Alltag in der Klapsmühle: Diskussion mit Meister Pfriem über Gleichberechtigung

Als ich heute das Büro betrat, passierte etwas, dass bei mir so oder so selten auf Begeisterung stößt, Meister Pfriem, unser „Austauschkollege“, dessen Büro noch immer nicht fertig umgebaut ist, überreicht mir Blümchen …

„Guten Morgen. Schönen Frauentag.“

Ich bin dezent irritiert, könnte mich nicht erinnern das jemand im November zum Männertag Boxer-Shorts oder dergleichen verteilt hätte, im Gegenteil anstatt einzusehen in welchen Belangen tatsächlich auch der moderne Mann mit Unverständnis und Ungleichheit zu kämpfen hat, feierte die Welt lieber Munter den Welttoilettentag … Soeben fällt mir auf; Blumen und Schokolade sind ein sicheres Rezept für Frauen, so sagt man(n), aber was schenkt man einem Mann?

„Danke“, ich gehe auf meinen Platz, welchen Meister Pfriem vor einigen Tagen einfach umgeräumt hat, was zu einem derartigen Emotionsausbruch meinerseits führte, dass ich mich lieber nicht öffentlich zu seiner Optimierungsmaßnahme äußerte und lege die Blumen am Kasten ab. Entledige mich meiner Jacke und starte den Computer.

„Stellst du die Blumen gar nicht ins Wasser?“, fragt Meister Pfriem nach und noch bevor ich zu Wort komme ist er auch schon aus der Tür mit den Worten „Ich hol dir eine Vase“ Als er zurückkommt und die Blumen im Wasser stehen, scheint er zufrieden, irgendetwas gibt mir das Gefühl; Heute wird’s ein verdammt langer Arbeitstag werden.

Es wird Mittag, wie üblich gehe ich hinunter in die Werksküche um mir mein Essen zu holen und freue mich auf die nächste halbe Stunde, in welcher ich gerne andere Blogs lese oder das neue P.M.-Magazine, sofern es ein neues gibt.

Aber Meister Pfriem, hätte diesen Decknamen nicht, würde er mir Möglichkeit und Raum für meine Routine geben, ich unterstelle mir nun selbst eine gute Menschenkenntnis. Denn meine Kollegen erhalten ihre Kosenamen, meist gleich, beim ersten kennenlernen.

„Und was wirst du eines Tages?“, von links dringt Meister Pfriems Stimme an mein Ohr. Anstatt mit „Ich esse!“, antworte ich „Wie bitte?“

„Hast du den heutigen Google-Doodle nicht gesehen?“ Ich beschließe mich blöd zu stellen „Was soll das sein?“

Geschafft, meine Antwort macht ihn kurz fassungslos, was mir Zeit zum Essen verschafft, einige Bissen bekomme ich hinunter bis er mit der Erklärung fertig ist.

„Also was willst du eines Tages“, hackt er nach seinen Ausführungen über den Google-Doodle nach.
„Sterben … friedlich … ohne hättest, würdest, solltest …“
„Aha, das ist aber nicht sehr feministisch.“
„Ich bin auch keine Feministin.“
„Aber du bist doch eine Frau.“
„Weiter?“, in was habe ich mich da nur reingeritten, schwirrt mir durch den Kopf.

„Bist du gegen Gleichberechtigung?“
„Ja, ich bin moderner oder altmodischer je nachdem, ich hab’s mit der Gleichstellung.“
„Also doch Feministin“
„Nein.“
Ich merke mein Essen wird kalt werden. Etwas, einer Aufklärung gleich folgt, wobei ich meine Interpretationen von Informationen, welche sich über Jahre zu diesen Themen angesammelt haben, wiedergebe.

Natürlich möchte ich Arbeiten und meine politische Vertretung wählen dürfen, ebenso meinen Ehemann und ich möchte entscheiden wo ich wie lange arbeite und nicht mein Vater oder Ehemann. Über mein Einkommen frei verfügen und vieles mehr, was mir und anderen Frauen, in unseren Breitengraden, wahrlich großartige Frauen mühsam erkämpft haben … Aber alles kann übertrieben werden.

Meister Pfriem zum Beispiel, weiß ohne nachzudenken das Frauen weniger verdienen als Männer, aber das der Mann, zumindest nach deutschem Gesetz nach wie vor verpflichtet ist die Familie zu erhalten, dass weiß er nicht … Genauer nennt es sich Versorgungspflicht des Ehemannes, welche eingeführt wurde, da Frau sich seinerzeit nicht selbst versorgen konnte, oder durfte.

Schließlich muss ich noch anfügen, dass wir in unserer Hymne nun zwar auch große Töchter und Söhne sind, aber Frau ihr Land nicht zu verteidigen hat, Stichwort: Wehrpflicht und nach wie vor die Frau früher in Pension geht, wobei mir dieser Umstand egal sein kann, da es zu meinem Pensionsantrittsalter wohl keine Pension mehr geben wird.

Wespennest, nicht nur das mein Mittagessen mittlerweile tatsächlich kalt ist, entsteht eine rege Diskussion. Welche auch nicht besser dadurch wird, dass ich darauf verweise, dass Statistiken zum Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau einfach zu wage sind.

Groß wird getönt die Frau verdiene im Schnitt 23 Cent weniger als der Mann, dass dieser Umstand aber auch dem geschuldet ist, dass der Friseur oder der Bürokaufmann, welche Berufsgruppen Frauen vorziehen, womit ich hier die ungegenderten Berufsbezeichnungen heranziehe, einfach weniger verdient als der IT-Profi oder technische Berufe , welche eher Männer wählen, scheint aus solchen Statistiken herauszufallen.

Friseur rangiert übrigens auf Platz drei der beliebtesten Lehrberufe von Mädchen …

Im Einzelhandel befinden sich vergleichsweise mehr Frauen als Männer. Natürlich gibt es noch Vorbehalte gegenüber Frauen, aber für mich ist fraglich in wie weit man diese mittels souveränen Auftreten ausräumen könnte. Auch ich erlebte das Schwangerschaft in Vorstellungsgesprächen Thema war, obwohl dies ja gar nicht sein darf. Ich poche hier nun einmal nicht auf mein Verschwiegenheitsrecht, sondern sage offen, dass mein „Galan“ und ich noch studieren und die Familienplanung deshalb noch überhaupt keine Rolle spielt.

Selbstverständlich stelle ich allerdings nicht außer Frage, dass trotz Versicherung dass man, oder in diesem Fall Frau, kein Kind gebären wolle, dennoch ein männlicher Mitbewerber bevorzugt wird … Aber dies fällt für mich unter betriebswirtschaftliche Logik, Fairness lasse ich dabei komplett außen vor .. Übrigens, habe noch keinen Mann sagen hören, aufgrund seiner Wehrpflicht würde er bei der Einstellung diskriminiert werden, was aber durchaus ebenso vorkommt, zum Grundwehrdienst oder Zivildienst können Männer ab dem 17. bis zum 50. Lebensjahr eingezogen werden, ist der sogenannte Präsenzdienst noch nicht abgeleistet, ist es auch für das männliche Geschlecht schwer an einen Job zu kommen.

Zudem zeigen Studien, wobei für mich Studien immer etwas fraglich bleiben, ein kleines Klischee auf. Schülerinnen schätzen ihre eigenen Fähigkeiten im Schulfach Mathematik schlechter ein, als gleichstarke Schüler. Geht es um Gehaltsverhandlungen, soll es auch eher der Mann sein, der vorprescht.

Lange Rede kurzer Sinn, Gleichstellung ist für mich ein hochkomplexes Thema, welches nicht mit aufgebauschten Artikeln oder einzelnen Punkten, welche meist zu Gunsten der Frau gehen, behandelt werden können …

Nachdem meine halbe Stunde Mittagspause verstrichen ist, verstehen mich auch Meister Pfriem und Sandra, so hätten sie es noch nie betrachtet …

Sieht man sich diese Karte an, finde ich, erkennt man ganz gut, dass wir auf hohem Niveau raunzen. Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner, aber manchmal eben auch deutlich gelber …

Beinahe bin ich traurig, dass wir uns am internationalen Frauentag auf unsere Breitengrade beschränken und die Medien sich mit Artikel füllen, wie arm Frau nicht ist wegen der Einkommensschere, aber gleich „nebenan“, die Frau noch immer als Eigentum von Vater, Bruder oder Ehemann gilt, nicht zur Schule gehen darf, sich ihren Lebenspartner nicht aussuchen darf und eigentlich als Putzkraft und Gebärmaschine dienen muss …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s