Über Trauer schreiben?

Es ist mitunter etwas seltsam, man beginnt einen Blog, als sein Ventil, um Dinge, welche einen beschäftigen mit anderen zu teilen und so romantisch, träumerisch oder seltsam es klingen mag, (vielleicht ?) auch um anderen zu zeigen sie sind nicht alleine, oder ihnen einen Lacher an einem düsteren Tag zu bescheren …

Dann passieren Dinge, welche einen selbst aus der Bahn werfen, einen hart und vollkommen unerwartet treffen, mitunter eine Zeitlang nur Negatives zulassen und dann ist da diese Frage; darf ich über (meine) Trauer schreiben? Ist es angebracht und wenn ja, in welchem Umfang?

Doch Trauer ist eine überaus starke Emotion, sie verändert uns entweder kurzzeitig, oder aber auch für immer. Trauer brachte mich schon mehrmals dazu mich komplett zu verschließen vor allem und jeden, dann öffnete ich mich wieder, nur um eine ähnliche Erfahrung erneut zu machen und mich erneut zu verschließen. Allerdings auch um festzustellen, ich zähle eher zu den Menschen, welche Trauer nachhaltig verändert. Jedoch ist es bei mir ein schleichender Prozess, welcher fast an eine Bi-Polare Störung denken ließe, da ich mit allen Mitteln versuche meine Trauer herunterzuschlucken, zu verdrängen und ihr keinen Raum zu bieten, wodurch ich übertrieben „Lustig“ bin, aber wenn ich dann alleine bin und das Gehirn seine Zeit hat um gewisse Rädchen in Bewegung zu setzen, kommt sie doppelt so hart retour.

Hieße dies, man müsse seine Trauer uneingeschränkt zulassen? Um diese Frage komme ich in Phasen der starken Trauer nie herum, aber ich kann sie nicht uneingeschränkt zulassen. Selbst Menschen welche mich kaum kennen, fällt derzeit auf, dass ich deutlich stiller als sonst bin, die Fassade bröckelt, wenn ich nicht aufpasse, sieht noch jemand dahinter der es nicht soll.

Zwei Probleme zum Preis von einem, denn wird man darauf angesprochen, warum man denn so still sei …? In der Arbeit, während einem flüchtigen Treffen auf der Straße, oder gar im Facebook-Chat, zack trifft einen die geballte Ladung Trauer erneut, weil unweigerlich der Grund für die Trauer dabei hochkommt. Es scheint man darf oder kann ihr nicht ausweichen, ist sie da fordert sie in ihren Raum und diesen nachdrücklich.

Lässt plötzlich wie aus dem Nichts, Tränen das Auge verlassen, was man manchmal erst merkt, wenn man das Salz an der Lippe schmeckt. Kaum kann ich mich daran erinnern, wann es mir das letzte Mal so schwer fiel, alltägliche Dinge auf die Reihe zu bekommen oder mal einen kleinen Wortwitz einzustreuen. Auch das Schreiben war noch nie so schwer wie in den letzten zehn Tagen, allein an diesem Word-Dokument, sitze ich zwei Tage, mit ständigen Löschvorgängen.

Jedoch drehen sich Gedanken, zumindest bei mir, in dieser Situation kontinuierlich, mein Gehirn gibt mir keine Ruhe mehr, besonders dann wenn ich alleine bin. Es lässt mich tagelang nicht richtig schlafen, bis ich vor Erschöpfung irgendwann endlich wieder eine Nacht voll Schlaf bekomme. Irgendwie und Irgendwo muss man seine Emotion doch loswerden, zumal mich meine derzeit ein wenig zu Fressen scheint, was tun wenn selbst der Sport nicht hilft? Wenn man geistig und körperlich vollkommen erschöpft ist und das Gehirn einem trotzdem keine Ruhe für Schlaf gönnt? Durchdrehen? Sprechen? Sprechen mit wem? Vor allem wenn man Personen nicht denunzieren möchte und tatsächlich liegt mir nichts ferner als das.

Überwältigt mich ein gewaltiger Schwall an Trauer, denke ich anschließend gar noch negativ über mich selbst, immerhin gab es keinen Todesfall, auch wurde ich nicht körperlich betrogen, jedoch fühle ich mich verraten, ist Verrat eine ausreichende Begründung für eine derartige Trauer? Warum nicht einfach wieder verschließen und auch die Trauer gleich mit draußen lassen? Soll ich mich überhaupt wieder verschließen? Wäre es der richtige oder nur der einfache Weg?

Tatsächlich lässt sie, die Trauer, mich auch etwas irrational werden, ich zeige der mich verletzenden Person mit kleinen Gesten, nach wie vor, dass ich sie schätze, verstehe aber so manches Mittel, welches ich dazu wähle nicht. Warum bin es überhaupt ich, welche nun solche Aktionen setzt? Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt? Oder ist es meine Reaktion darauf, das Gespräche zu den Themen im Sande verlaufen und das gestörte Vertrauen, vorläufig (?), auch nicht mehr zurückbringen. Wird es überhaupt wiederkommen? Was wenn nicht?

Tausend Situationen, welche hochkommen, Worte, Gedanken und Fragen, nie Stille oder Frieden im Kopf. Selbstzweifel, das Gefühl ein Nichts zu sein, unbedeutend, klein, widerlich und abstoßend. Alles woran man glaubte, Zukunftsvisionen, Träume, zerschlagen in einer Sekunde. Selbst der Körper befindet sich im auf und ab. Erbricht sich, reagiert mit kaltem Schweiß, Kopfschmerz, oder gar Schüttelfrost, kurzum Reaktionen einer Grippe gleich … ja es hat mich mitgenommen und tut es wohl noch immer.

Allerdings, half das Schreiben in den letzten Tagen und gerade eben ein wenig. Inwieweit eine Veröffentlichung hilft? Dies muss ich noch abwarten … Aber es zeigt vielleicht, egal was uns trifft und wie sehr es uns aus der Bahn wirft, eines Tages geht der Schmerz wieder vorbei, wie eine Grippe und selbst wenn man es sich soeben nicht vorstellen kann, man wird wieder lachen, sich aufrappeln und den Staub der Vergangenheit abschütteln, schöne Momente erleben und Spaß haben, auch wenn einen die Erfahrung vielleicht verändert … 

 

5 Kommentare

  1. Ich werde hier jetzt keine Klischeeantwort schreiben und behaupten, dass alles wieder gut wird.
    Wenn ich es richtig verstehe, dann kommt deine Trauer von der Enttäuschung in einen bestimmten Menschen. Dir bleibt nur die Entscheidung, ob du verzeihen kannst oder ob du mit demjenigen nicht mehr zu tun haben willst. Aber welche Entscheidung richtig ist, kann ich dir nicht sagen und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass keine Entscheidung wirklich gut ist.
    Das wichtigste ist, dass man sich nicht von anderen fertig machen lässt.
    Ich wünsche dir alles Gute.

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  2. Liebe Pixie,

    erwarte nichts von anderen Menschen. Mit Erwartungen gibst du die Verantwortung ab, dass etwas gut wird. Nimm es selbst in die Hand. Vergebe!
    Vergeben dir!
    Lerne dir zu verzeihen. Manchmal irrt man sich in einem anderen Menschen und das tut weh, sehr weh!
    Vergebe dir und sei wieder lieb zu dir. Lerne dich zu lieben. Öffne dein Herz für dich.
    Du hast die Macht über deine Gedanken, führe sie ins rechte Licht, sie wissen nicht was sie tun sollen, ohne dich.

    Mir half Graben. Das Vergraben meiner Trauer im Garten, im Blumentopf.
    Mutternatur tröstet gut und sehr gerne!

    Besorgte Grüne Grüße MION

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