Der Rückkehrer, eine Filmkritik und Hintergrundgeschichte

Von Anfang an beherrschen kalte Blautöne das Geschehen des Filmes, welcher 1823 während dem Übergang der Jahreszeiten von Herbst auf Winter spielt. Schnell wird klar, für die Kameraaufnahmen wurde auf künstliches Licht verzichtet, was dem Geschehen, durchaus, einen realeren Charakter verleiht. Man bekommt nicht das Gefühl einen Hollywood-Film zu sehen, zu echt wirken die Einstellungen und Naturaufnahmen, ziehen einen in den Film hinein und lassen einen den harten Überlebenskampf in rauer Natur fast mitfühlen.

Was heißt fast? Förmlich spürt man selbst seine Glieder frieren, während sich die Darsteller durch kaltes Wasser, Regen oder Schneegestöber ihren Weg bahnen.

Nur das Rot des Blutes hebt sich vom Hintergrund deutlich ab, bereits kurz nach dem düsteren Beginn des Filmes, welches von Feuer und einer scheinbar flüsternden Stimme geprägt wird.
Verleiht dem Geschehen eine abstrakte Wärme, während des ersten Kampfes auf Leben und Tod, zwischen den Pelzhändlern und den Ree-Indianern, dynamisch bewegt sich die Kamera durch die brutale Kampfszene, verzichtet wird auf schnelle Wechsel und Schnitte, einem Dirigenten gleich führt uns die Kameraperspektive durch das blutige Ballett aus Schüssen, Messern, Pfeilen und Tomahawks …

Fast möchte man sein Gesicht abwenden, so ungeschönt wird der Kampf gezeigt, gedämpfte Schreie und Schüsse überlappt von ruhiger und dennoch düsterer Musik, während beide Seiten verzweifelt um ihr Recht auf Leben, Land und Tier kämpfen …

Kurz darauf stehen einem die Nackenhaare einzeln zu Berge, als man im selben Moment wie der Hauptcharakter: Hugh Glass, verkörpert von Leonardo DiCaprio, den Angriff des computeranimierten Grizzly miterlebt, tatsächlich begleitet mich eine kurze Woge des Adrenalins, als die ersten Geräusche des Grizzlys und Hugh Glass, vor Schreck geweiteten, Augen in Großaufnahme zu sehen sind.

Mein Magen zieht sich zusammen, während die Kamera den folgenden Todeskampf derart nah einfängt, dass die Linse beschlägt. Beinahe fühlt man den Schmerz als der Grizzly auf seinem, schwer geschundenen, Opfer zu stehen kommt und dabei nicht wenig Gewicht auf die Pfote am Kopf des Opfers ausübt. Meint seinen Atem zu riechen, dessen Klang die Szene nun beherrscht…

Spektakuläre Naturaufnahmen nimmt man ob des folgenden Leidensweges kaum noch wahr, allerdings bekommt die Natur immer wieder ihren eigenen Auftritt, ist sie um die Legende des Trappers Hugh Glass zu erzählen auch unabdingbar. Überflutete Wälder, reißende Ströme, scheinbar unüberwindbare Steilhänge und erbarmungslose Kälte. So entwickelt sich selbst die Natur, stetig, zu einem eigenen Darsteller des Filmes.

Trotz der wenigen Dialoge, verfolgte ich den kriechenden Überlebenskampf des Hauptcharakters gebannt, welcher neben Schmerzen, Kälte und Fieberwahn auch Verzweiflung und dennoch unbändigen Überlebenswillen zeigt.

Als Anhänger von Aussteigergeschichten, wobei Hugh Glass kein Aussteiger war, kannte ich die Legenden um den Trapper bereits, schnell war für mich klar, dass ich mir diese erneute Verfilmung ansehen würde, welche gar nicht damit prallt nach einer wahren Begebenheit zu sein, was offenbar mit sich bringt, das viele die Geschichte dahinter gar nicht kennen …

Wir sehen hier im Großen und Ganzen keine fiktionale Geschichte, die Pelzhändler, darunter Fitzgerald, Hugh Glass und Jim Bridge gab es wirklich. Das meiste von dem, was uns dieser Film zeigt, trug sich so zu …

Hugh Glass hatte zwar keine indianische Frau und bliebt zeitlebens Kinderlos … Aber die Pelzhändler, darunter Hugh Glass, Jim Bridger und John Fitzgerald gab es … Der Indianerangriff fand statt und die Flucht vor ihnen vorerst auf Wasser, später zu Land … Auch zu dem schrecklichen Grizzly-Angriff auf Hugh Glass kam es in den Rocky Mountains, wobei die Grizzly-Mutter Hugh Glass teilweise skalpierte, die Kehle schwer verletzte, ihm die Beine brach und unzählige weitere Wunden zufügte …. Einige Legenden erzählen tatsächlich das Hugh Glass zerschmetterter Körper unter der toten Bärin gefunden wurde, in Wahrheit kamen im wohl seine Gefährten zu Hilfe und streckten die Bärin mit mehreren Schüssen nieder* …

Ebenfalls wurden tatsächlich zwei Kameraden, bezahlt, abgestellt um bei dem verwundeten Glass zu bleiben, um ihm ein christliches Begräbnis zu gewährleisten und tatsächlich ließen seine Kameraden Glass nach einigen Tagen in einer ausgehobenen Grube, bedeckt mit einem Bärenfell allein und ohne Nahrung zum Sterben zurück …

Und tatsächlich kämpfte sich Hugh Glass, Großteils kriechend, sechs Wochen lang, bis zu einem Fort durch … Eher aufgrund seines Überlebenswillens als dem Motiv der Rache, so soll er seinen beiden Kameraden vergeben haben …

Jahre später, als alter Mann, starb Glass während er mit Kameraden im heutigen Yellow-Stone-Park auf Bärenjagd war, bis zu dreißig Indianer sollen die Pelzhändler angegriffen, mit Pfeilen niedergestreckt und skalpiert haben …

Zurück zum Film, ich meine er hat die mittlerweile zwölf Nominierungen für Oscars durchaus verdient und obwohl ich bis dato nur wenige Filme mit Leonardo DiCaprio mochte, wünsche ich ihm einen Oscar für den Besten Hauptdarsteller. Die Dreharbeiten waren unerbittlich und nicht leicht, viele Darsteller und Mitarbeiter sollen abgesprungen sein, was auch an dem Wunsch des Regisseurs lag, sämtliche Szenen chronologisch abzudrehen … Die Natur tat ihr übriges.

Zudem kann man durchaus behaupten das DiCaprio den Film fast alleine trägt und es wortlos vollbringt, dass man sich nicht langweilt und von Anfang bis Ende mit ihm fühlt …

 

 

 

*Falls die Information für Euch von Wert ist, ein großer Bär wird durch Schüsse meist noch wilder, bis er tatsächlich an einem Bauchschuss, zum Beispiel, stirbt hat er Euch schon längst getötet …

 

Das Wort „Revenant“ wird im Englischen häufig benützt, um eine wiedergekehrte Seele, oder Geist, zu beschreiben, welche keine Ruhe findet und Lebende terrorisiert, allerdings dennoch kein Poltergeist … Zu Gern griffen die Zeitungen das Schicksal und den Überlebenskampf von Hugh Glass auf, wodurch er schon damals diesen „Spitznamen“ erhielt …

 

2 Kommentare

  1. Ich war mir fast sicher, dass ich hier gestern schon auf „gefällt mir“ gepatscht habe. Unerheblich, wenn man folgendes liest: Ich habe dich für den „Liebster Award“ nominiert! Das heißt, dass du erst die zehn Fragen beantworten darfst und dich anschließend über die Qualen vom Finden eigener zehn Fragen freuen darfst. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Antworten.
    Und jetzt kommt ein Link mit den Formalia und meinen Antworten (die dich vielleicht nicht interessieren, aber jetzt stehen die schon da; runterscrollen hilft vielleicht ein bisschen 😉 ):
    https://dampfbloque.wordpress.com/2016/01/15/liebster-award-ii/

    Gefällt 1 Person

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