Aus der Reserve gelockt – über Gewalt und Polizei oder warum es hier nicht um Köln geht …

Meine Meinung wurde erbeten, was mich grundsätzlich ehrt, in diesem Fall via Mail. Warum ich Gutmensch nun nichts zu Köln zu sagen habe …

Nun sollte ich mal damit beginnen, dass für mich Gutmensch vermutlich kein Schimpfwort ist, ich bin lieber ein guter als ein schlechter Mensch (Punkt). Vielleicht sollte ich nun erneut deutlich machen, dass ich zwar niemanden sein Recht abspreche vor Krieg, Terror oder Gewalt zu flüchten, aber dennoch ganz entschieden den Standpunkt vertrete, wenn ich „Gast“ in einem Land bin und Schutz suche, habe ich mich den dortigen Gepflogenheiten zu fügen … Sollte ich jemals in Arabien Urlaub machen, wird man mich Beispielsweise sicher nicht mit wallenden Haaren und engen Tops antreffen auch nicht im Bikini am Pool … Das gebietet für mich der Respekt einer von mir besuchten Kultur …

Aber gut, damit habe ich nun wohl schon in ein Wespennest gestochen. Deshalb zu der Frage; warum ich Gutmensch nichts zu Köln zu sagen habe … Aus zwei Gründen, ich war nicht vor Ort und habe mich, bis zum Erhalt dieser Mail nicht mit den Ereignissen dort auseinandergesetzt … Punkt

Eines kann ich jedoch mit guten Gewissen, auch ohne die mittlerweile von mir, gefühlten, tausend gelesenen Artikel aus allen möglichen Medien und dem Begutachten einiger Videos auf YouTube der Besucher vor Ort, klar sagen: Gewalt am Menschen, physisch oder psychisch, sexuell oder nicht, gehört aufs härteste Bestraft (Punkt).

Guten Gewissens kann ich auch sagen, dass ich Hetze nicht mag, ich spreche hier nicht von den Interviews mit den Opfern oder Augenzeugen, sondern von Menschen, welche in Online-Medien alles Mögliche loskommentieren ohne sich näher zu informieren …

Also tue ich nun etwas, dass mir teilweise wiederstrebt, ich berichte von Begegnungen die mich zu dem machten was ich heute bin, eine misstrauische Person deren „Galan“ lang zu kämpfen hatte, bis er ihr Vertrauen errang …

Wir waren Kinder, ich sicher noch in der Volksschule, als wir Nahe unseres Elternhauses schwimmen waren, als wir gingen, schnitt uns ein Mann den Weg ab, holte sein Geschlecht aus der Hose und fragte uns ob wir nicht damit spielen möchten … Meine Schwester schrie ihn mit „Perverse Sau!“ an, gut so, er nahm reiß aus. Wir berichteten es unserer Mutter, umgehend fuhr sie mit uns auf die Wache … Die Polizei nahm alles auf, sogar ein Phantombild wurde angefertigt … Soweit ich mich erinnere wurde es nie veröffentlicht. Unserer Schule nicht gewarnt. Der Kindergarten nicht gewarnt und ach ja Polizeistreifen gab es auch keine … Der Pädophile war übrigens, meiner Erinnerung nach kein Ausländer …

Munter wurde in dem beschaulichen „Vorort“, in welchem ich Aufwachsen durfte gebaut. Jahre später waren wir wieder, in einer großen Gruppe schwimmen, sieben Teenager aus der Nachbarschaft, langjährige Freunde. Ein Mann legte sich nahe unserer Schwimmstelle hin, beobachtete uns und spielte dabei an sich, offensichtlich, herum. Umliegende erwachsene Badegäste unternahmen nichts … Als wir uns mit unseren Rädern auf den Heimweg machten, verfolgte uns der Blonde und Blauäugige Irre, unser Glück das es eine Reihenhausanlage mit vielen verschachtelten kleinen Wegen gab, so „entkamen“ wir diesem … Ja es wurde angezeigt. Nein es passierte nichts. Selbst als sich dies nochmals wiederholte, woraufhin wir auch nie wieder schwimmen gingen …

Jahre später, mittlerweile ein Lehrmädchen, begab ich mich mit Schulkollegen nach dem Unterricht zur U-Bahn, ein schmächtiger, dunkelblonder Mann drängte sich an mich und grabschte mir an eine unangebrachte Stelle. Meine Freundin, die dies ebenfalls mitbekam und ich nicht geschreckt, stellten den Mann und zerrten in gemeinsam zur U-Bahn Aufsicht, welche nicht da war … Die hinzugerufene Polizei kam erst, als sich der Mann von uns losgerissen hatte … Ich könnte mich nicht erinnern, vernommen worden zu sein, eine Beschreibung abgegeben zu haben oder das sich die Polizei für die Videoaufnahmen der U-Bahn Station interessiert hätten …

Noch im selben Jahr bekam ich es mit einem überaus hartnäckigen Stalker zu tun, es gab aufgezeichnete Drohanrufe und Handy Nachrichten. Meinen damaligen Freund und meine beste Freundin begann er ebenfalls zu verfolgen. Er lauerte mir an einer Busstation auf und bedrängte mich, umstehende Passanten taten nichts. Meinem Freund wurde es an diesem Tag zu bunt, zumal ich Blessuren davon getragen hatte und es folgte eine Anzeige. Während wir, also mein Freund und ich die Anzeige aufgaben. Filmte ein Tankstellenvideo, wie er versuchte meine beste Freundin quasi zu überfahren, zumindest donnerte er laut ihrer Aussage und der ihres Freundes Haarscharf an ihr vorbei, als sie aus dem Auto stieg … Was passierte? Ein ausgerichtlicher Tatausgleich, also grob genommen … Nichts. Denn trotz dieses Ausgleiches und der darin vereinbarten Punkte wie nicht mehr Anrufen, Drohen, fern halten und so weiter. Rief er nun rund um die Uhr zu verschiedensten Zeiten am Haustelefon meiner Eltern an … Was die Polizei dagegen tat? Richtig Nichts!

Als wir eines Abends zeuge einer Schlägerei, mit Messerbeteiligung in einem Lokal wurden, brauchte die gerufene Polizei, deren Wache sich im selben Gebäudekomplex befindet über eine viertel Stunde … Die Schläger waren da natürlich bereits verschwunden, nur ein blutendes Opfer auf der Toilette gab es noch …

Eines Nachts, wurden wir von Hilfeschreien geweckt, sahen aber nichts. Riefen die Polizei an, deren Antwort: „Und was sollen wir jetzt machen …“

Über den aggressiven Hund, der mich und meine Hunde, mehrmals angriff wobei ich mir einmal eine üble Sehnenverletzung zuzog habe ich hier ebenfalls schon geschrieben, auch darüber das ich jeden Vorfall der Polizei meldete, welche über eine Stunde, bei zehn Minuten Fußweg, von der Wache bis zum „Tatort“ brauchte …

Ist die Polizei überfordert, unterbesetzt oder böse gesagt unfähig? Dies zu beurteilen, maße ich mir nicht an. Meine Begegnungen mit Ihnen, vor allem wenn es um Gewalt oder allgemein bedrohliches Verhalten geht, sind jedenfalls nicht sehr positiv. Schnell sind sie nur beim Strafen ausstellen im Straßenverkehr, wobei natürlich notorische Linksfahrer bei geltenden Rechtsfahrgebot ignoriert werden.

Und sie sind in der Causa, sexuelle Gewalt nicht die einzigen unfähigen, wendet man sich wegen eines zudringlichen leitenden Kollegen hilfesuchend an einen Betriebsrat oder eine Arbeiterkammer kommt nur; „Überlegen sie sich, ob sie dort noch arbeiten wollen …“

Allerdings sollte ich betonen, dass diese Vorfälle ein paar Jahre vor der heute herrschenden Sensibilität stattfanden … Mittlerweile bin ich eben auch so wie ich bin, kaum ausgehend, wenn nie alleine und mich von Menschenmaßen fernhaltend, so manches gutes Konzert habe ich vorzeitig verlassen um unbehelligt „nach Hause“ zu kommen. Dies ist lediglich meine Strategie und kein Vorschlag für andere Menschen!

Jeder Mensch ob Mann oder Frau, muss das Recht haben sich zu jeder Zeit frei und sicher zu bewegen! Wer unter Alkoholeinfluss zu einer grabschenden und menschengefährdeten Bestie wird, sollte sich in Therapie begeben und von Alkohol fern halten!

Alles was ich zu den Vorfällen in Köln sagen kann, man kann nur hoffen, dass wenigstens ein Teil der Täter adäquat zur Rechenschaft gezogen wird. Allerdings sollte man in diesem Kontext auch darauf verweisen, dass wir bereits Sexual-Täter haben, welche während ihrem Freigang ebenfalls erneut ältere Damen angreifen und an ihr Ziel kommen … Meiner Meinung nach, sind allein die zu erwartenden Konsequenzen für Sexual-Täter, nicht hoch genug, größtenteils kommen sie mit Bewährungen oder Geldstrafen davon … Die Opfer sind oft fürs Leben gezeichnet, dies steht in keiner Relation …  falsche politische Korrektheit ist im Zusammenhang mit diesen Vorfällen, mehr als unangebracht ..
Deshalb wünsche ich allen angegriffenen Mädchen und Frauen viel Kraft und Unterstützung!

Ich hoffe meine Reaktion ist wie gewünscht ausgefallen. Zumindest konnte mich das Mail aus der Reserve locken …

Ein Kommentar

  1. Das ist ganz schön heftig. Danke für deine Berichte. Erschütternd, dass die Polizei in all diesen Fällen do tatenlos war und auch das Umfeld so ignorant :-(. Sexuelle Übergriffigkeit gibt es nicht erst seit Köln und ist leider überall ein tabuisiertes, aber präsentes Thema. Egal wer die Täter_innen sind, wie mir scheint. Es tut mir leid, aber ist auch verständlich, dass solche Erfahrungen zu einem Schutzbedürfnis führen, auch in Wissen darüber dass eigentlich dieses die eigene Freiheit beschneidet & mensch selbst sowas kaum steuern kann. Liebe Grüße & eine gute Genesung von diesen blöden Erfahrungen auch wünscht Evan Julian

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