Die Welt des Balletts aus den Augen einer Ballerina

Im Film Black Swan, entführte uns Regisseur Darren Aronofsky, mit Hilfe von Natalie Portman, Mila Kunis und der professionellen Balletttänzerin Sarah Lane, in die Welt hinter den Kulissen des klassischen Balletts. Während der Psychothriller seinen Verlauf nimmt, sehen wir auch Szenen in welchen die, von ihrer Mutter zur Perfektion getrimmte, Hauptfigur Nina, auch zu Hause trainiert und ihre Tanzschuhe bearbeitet …

Näher erklärt werden diese Szenen im Film nicht, warum nimmt Nina ihre offenbar neuen Tanzschuhe derartig auseinander? Was ich selbst ein wenig Schade finde, da man dadurch durchaus annehmen könnte, dass die scheinbar selbstzerstörerische Nina, dies nur macht um noch mehr Schmerz zu empfinden, immerhin werden kurz darauf ihre stark geschundenen Füße gezeigt.

Auch ich verfiel als kleines Mädchen dem Tanz und durfte einige Jahre Ballettstunden nehmen. Das Training ist hart, selbst für Kinder, mein einziger Vorteil gegenüber vielen anderen in der Klasse, ich hatte von Haus aus „Gummiknochen“, dehnen, Spagat oder auf Spitze stehen, wobei letzteres, wie ich nun weiß, unsere Lehrerin viel zu früh mit uns übte, bereiteten mir dadurch, weniger Probleme. Heute kann ich übrigens keinen Spagat mehr, aber nachdem ich viele Aufbauübungen aus dem Ballett für meinen Körper mache, wird es vielleicht wieder.

Interessant, dass sich „Muskelerinnerung“ allerdings bis heute hält, werfe ich mich für Spaß-Schnappschüsse in Pose, stehe ich oft in Spitze und auch im Liegen oder wenn ein Bein vom Boden abgehoben ist, sieht man sogenannte „Spitze Füße“ bei mir, selbst wenn ich einen Handstand mache und auch die Arme folgen gerne einstudierten Ballettbewegungen.

Und auch bei privaten Tänzchen, beim Ausgehen zum Beispiel, schummeln sich diverse Bewegungsabläufe immer wieder ein und auch die „Spitzen-Füße“ oder auf Spitze drehen passieren immer wieder.

Aber ein wenig verzettelt, worauf ich hinauswollte, bei mir war es mit dem Ballett schnell vorbei als die Spitze-Schuhe ins Spiel kamen, ich hasste diese Dinger abgrundtief, sie waren hart und eine Dehnung des Fußes forderte eine enorme Anstrengung, tatsächlich musste ich gegen den Schuh arbeiten. Damals sagte es mir keiner, mittlerweile, nachdem ich mich wieder für Tanz interessierte, weiß ich es besser.

Nina, aus Black Swan, fügt ihren Schuhen das zu, was ihnen jede Balletttänzerin zufügt, da eben sonst ein entspannter Tanz auf den extra dafür entworfenen Schuhen nicht möglich ist. Eine zu harte Sohle muss entfernt werden, damit eine ungefährliche Dehnung des Fußes wieder möglich ist. Die Sohle muss aufgeraut werden, im Film mit Schere, sonst eher gängig mit Drahtbürste, da die Sohle etwas vom Wachs des Tanzbodens aufnimmt, raut man die Sohle nicht regelmäßig auf, läuft man Gefahr übel auszurutschen. Ist die Spitze zu Glatt oder Breit, wobei breite Schuhe immer mehr Standard werden, damit aber die Illusion des „über den Boden Schwebens“ hemmen, wird entweder etwas Stoff an der Spitze entfernt oder die Spitze auf Wunsch, selbst, zugeschnitten und anschließend mit Ballettpflaster oder Leder wieder hübsch genäht. Ist die Kappe der Spitze zu hart, weicht man auf Gummihammer und Anfeuchten aus. Behindert eine Blase den Tanz, wird gerne ein Loch in die Schuh geschnitten und ebenfalls mit Ballettpflastern überklebt.

Im Endeffekt steht man aber eben wieder mit einem ungeschützten Fuß auf der Bühne, wobei die Schuhe auch meist eine gesamte Tanzaufführung nicht durchhalten, was für so manche Ballerina bedeutet einen Teil der Aufführung in durchgetanzten Schuhen hinter sich zu bringen.

Darian Volkova ist professionelle Balletttänzerin und da auch Tänzer vielseitig sind, hat sie auch Talent im Bereich der Fotografie, was ihr ermöglicht Momente aus dem echten Leben einer Ballerina festzuhalten. Mittels Instagram und eigener Homepage zeigt sie viele Eindrücke aus dem Leben mit Ballett: Ich kann es fühlen, sehen und fotografieren, wie es nur Tänzerinnen und Tänzer können … Ballett ist mein Leben, Ballett ist, was ich bin und ich kann diese Welt so zeigen, wie professionelle Tänzer diese Welt sehen.

Neben perfekt trainierten Körpern, schönen Posen und Kleidern, zeigt sie auch die Schattenseiten des Balletts, geschundene Füße: Ich suche immer nach neuen Ideen für die Ballett-Fotografie. Aber nur schöne Bilder zu machen – das ist nichts für mich. Ich will eine Geschichte erzählen … Und genau das tut sie, auf eindrucksvolle Art und Weise ….

2 Kommentare

  1. Danke, für diese eindrucksvolle Geschichte über das echte Leben einer Ballerina. Ich habe mich wirklich gefragt, Als ich den Film sah, warum zerstört, sie ihre NEUEN Schuhe. Die Szene war schon krass. Dank dir bin ich nun bestens informiert. Ich glaube ich schau mir den Film, demnächst nochmal an, dank deiner Inspiration, habe ich wieder richtig Lust drauf. Hätte auch gerne Ballett getanzt…Kunstturnen war die Wahl meiner Eltern…

    Grüne Grüße und schöne Ostern

    Mion

    Gefällt 1 Person

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