Mallorca mal anders

Der Sommer 2016 nähert sich, meinem Gefühl nach, bereits mit großen Schritten, mit ihm auch die nächsten Abi und Matura-Abschlüsse, damit wiederrum Feiern … Aber natürlich fahren auch viele andere Menschen gerne zum Feiern nach Mallorca, oder Malle wie es auch genannt wird …

… aber für aufmerksame Besucher bietet die Insel mehr als nur Party, beherbergt gar einen kleinen Naturschatz und gewisse Gesten, bedeuten in der eigentlich fremden Kultur etwas ganz anderes als bei uns …

Die Landeshymne „La Balanguera“, eigentlich ein Gedicht des mallorquinischen Poeten Joan Alcoyer i Maspons, geschrieben in der Zeit um 1902 – 1903, inspiriert von einem nicht näher beschriebenen Volkslied auf eine weibliche Figur namens Balanguera, was wiederrum auch die Bezeichnung für die mallorquinischen Volkstänze ist.

Lange geriet es in Vergessenheit, bis es durch die Sängerin Maria del Mar Bonet wiederbelebt wurde, 1996 führte Mallorca dieses Lied schließlich als ihre Landeshymne ein, um die Eigenständigkeit der Insel zu mainfestieren.

Grob genommen geht es in dem Lied um eine weibliche Figur, welche den Faden des Lebens, jeder einzelnen Person, für das Morgen und auch Traditionen in den Nachkommen verwebt. Die Balanguera spinnt, immerdar wird Balanguera spinnen …

Die Hymne findet ihr hier, am Ende des Textes wartet die Übersetzung auf Euch …

Das Wappen von Palma de Mallorca, sowie etliche Gebäude und Sitze im Rathaus schmückt eine Fledermaus, aufmerksame Besucher werden diese überall immer wieder finden …

Die Fledermaus galt als das Wappentier der Aragonier, was nichts mit Herr der Ringe zu tun hat, aber auch die Wappen von Valencia und Barcelona zeigen sie. Auch soll sie das Glückstier von König Jaume I gewesen sein, welcher im 13. Jahrhundert Mallorca von den Mauren eroberte, allerdings gehen hier die Legenden auseinander, eigentlich sollte ein Drache Mallorca zieren, aufgrund eines Missverständnisses kam es zu der Fledermaus …

Beinahe „schockierend“, bedenkt man die frühe Besiedelung, bereits 123 vor Christus, auf Mallorca gibt es keine natürlichen Süßwasserquellen. Lediglich nach heftigen Regenfällen füllen sich die trockenen Flussbäche, welche im Volksmund „Torrentes“ heißen und werden zu gefährlichen Sturzbächen, da sie aber auch für den Hochwasserschutz wichtig sind werden sie auch aufwendig in Stand gehalten.

Die Seen Cúber und Gorg Blau im Tramuntana-Gebirge wurden als Trinkwasserreservoire künstlich angestaut.

Einen kleinen Naturschatz gibt es nur auf Mallorca; die Mallorca-Geburtshelferkröte, einheimisch Ferreret genannt.

Ferreret A8-storrens.jpg

Das Besondere an dieser Kröte? Nach Fossilien-Funden 1979 wurde sie als eine Lebensform des Pleistozän klassifiziert, welche sich vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann und erst circa 9660 vor Christus endete … Bald wurde angenommen die Art sei seit gut 2000 Jahren ausgestorben, bis man lebende Exemplare auf Mallorca entdeckte.

Zu guter Letzt: Gesten, welche bei uns etwas ganz anderes bedeuten als dort. Daumen hoch, bedeutet auf Mallorca, innerhalb der Gastronomie „Ich möchte noch etwas zu Trinken bestellen“.

Die unter Rock-Hörern beliebten „Devils Horns“, wobei von der geschlossenen Faust, der Zeige- und der kleine Finger weggestreckt werden, bedeutet dort „Deine Frau hat dir Hörner aufgesetzt“ …

 

Hier die versprochene Übersetzung:

La Balanguera misteriosa,
com una aranya d’art subtil,
buida que buida sa filosa,
de nostra vida treu lo fil.
Com una parca bé cavilla
teixint la tela per demà
La Balanguera fila, fila,
la Balanguera filarà.

Girant l’ullada cap enrera
guaita les ombres de l’avior,
i de la nova primavera
sap on s’amaga la llavor.
Sap que la soca més s’enfila
com més endins pot arrelar
La Balanguera fila, fila,
la Balanguera filarà.

De tradicions i d’esperances
tix la senyera pel jovent
com qui fa un vel de noviances
amb cabelleres d’or i argent
de la infantesa qui s’enfila
de la vellura qui se’n va.
La Balanguera fila, fila,
la Balanguera filarà

Die geheimnisvolle Balanguera
leert, ja, leert ihren Spinnrocken
wie eine Spinne in höchster Kunst
zieht sie den Faden unseren Lebens.
Wie der Sensenmann, wohlbedacht
den Stoff für das Morgen spinnt
spinnt die Balanguera, spinnt,
wird die Balanguera immerdar spinnen.

Den Blick nach hinten gerichtet
erspäht sie die Schatten der Herkunft-
und sie weiß, wo sich der Keim
des neuen Frühlings versteckt.
Sie weiß, dass der Baumstamm umso höher strebt,
je tiefer seine Wurzeln reichen können;
die Balanguera spinnt unablässig,
immerdar wird die Balanguera spinnen.

Aus Traditionen und Hoffnungen
webt sie die Standarte der Jugend
wie jemand, der aus Fäden von Gold und Silber
einen Hochzeitsschleier macht.
Aus der Kindheit, die sich ins Leben einreiht,
aus dem Alter, das es verlässt
spinnt die Balanguera, spinnt,
wird die Balanguera immerdar spinnen.

 

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