam. Sie erzählt im Großen und Ganzen, die (traurige) Geschichte von Tilikum, dem größten in Gefangenschaft gehaltenem Killerwal … Natürlich hält SeaWorld dagegen, bezeichnet die gesamte Doku als Humbug, welche übrigens auch recht deutlich zeigt, dass alle weiblichen Trainer Pferdeschwänze tragen …:

In der Doku wird nach der kurzen Einleitung über den Tod der Trainerin von Tilikum, Dawn Brancheau, dazu übergangen Tilikums Geschichte ab dem Moment seines Fanges zu erzählen. Hier ist der erste Streitpunkt. SeaWorld behauptet in seinem Statement die Doku, würde fälschlicherweise glauben machen, dass Tilikum im Auftrag von SeaWorld gefangen wurde … Tja, nein tut die Doku nicht … Gezeigt wird ein alter Seemann, welcher für Themenparks (eine namentliche Nennung findet nicht statt), Killerwale jagte, vorab an der Küste Washingtons und später in Island.. Wo Tilikum im Alter von 2 Jahren auch von ihm, gefangen wurde. Faszinierendes und überaus trauriges berichtet er:

„Die Orcas kannten die Prozedur des Fangens bereits, wussten dass wir hinter den Jungtieren her waren. Während der Jagd schwammen die Männchen an der Oberfläche sichtbar, in eine Sackgasse. Während die Mütter mit ihren Kälbern abtauchten und in die andere Richtung schwammen … Eines der Flugzeuge spähte sie auf und schickte ihnen die Schiffe via Funk nach .. Netze wurden gespannt und die Jungtiere gefangen … Nachdem die Netze geöffnet wurden, blieben die Mütter neben den Schiffen … Unglaubliche Laute/Schreie waren zu hören … Als wir die Netze einholten, waren zwei Tote Wale darin …“, tränen beginnen sein Gesicht hinab zulaufen „Wir wurden angewiesen, die Tiere aufzuschneiden mit Steinen zu füllen und zu versenken …“

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Er landete in „Sealand oft he Pacific“ bei Kanada, wo bereits zwei andere weibliche Killerwale waren, da der „Themenparkbereich“ nur durch ein Netz vom offenen Ozean abgetrennt war, wurden die Tiere über Nacht in einen dunklen Bereich „Container“ gesperrt, deren Tiefe gerade ausreichte das die Tiere nicht vertrockneten und über kein Licht verfügte … Keine angenehme Vorstellung …

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Zudem kommt, dass der junge untrainierte Tilikum an einen Trainer gerät, dessen Methode Bestrafung ist … Zusammen mit einem erwachsenen Tier wird er trainiert, macht Tilikum einen Fehler, werden er und auch das erwachsene Tier bestraft, was natürlich zu Frust und Aggression des älteren Tieres, gegenüber Tilikum führt … Was, wie wir alle wissen, durchaus einen negativen Effekt auf Tilikums Persönlichkeit haben kann …

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1991, Tilikum war nun 8 Jahre alt und hatte mit dem weiblichen Killerwal Haida, Nachwuchs gezeugt. Kurz vor deren Niederkunft, kam es zum ersten tödlichen Zwischenfall. Eine Trainerin rutschte am Beckenrand aus und fiel ins Wasser, Tilikum zog die Trainerin immer wieder unter Wasser bis diese schließlich ertrank … Die Weibchen wurden nach der Geburt des Jungtieres aggressiv gegenüber Tilikum, weshalb er sein weiteres Dasein in einem kleinen Becken fristen musste … Im Januar 1999 wurde SeaLand geschlossen und Tilikum kam nach SeaWorld in Orlando/Florida …

Nun werden Zwischenfälle mit anderen Killerwalen behandelt. Ein tatsächlicher Unfall dürfte dieser Vorfall sein. Ein Trainer reitet am Rücken eines Orcas, an einem bestimmten Punkt soll ein anderer Orca über die beiden drüber springen. Etwas läuft schief und der Trainer landet zwischen den beiden Tieren … wird zerquetscht:

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Ein Urlaubsvideo zeigt, wie eine Trainerin mit „ihren“ Killerwalen „spielt“, indem sie am Beckenrand sitzt und immer wieder den Fuß auf einen der Killerwale stellt. Obwohl die Interviewten Trainer, laut SeaWorld keine Ahnung von den Killerwallen haben, sagt einer sofort: „Bei diesen Aufnahmen, wenn man den Killerwal „Orcid“ kennt, wird einem augenblicklich schlecht, weil man weiß was passieren wird…“ und tatsächlich. Gut zu sehen ist, wie der Wal sein Maul öffnet und die Trainerin es lustig findet, mit ihrem Fuß auf sein Maul zu tippen … Es kommt was kommen muss, der Wal zieht sie in die Tiefe … Durch die Geistesgegenwart eines anderen Trainers, der das Tor zu einem dominanteren Orca öffnet, lässt der Wal von der Trainerin ab und selbige kann mit gebrochenem Arm gerettet werden …

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Während eines Trainings in den 70er Jahren, schüttelt ein Wal seine Trainerin von seinem Rücken, beginnt sie immer wieder unterzutauchen und verbeißt sich schließlich in ihrem Bein, mit Mühe konnte sie gerettet werden. (Youtube Link unten)

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Ähnliches passiert dem SeaWorld Trainer Ken Peters, 2006, während einer Show. Der Wal Kasatka schnappt sich seinen Fuß und zieht den Trainer zum Grund des Beckens. Über 1 Minute, nur seine Erfahrung im Free Diving rettet ihm das Leben. Sie taucht mit ihm auf und zieht ihn nochmals auf den Grund … Ein drittes Mal taucht sie mit dem Trainer auf, lässt sich langsam vom Trainer beruhigen und gibt ihn frei. Er rettet sich über ein mittlerweile aufgespanntes Netz, doch auch der Killerwal schwimmt darüber hinweg und es scheint, dass sie sich tatsächlich den Trainer nochmals holen möchte… (Link zum 15 Minuten Video unten)

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Natürlich gibt es noch unzählige Vorfälle mehr … auch unter den Tieren, Killerwale haben eine sehr empfindliche Sozialstruktur, einen (im Vergleich) sogar größeren Bereich für Emotionen in ihrem Gehirn als der Mensch … Es wäre also durchaus notwendig, dass sich Tiere auch mal aus dem Weg gehen können. Was in den Aquarien nicht möglich ist … So rammt eine Killerwaldame (Kandu) im Dominanzstreit einen anderen Killerwal (Corky), bricht sich dabei das Kiefer, verletzt eine Arterie und muss im Becken verbluten … Dieses Bild füge ich nicht ein, man kann es googeln, es kommt Blut aus ihrem Atemloch , vermutlich ist sie also nicht verblutet sondern an ihrem Blut erstickt …

Was man nicht in der Doko sieht: Ihre 11 Monate alte Tochter, Orkid, muss den Todeskampf ihrer Mutter, Kandu, mit ansehen … Am nächsten Tag startet sie mit den anderen Killerwalen pünktlich die Show, ihre Mutter spielt in dieser Corky …

Nun wendet man sich von diesen Unfällen ab. In SeaWorld Orlando zeugt Tilikum einen weiteren Nachkommen … Über die Sozialstruktur von Killerwalen habe ich kurz berichtet. In freier Wildbahn bleiben Mütter und Kälber grundsätzlich für immer zusammen … Manchmal spalten sich die Männchen von der Gruppe ab … In jedem Fall werden Takara (Mutter) und Kohana (Tochter) nach fast 4 Jahren getrennt. Aufnahmen belegen wie Takara tagelang nach ihrer Tochter schreit,, arbeitsunwilig ist und sich in einem Eck des Beckens isoliert … Ein Experte wird von SeaWorld hinzugezogen, tatsächlich sind diese lauten (schrecklichen) Töne dazu da, sich im Ozean über weite Distanzen wieder zu finden …

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Im Juli 1999 wird ein nackter toter Mann auf Tilikums Rücken gefunden, angeblich wäre er an Unterkühlung gestorben, man wisse nicht was passiert sei … Ehemalige Mitarbeiter von SeaWorld, welchen SeaWorld übrigens in ihrer Stellungnahme abspricht jemals mit Killerwalen gearbeitet zu haben (obwohl etliche Filmaufnahmen und Fotos belegen, dass sie es sehr wohl taten), sagen dies könne nicht den Tatsachen entsprechen, da das gesamte Beckenareal inklusive Zuschauerpodium und Unterwasserbereich, Non-Stopp Videoüberwacht sind … In jedem Fall fördert der Auptuktonsbericht zu Tage, das Tilikum dem Mann sein Geschlecht abbiss und zahlreiche andere Bisswunden zufügte …

Wieder folgen Aufnahmen von Verletzungen, welche sich die Orcas, teilweise während der Show zufügen. So wird in den Aufnahmen deutlich, dass sich dieser Orca blutend auf die Plattform vor einemanderen Orca rettet, daran das der Trainer mit dem Rücken zum Orca steht, erkennt man auch recht gut, dass er diesen NICHT auf die Plattform gerufen hatte, denn selbstverständlich wäre es zu gefährlich einem so großen Tier den Rücken zuzudrehen wenn es auf einen zukommt …

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Es folgen nochmals kurz Aufnahmen von Trainern, welche immer wieder, von den Walen mit deren Kopf untergetaucht werden, bis die anderen Trainer die Orcas endlich ablenken können …

Dann folgt die Geschichte der Tragödie am 24. Februar 2010. Ausschnitte eines Polizeianrufes sind zu hören, wobei SeaWorld meint, die tote Trainerin sei bei einem Wal zu dem niemand Zutritt hat … Auch dies ist gelogen, wie unzählige Aufnahmen belegen, war ein Tänzchen der Trainerin Dawn Brancheau und dem Killerwal Tilikum fixer Bestandpunkt der Show:

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Am besagten Tag, waren alle Wale „nervös/nicht gut gelaunt“, die Show wurde vorzeitig beendet. Tilikum sollte zum Abschied nochmals, seitlich, im Kreis schwimmen und den Besuchern mit der Brustflosse winken … Er hört den Belohnungspfeiffer seiner Trainerin nicht, welche die Fische nun wegräumt, schwimmt eine zweite Runde und da es keine Fische mehr gibt, erhält er dafür keine Belohnung … Was (klarerweise) zu einer weiteren Frustration des bereits „aufgebrachten“ Tieres beiträgt …

Die Trainerin läuft ums Becken zu einer Plattform, um abschließend die Beziehung zwischen Trainer und Wal vorzuführen. Tilikum schnappt sich ihren Arm und zieht sie in die Tiefe … vor den Zuschauern. Selbst als die Trainerin tot ist, gibt er die Leiche stundenlang nicht mehr frei … Unter anderem war ihr Genick gebrochen und sie war skalpiert worden …

Tilikum wurde Jahrelang in einem flachem Nebenbecken gehalten … Jetzt fristet er sein Dasein in einem „Goldfischglas“, allein … Er darf nur noch am Ende der Show raus um die Besucher mit seiner Schwanzflosse nass zu spritzen … Oft treibt er stundenlang Reglos in seinem „Becken“, auch Töne gibt er kaum noch von sich …

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Auch viele andere Darstellungen von SeaWorld sind schlichtweg falsch. Sie brüsten sich damit das Orcas bei Ihnen 25 – 30 Jahre alt werden, behaupten dies sei eine höhere Lebenserwartung als im Meer … Tatsache ist aber, dass eher eine menschliche Lebenserwartung in Freiheit zutrifft. Männchen werden im Durchschnitt 60 Jahre alt. Weibchen 80 – 100! Jahre …

Das sich die Rückenfinne bei Männchen umklappt, passiert in Freiheit fast gar nicht, in Gefangenschaft immer. SeaWorld behauptet das sei ganz normal und habe mit dem Altern zu tun …

Über Sonnenbrände, welche sich die Orcas in den Becken zuziehen, welche dann mit Fabre übersprüht werden, brauchen wir auch nicht zu sprechen …Eigentlich logisch, wenn ein Tier aus kalten Gewässern den ganzen Tag in der direkten Sonnenstrahlung tümpeln muss…

Auch wenn es SeaWorld nicht wahrhaben will, ich denke schon das alle diese Erfahrungen durchaus traumatisch für ein Tier sind … Energie, Stress, Aggressionen und Frust können die Tiere, welche im Meer beachtliche Strecken zurücklegen gar nicht abbauen … Für mich ist es logisch, dass sie eines Tages explodieren und sich ein Ventil dafür suchen und was wäre naheliegender, als seinen Frust, an dem Menschen auszulassen der ihn verursacht hat? (So dämlich und herzlos das jetzt klingt…)

Zudem „reicht“ es nicht nur den Killerwalen, auch Delphine beißen Besucher:

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„Blödes“ Beispiel, power ich meine Hunde nicht aus, lassen sie ihre Energie dann auch gern an Möbeln aus … Ich selbst werde überaus leicht reizbar, wenn ich aufgrund von Krankheit, Besprechungen oder Terminen meine „Lauftage“ nicht einhalten kann …

Ja, ich wäre für ein generelles Free (W)Tilly, 31 Jahre verbringt er nun in Gefangenschaft, vielleicht sollte man ihn, wie Keiko (Free Willy) seinerzeit einfach in Pension auf einer großen Meeresstation senden …

Wie es jetzt um Tilikum steht und SeaWorlds neuester Plan hier.

Nicht minder tragische Geschichten anderer Orcas findet man hier, aus dem Buch: Death at Seaworld

Einige Videos zu den beschriebenen Vorfällen findet man natürlich auch auf You-Tube, meiner Meinung nach zeigen diese deutlich, dass Tilikum nicht der abnormale Mörder ist für welchen ihn nun viele halten und ein tragsicher Unfall zu erwarten war.

Zumal die Tiere hungrig zur Show erscheinen, es scheint fast logisch, dass bei manchen Kunststücken ihr Jagdtrieb erwacht.

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