Frank Sinatras 100 Geburtstag … Warum uns The Voice fast entgangen wäre …

Am 12. Dezember 1915 erblickte ein begnadeter Künstler, Entertainer und Lebemann das Licht der Welt, in New Jersey, genauer dem Stadtteil Hoboken, wo auch eine, mittlerweile, recht berühmte Konditorei ansässig ist, welche jedes Jahr zu Frank Sinatras Geburtstag Torten zaubert … Von welcher ich nie ein Stück abbekomme … Aber um den „Cake-Boss“ geht es jetzt nicht … Es geht um ihn, der Millionen von Frauen schwach und Männer neidisch machte … The Voice – Frank Sinatra …

Bereits sein Weg ins Leben sollte für Franics Alba Sinatra, nicht normal ablaufen, Narben in Frank Sinatras Gesicht zeugten zeitlebens davon, dass ihn ein Arzt mittels einer Geburtszange, mehr tot als lebendig, auf diese Welt zerrte. Das Kämpfen schien ihm in die Wiege gelegt, wie auch seine Biographen meinen… Tatsächlich wurde der schmächtige Frank Sinatra, als Rowdy der Schule verwiesen. Seine Eltern waren Italo-Amerikanische Emigranten, der Vater Boxer und Feuerwehrmann, die Mutter Hebamme und Vorsitzende der Demokratischen Partei in Hoboken. Frank Sinatra blieb zwar Einzelkind und wuchs in soliden Familienverhältnissen, aber dennoch bescheiden auf.

Die Liebe zur Musik ereilte ihn früh und so unterhielt er bereits als Teenager, mit einer Ukulele, einer kleinen Musikanlage und einem Megaphon die Besucher von Bars in seiner Heimatstadt. Es folgten Radioauftritte ab 1932 und nachdem, Frank Sinatra, sein Idol Bing Crosby 1933 in einem Konzert sah, war sein Berufswunsch gefestigt, er würde Musiker werden …

Im Februar 1939, nachdem er einige Talentwettbewerbe gewonnen hatte, heiratet er Jugendliebe Nancy. Eigensinnig wie er war, begann er selbst Platten aufzunehmen, welche sich eher schlecht verkauften. Später sollte allerdings der Song „All or Nothing“, welchen er bereits 1939 aufgenommen hatte, direkt an die Spitze zu seinem Idol, Bing Crosby, befördern.

Im Sommer 1943 erhielt Frank Sinatra einen Plattenvertrag bei Columbia … Er stand auf der Bühne und sang sich die Seele aus dem Leib, derart gut, dass Zuschauerinnen, bei seinem ersten Konzert 1944, sich weigerten den Saal zu verlassen, weshalb es zu Tumulten kam, da die zweite Tranche an Besuchern nicht nachrücken konnte … ging es darum dem Gefühl eine Stimme zu geben, war es klar Sinatra, der kleine Italo-Amerikaner, der sie ihm gerne lieh. Mit jedem neuen Lied schien seine Stimme mit ihm zu wachsen. Erreichte eine einzigartige Klangfarbe.

„Richtiges Singen heißt Schauspielen, ich bin immer vollkommen in den Song involviert. Ich kann gar nicht anders. Wenn eine zerbrochene Liebe beklagt wird, dann tut mir in den Eingeweiden alles weh. Ich schreie die Einsamkeit, den Schmerz einfach raus. Als 18-karätiger Manisch-Depressiver kann ich das ganz gut. Was immer der Schreiber mit einem Song sagen will, ich war schon dort. Ich weiß, worum es geht.“, sagte Sinatra in einem Interview

Treu dem Motto seines Hits: Everything happens to me, musste Sinatras Stern untergehen. Niemand schien Frank Sinatra mehr hören zu wollen, auch seine Filme wurden zu Ladenhütern. So stand er da, am Anfang der 50er Jahre, ohne Plattenvertrag und ohne Filmangebote. Dazu gesellten sich Stimmprobleme aufgrund einer Stimmbänderblutung. Seine Ehe scheiterte an Affären, das Sauerbmannimage litt unter angeblichen (?) Kontakten zur Mafia. Das Ende seiner zweiten Ehe mit Ava Gardner soll ihn beinahe in den Selbstmord getrieben haben.

Doch wie bereits festgestellt, war Sinatra Kämpfer mit dem Herzen eines Löwen und mehr Mumm in den Knochen als alle „Expendables“ zusammen … 1952, drei Jahre nach seinem „Ende“ spielte er, für eine schlechte Gage im Film „Verdammt in alle Ewigkeit“ mit, wofür er auch den Oscar bekam. Allerdings wird auch hier gemunkelt, dass die Mafia den Regisseur des Filmes bedrohte, da dieser Sinatra die Rolle nicht geben wollte… Die Figur des Johnny Fontane, aus der Pate, welcher beim Paten um Unterstützung für seine Karriere bettelt und diese auch bekommt, soll Sinatra nachempfunden sein.

Es folgte ein neuer Plattenvertrag mit Capitol-Records, sein Comeback schaffte er mit tieferer Stimme, was ihr einen eindringlicheren und gefühlvolleren Charakter verlieh. Das Leben war wieder in Ordnung, Sinatra arbeitete viel und erfand mit Kollegen die Langspielplatte.

Alben wie „Only The Lonely“, gaben eine traurige Ballade nach der anderen Preis, zeigten das Leben Sinatras, als einsamen Wolf, welcher an der Liebe und am Leben leidete. Wogegen Titel wie „Song For Swinging Lovers“ einen lebenslustigen, erfahrenen Liebhaber vermuten lassen. In „Come Fly With Me“ zeigte er den weltgewandten, sorgenlosen Lebemann.

Schließlich gründete er mit seinen Freunden das legendäre Rat-Pack, Judy Garland (first vice-president), Humphrey Bogart (rat in charge of public relations), Lauren Bacall (den mother), Sid Luft (cage master), Irving Lazar, Nathaniel Benchley (Historiker), David Niven, Restaurantbesitzer Mike Romanoff und natürlich Frank Sinatra, der neben seinen bisherigen Spitznamen wie Ol‘ Blue Eyes oder The Voice nun zum Pack Master wurde. Aus den ursprünglichen Soloshows, pro Künstler, entwickelte sich schnell eine gemeinsame Show, welche karbarettartige Dialoge zwischen Entertainern und Publikum, neben der Darbietung der Songs und Alkohol zum Programm hatte.

In den 60er Jahren folgte sein eigenes Plattenlabel, Reprise Records, beweisen musste er nichts mehr, er hatte alles erreicht, ausverkaufte Shows und auch einen Namen als Schauspieler, Filmproduzent und Regisseur hatte er sich gemacht. Dennoch nahm er Album nach Album auf und versuchte sich sogar in diesem neumodischen Pop, was nicht recht funktionierte. Doch ein Abtreten von der Bühne war für ihn undenkbar, es schien als wolle er nicht wahrhaben, dass sich die Welt und damit die Musik gewandelt hatte.

Während des Vietnamkriegs, war er es, der gemeinsam mit Dean Martin in einer Bar, mit selbstgemalten Schildern „Freie Mädchen für alle“, forderte. Die Einladung der Hippies nach Woodstock lehnte er ab und schien sie mit „My Way“ zu beantworten.

1971 sang er auf der Bühne die letzte Zeile „’Scuse me while I disappear…“ und verschwand in der Finsternis, um zwei Jahre später, 1973, zu verkünden „Ol‘ Blue Eyes is back“. Erneut nahm er Alben auf, zum Glück reichte es ihm hierbei nicht, seine alten Lieder flott zu machen, denn erst 1979 beglückte er uns mit „New York, New York“. In den 90er Jahren folgten Duetts mit Popsternchen, ein letztes Aufbäumen von „The Voice“, er war noch immer nicht bereit zu gehen. Souverän sang er, Bono von U2, in einem Duett in den Orchestergraben …

Gegen Ende, musste Sinatra seine Texte, teilweise ablesen, was seiner Stimme trotz allem nicht ihre Wirkung nahm. Regelmäßig rührte er sein Publikum noch zu Tränen, auch während seiner letzten Konzertreihe 1993, wo er sein Publikum teilweise mit diesem Satz verabschiedete: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie alle ihren 100 Geburtstag erleben“ … „und die letzte Stimme, die Sie vor ihrem Tod hören, soll dann die meine sein.“, scherzte er, was seinen 100 Geburtstag für mich, unter anderem, so besonders macht.

Am 14 Mai 1998, verstarb Sinatra an den Folgen eines Herzinfarktes. Fast möchte man sagen mit ihm hat sich das gesamte 20 Jahrhundert verabschiedet.

Live durfte ich den Meister, dessen Stimme aus einem alten Plattenspieler mich mit zwölf Jahren verzauberte, nie sehen … Mir bleiben nur Mitschnitte und alte Platten … Sein Perfektionismus, Empathie, seine Beharrlichkeit und der Glauben an sich selbst, sind Werte von denen ich mir nur zu Gerne ein kleines Stück, dieses Idols, abschneide …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s