Haie – jenseits von Angst und Vorurteilen

Ebenso elegant und schnell wie Delphine oder so mancher Wal, durchqueren Haie die Meere. Doch streckt ein neugieriger Hai seinen Kopf aus dem Wasser, ja dies tun sie, ist kaum einer verzückt. Meistens verspüren die Menschen in einer solchen Situation eher Unbehagen …

Vor kurzem erwähnte ich erst, dass ich hoffentlich nie an Alzheimer erkranke und mit den Erinnerungen an das schwimmen mit Riffhaien sterben darf. Denn leider ist sich kaum ein Mensch bewusst, dass er bei vielen, der 500 verschiedenen Haiarten ebenso hochkomplexe Wesen vor sich hat wie es ein Delphin ist …

Riffhaie jagen mit Teamwork, wobei sie durchaus Intelligenz aufzeigen und verfügen über starke soziale Bindungen innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe, aus Respekt wird weitestgehend das Revier einer anderen Gruppe gemieden …
Viele Haie, darunter auch der weiße Hai oder eben der Riffhai, gebären ihre Nachkommen ebenfalls lebend. Außerdem verfügen nur junge Tigerhaie über die Namensgebende Tarnung auf ihrem Rücken, bei Älteren Tieren verschwindet diese … wie bei Rehkitzen

Sie werden beobachtet wie sie mit Treibgut, ohne Einsatz ihrer Zähne zu spielen scheinen, wobei auch kein Versuch beobachtet wird das Treibgut in die Tiefe zu ziehen. Sie erfreuen sich einfach daran es mit der Nase anzustupsen …

Bei jungen Katzen finden wir es süß wenn sie eine lebende Maus ins Maul nehmen und wieder ausspucken und mit ihrer „Beute“ weiterspielen … Auch bei jungen Haien ist so ein Verhalten zu beobachten, wobei sie ihre „Beute“ sogar unversehrt wieder aus dem Maul entlassen, beobachtet wurde dieses Verhalten mit kleinen Pinguinen …

Wie bei Walen oder Delphinen ist ihr Gehirn-Größen Verhältnis, bei vielen Haiarten das gleiche wie beim Menschen, die Forschung steckt hier leider in den Kinderschuhen, aber somit ist eine „Ich-Wahrnehmung“, wie sie bei Walen, Delphinen und dem Menschen vorhanden ist, nicht ausgeschlossen …

Sie verfügen zwar über keine Lautsprache, scheinen aber teilweise über ein komplexes Gebärdensprachensystem zu Verfügen. So konnte nachgewiesen werden das viele Haiarten „buckeln“, sich quasi in verschiedene Richtungen „verbiegen“, wenn sie bedrängt werden, hört das Bedrängen nicht auf, gehen sie zum Angriff über …
Ein Arbeitskollege, mit dem ich über meine Erfahrung mit den Riffhaien sprach, ist leidenschaftlicher Taucher, er erzählte mir das Makohaie Taucher lange dulden würden, wenn sie Ruhe haben wollen oder eventuell Jagen möchten, „rempeln“ sie die Taucher mit den Brustflossen an, dann wäre es Zeit das Wasser zu verlassen …

Tatsächlich sind Haien Tauchern gegenüber anscheinend ziemlich friedlich, zu Unfällen kommt es fast gar nicht, im Gegenteil scheinen die Haie eher sehr neugierig zu sein …

Ihr Geruchssinn sucht tatsächlich seines gleichen, ihre Augen sind lichtempfindlicher als die des Menschen, allerdings sind sie keinesfalls Blind. Weitsichtigkeit trifft es eher, dies bedeutet Nahe Objekte sind unscharf, während weiter entfernte Objekte Glasklar sichtbar sind. Eine Farbenblindheit trifft auf große Haie zu. Sie hören überragend gut. Stetig wachsen ihre Zähne nach, weshalb immer ein drei-reihiges Gebiss zu sehen ist … Sie verfügen über ein Seitenlinienorgan, welches vom Kopf bis zur hackenförmigen Schwanzflosse reicht (dieser verdanken sie übrigens ihren Namen, vom isländischen Haki was Haken bedeutet). Somit ist es ihnen möglich minimal Wasserbewegungen und Druckunterschiede wahrzunehmen, auch ob diese Bewegungen von einem kranken oder gesunden Tier stammen …

Noch faszinierender, sie können elektrische Impulse, wie sie von einem Herz, Muskel oder Gehirn erzeugt werden wahrnehmen!

Wie Delphine und Wale müssen viele Haie in ständiger Bewegung bleiben um Atmen zu können, nur wenige Haie können sich tatsächlich am Grund ausruhen, allerdings sind die Tiere derart intelligent das sie sich an Stellen mit leichten Strömungen ausruhen …

Und lasst Euch keinen Bären aufbinden, weiße Haie sterben in der Regel in Gefangenschaft, sie scheinen den Freitod zu wählen und verweigern die Nahrungsaufnahme (Dieser Zusatz, da ich heute zufällig darüber stieß das Sängerin Rihana todesmutig für ein Fotoshooting ins Aquarium zum weißen Hai stieg)* …
Als wolle es die Natur so, dass sie in Freiheit sind, lernte ich im Urlaub recht eindrucksvoll das Haie die Gesundheitspolizei der Meere sind. Wie viele tote Fische würden wir wohl bäuchlings treiben sehen, gäbe es keine Haie? Sie fressen tote Wale und andere Lebewesen die im Meer verenden … Aber natürlich jagen sie auch „frischen Fisch“.

*Unzählige „Aquarienputzer“ können tagtäglich Haifischbecken gefahrflos reinigen, die Haie werden dabei nicht weggesperrt … Zusammen mit allerlei bunten Fischen durchstreifen sie diese Aquarien, denn solange sie gefüttert werden interessieren sie die Fische nicht … Stirbt jedoch ein Aquarienfisch, „säubert“ Hai sein Becken von dem Kadaver …

Wie Wale legen sie beachtliche Strecken zur Paarung zurück, bei welcher sich das Männchen an der Brustflosse des Weibchens verbeißt …

Um derart lange Strecken in akzeptabler Zeit zurücklegen zu können, müssen sie sich eine Fettleber anfressen, welche Ihnen nicht nur als Futterreserve dient, sondern ihnen auch genügend Auftrieb verschafft …

Jetzt wird es „nachdenklich“, nicht nur aufgrund von Angriffen mit Surfern, wobei es noch immer Fakt ist das von 60 – 80 Haibegegnungen jährlich gerademal 3 – 5 tödlich verlaufen, wird regelrechte Jagd auf Haie gemacht. (So gab Australien 2014 sämtliche weißen Haie die sich vor der Küste befanden zur Tötung frei). „Humanere Länder“ installieren Haibarrieren vor ihren Küsten, in welchen sich die Tiere jedoch verfangen und anschließend ersticken …

Nein, auch wegen ihrer Leber um sie in Salben also Kosmetika zu verwenden … Bei Walen gibt es regelrechte Protestaktionen bei Haien scheint es niemanden zu stören …. Traurig eigentlich … Vielleicht wird es deutlicher wenn man sagt, es ist Wahrscheinlicher im Lotto den Jackpot mit Zusatzzahl zu knacken als von einem Hai getötet zu werden. Groß geisterte diesen Sommer auch durch die Medien, dass mehr Menschen bei Selfies sterben als durch Hainangriffe …

Im Vergleich zu den 60 – 80 ungewollten Haibegegnungen mit 3-5 Todesfällen jährlich, steht nämlich die Tötung von ca. 70 – 100 Millionen Haien jährlich durch den Menschen. Um sich eine Trophäe an die Wand zu hängen. Oder weil man meint die Haifischflosse mache Mann superpotent … gerade für diese Verwendungsart ist es nochmal mehr als traurig, wenn in der Hose nix steht, hilft auch Haifischflosse nicht mehr … Besonders bestialisch, die Flosse haben wir, das Tier brauchen wir nicht, zurück damit ins Meer, wo es unter qualvollen Schmerzen erstickt …

70 Haiarten sind vom Aussterben bedroht! Selbst wenn ein Fangverbot ausgesprochen werden würde … die Gruppen sind wegen mangelndem Genpool nicht mehr überlebensfähig …

Wir vergessen nun leider auch, dass die Haie die Luft- und Raumfahrt überaus positiv beeinflusst haben. Ihre Haut sind eigentlich kleine Zähnchen, wie Spoiler helfen sie dem Hai dabei energiesparen aber schnell zu schwimmen … Nur zu gern übernahm dies der Mensch.

Haiattacken sind unglückliche Zufälle, besonders bei Surfwettbewerben trifft ziemlich viel zusammen was einen Hai neugierig macht, aufgeregtes herumgeplatsche, Blut im Wasser von verletzten Surfern und dann auch noch ein großes (unscharfes) Objekt (Surfbrett) das eigentlich eine Haiform hat … es ist tatsächlich davon auszugehen das Haie kleine Boote uns Surfbretter attackieren weil sie diese mit Konkurrenten verwechseln … Persönlich finde ich, dass dies auch gut am „Unfallvideo“ von Mike Fanning zu sehen ist, der Hai attackiert das Board nicht den Menschen …

Grob genommen werden zudem bei Surfveranstaltungen alle Grundregeln für Begegnungen mit Haien über Bord geworfen. Keine hektischen Bewegungen und nicht wild planschend davon hechten. Und das mit auf die Nase hauen ist gar keine gute Idee, auch wenn es Angelina Jolie in Tomb Raider macht, wird ein Hai zu aufdringlich sollte man (wie Mike Fanning) zusehen, dass man ein Objekt zwischen sich und den Hai bekommt …

Viele Haiattacken könnten auch schlicht vermieden wären, gäbe es keine Überfischung. Tatsache ist, dass viele Haiearten, darunter auch der Riffhai aber auch der weiße Hai, dazu gezwungen werden noch näher an der Küste, nach Futter zu suchen, tritt dann ein Schwimmer auf einen Riffhai, ist das Ergebnis vorprogrammiert … Wir würden uns auch wehren, wenn jemand auf uns drauf steigt…

Es wäre wünschenswert diese Lebewesen zu schützen und die Möglichkeit zu haben, weitere Dinge von ihnen zu lernen und mehr ihrer Geheimisse aufzudecken … Dies erscheint mir zumindest deutlich interessanter als den Wunsch nach der nächsten (unnützen)  supertollen Creme oder nach Männlichkeit, auf Kosten des Lebens eines faszinierenden Tieres zu befriedigen …

Kleiner Zusatz; der größte bekannte Fisch unserer Zeit ist übrigens auch ein Hai, der Walhai, welcher sich hauptsächlich von tierischen Plankton ernährt …Auch er verfügt über keine Lautsprache

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