Kulturschock oder doch nur Alltag in der Klapsmühle – nach 3 Wochen wieder im Büro

Die Zeit vergeht, dass ist klar. Dennoch traf es mich heute wie der Blitz, als ich feststellte, dass ich heute das erste Mal seit 3 Wochen wieder im Büro war …

… Urlaub hatte ich mir ja keinen genommen und auch richtig „Krank“ war ich nicht, meine bereits ausgeschlachtete Verletzung, oder besser Zerrung, irgendeines seltsames Muskels, bei welchem es sich nicht, wie fälschlicherweise von mir angenommen, um die Leiste handelte, welche mich unter anderem dazu verdammt hatte einige Zeit im Sitzen zu Kochen, hatte es mir ermöglich auch einige Zeit von zuhause zu Arbeiten.

Gott Lob auf Laptops, W-Lan, Server und was dafür noch alles notwendig ist, dass es auch heutzutage gibt. Ursprünglich war ja nur eine Woche „Heimarbeit“ geplant gewesen, meine Verkühlung mit Racheninfekt, welcher meinen „Galan“ wiederrum deutlich mehr erheiterte als mich, besonders dann wenn die Stimme weg war, hatte den Umstand der Heimarbeit verlängert.

Tatsächlich ist von zu Hause arbeiten großartig. Man gammelt in der Jogginghose und warmen Schlabberpulli vorm Laptop herum, während einem die Lieblingsmusik um die Ohren schallt, oder nebenbei Staffeln einiger präferierten Serien durchlaufen, ohne dass man selbige tatsächlich bewusst mitbekommen würde. Auch genoss ich es, wenn ich gerade, mehr oder weniger, verzweifelt an einem Problem zu tüfteln hatte, eine kurze Ablenkung in Form von vier treudoofen, rehbraunen, Hundeaugen, zu erfahren.
Oder einen gehörigen Schreck zu bekommen, während man eine Mail tippt und sich einer dieser treudoofen Hunde angeschlichen hat und einen nun mit der Nase anstupst.

Deutlich produktiver ist Heimarbeit übrigens auch, zumindest bei mir, gewohnt startete ich meine Arbeit zwischen sieben und zehn Uhr vormittags, beendete sie aber meist erst gegen acht Uhr abends, wenn mein „Galan“ schon „maulte“ und demonstrativ die Hunde fütterte, selbige pflegen nämlich gen acht Uhr zu speisen, weshalb ich das Büro, normalerweise, auch zwischen halb sechs und sechs verlasse.

Heute war er nun wieder da der Alltag, bis zum Zähneputzen und dem anschließenden Rundgang mit den Hunden, alles wie „gewohnt“, doch dann hieß es wieder rein ins Bürooutfit und ins Auto. Ja ich fahre mit dem Auto, ich böse, weil ich mit dem Auto nur eine halbe Stunde zur Arbeit brauche und mit der Bahn fast zwei … Autofahren klappte noch ganz gut, dies hatte ich wohl in meinen drei Wochen „Pause“ nicht verlernt.

Dann ging es schon los, mit mir bekannten und nun doch beinahe fremden Eindrücken, der Geruch der Heizanlage aus dem Keller, erste Geräusche im unteren Stockwerk, einen Portier oder Empfang haben wir, witzigerweise, nicht … Witzig, weil es immer witzig ist, wenn Leute, welche zu uns kommen, verschreckt durch die Gänge irren …

Ich höre meinen Chef und seine Assistentin, als ich in den Gang zu „meinem“ Büro entlanggehe. In unserem Zimmer ist erneut ein „Austauschkollege“, so bezeichne ich seit heute Kollegen aus anderen Abteilungen, welche aufgrund von Umbaumaßnahmen zu uns gesetzt werden, er sitzt auf meinem Platz. Meine Kollegin, Sandra, die nicht so heißt, begrüßt mich freudig. Der „Austauschkollege“ ebenfalls und räumt hurtig meinen Platz … ob ich echt so böse dreingesehen habe?

Auch die neue Kollegin aus dem Nebenzimmer, stellt sich nun bei mir vor, irgendwie ist sie komisch und ich skeptisch, was ja nichts Neues ist, nun sollte ich wohl einstreuen das ich auch gegenüber dem „Austauschkollegen“ skeptisch bin, ich hab ihn zwar schon mal gesehen, kenne ihn aber noch nicht …

Schließlich packe auch ich meinen Laptop aus, schließe ihn an der sogenannten „Docking-Station“ an und beginne meinen Arbeitstag, ich gestehe, es ist elf.

Sandra lenkt mich mit einem netten Plausch ab, auch ihre Familie ist nun um ein vierbeiniges Mitglied reicher, munter wird erzählt und gelacht … Ich stelle fest, ich habe Sandra gar ein kleines bisschen vermisst … Allerdings stelle ich im Zuge der Unterhaltung fest, welche relativ umfangreich wird, ohne dass ich viel sage, dass ich den „Austauschkollegen“ tatsächlich nicht mag.

Er ist ein Naseweis, mit dem zwanghaften Drang zu allem seinen Senf abzugeben, Leute zu unterbrechen und sich auch noch auf Kosten anderer einen, für mich, derben Spaß zu erlauben, nachdem er den fünften Kollegen denunziert hat, klinke ich mein Gehirn aus und verpasse ihm den Namen Meister Pfriem

Meister Pfriem ging mir an diesem Tag noch einige Male auf den Senkel, egal wer zu uns ins Zimmer kam, wurde nach dessen verlassen von Meister Pfriem ausgerichtet, oder er machte einen Witz auf dessen Kosten, ich kam schließlich nicht umhin in zu fragen, was wohl er und ein Waschweib gemein hätten …

Kurz darauf stellte ich beinahe entsetzt fest, dass Telefone auch klingeln können, könnte mein Mobiltelefon wohl auch, tut es nur nie, nicht weil niemand anruft, sondern weil es immer auf stumm ist. Es braucht einige Stunden bis ich mich an all das Geklingel um mich herum gewöhne.

Die Assistentin vom Chef und Firmenmama schaut bei uns herein, fragt mich über meine Verkühlung aus und zählt mir eine Liste von Medikamenten und Hausmittelchen auf, welche helfen könnten, da meine Stimme noch immer etwas angeschlagen ist. Ach, wie habe ich das bemuttert werden vermisst … was mitunter nicht ganz so sarkastisch gemeint ist, wie es nun klingt … Bürmamas und Papas gibt es überall, sie haben immer ein Aspirin, Halsweh-Lutschtablette, Pflaster oder einen ganzen Rettungswagen in der Handtasche, oder Schublade …

Pünktlich um halb drei, verlies uns Sandra, kurz darauf um Drei hatte Meister Pfriem eine Besprechung, endlich das Büro für mich.

Doch halt da ist ja die neue Kollegin im Nebenzimmer, welche unter all dem ausklinken meinerseits etwas untergangen war. Jetzt höre ich sie laut und deutlich, offenbar ist sie von jener Sorte Mensch der sämtliche seiner Arbeitsschritte mitkommentiert und seinen ständigen Stress wohl mit einem lauten Pfauchen jedem zeigen muss … Natürlich pfauche ich auch mal, jeder pfaucht mal seinen Bildschirm an, weil etwas nicht funktioniert oder man tatsächlich gestresst ist … Aber viermal Pfauchen pro Minute? Schwäne pfauchen auch, wenn ihnen etwas nicht passt, also heißt die neue Kollegin nun Odette.

Schließlich rief mich Herbert, der natürlich auch nicht so heißt an, Herbert ist ein Phänomen, egal wo im Gebäude er sich befindet, er bräuchte dich nicht anzurufen, sein Organ ist nicht zu überhören und so hörte auch ich ihn, erneut in Stereo, am Ohr mit dem Telefonhörer und am Ohr ohne Hörer.

„Mein Gott, spricht der immer so laut?“, Odette steckt ihren Kopf durch die Tür.
„Ja.“
„Du warst jetzt ganz schön lange krank, oder?“, sie versucht also mit mir ins Gespräch zu kommen.
„Nein, ich habe nur ein paar Wochen von zu Hause gearbeitet, wegen einer Sportverletzung.“, nein ich möchte nicht auftrumpfen, es ist ja eine Sportverletzung und dies nun andersrum zu erklären wäre mir zu umständlich.
„Ich mache auch Sport …“, in dieser Sekunde ertönt ein Schnippen am Gang, selbiges kennt bei uns schon jeder, ist der Chef unterwegs schnippt er mit seinen Fingern … Eigentlich mag ich dieses Geräusch, heute irritiert es mich kurz. Er braucht etwas von mir, vorläufig gerettet vom Small-Talk.

Nach einer Stunde beim Chef, eile ich vollbeladen mit Notizen wieder in mein Büro … „What the Fuck … unz … unz … unz“ tönt mir entgegen. Das hatte ich am Büro schon am meisten vermisst, Sandras Radio, welches sie abgedreht hatte, als sie heimgegangen war und welches, offensichtlich, Meister Pfriem wieder eingeschalten hat.

Ich beschließe für den heutigen Tag schluss zu machen und fühle mich tatsächlich ähnlich einem Kulturschock … Nach all der Stille und Isolierung, während der Arbeit bei mir zu Hause … Kurz überlege ich den Laptop in seine Tasche einzupacken und mitzunehmen, nachdem er heruntergefahren hat … Im Auto lobe ich Gott erneut, dafür nicht in einem Großraumbüro arbeiten zu müssen …

3 Kommentare

    • Schräge Frage 🙂 Nein dass nicht, ich dachte drüber nach wie verquer ich bin oder wieviel ich scheinbar Ruhe schätze … warum mich manche Menschen so schnell nerven …. und an meine ehemalige Zeit in einem Großraumbüro und wie ich dies vier Jahre aushielt ohne Amok zu laufen … allerdings ist wohl der letzte Punkt für alle vorangegangenen verantwortlich 🙂 inklusive der Ablehnung von Telefonklingeln …

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      • Au weia die zweite.
        Warum einen Menschen nerven? Ich weiß nicht. Bei mir scheint es auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Komischerweise nerven mich so viele Menschen, aber gleichzeitig finden mich auch so gut wie alle nervig. Vielleicht bin ich ja auch der Geisterfahrer, der eine Warnung über sich im Verkehrsradio hört und sich empört, dass da nicht einer sondern tausende Geisterfahrer auf der Piste sind. 😉

        Vielleicht ist es auch einfach nur Pech. 😉 und du bist der einzig normale Mensch. Oder doch nicht?

        Das artet jetzt ein wenig zu sehr ins Philosophische aus.

        Also beenden wir das mit einem fröhlichen Kinderreim:

        IF YOU’RE HAPPY AND YOU KNOW IT SMASH THEIR HEADS…

        🙂

        Und so fahre ich mit einem Lächeln im Gesicht zur Arbeit. YAY!

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