Alltag in der Klapsmühle: Meister Pfriem, der Wahnsinn und ich

Meister Pfriem ist ein, von mir sogenannter, Austauschkollege, er gehört gar nicht in unser Zimmer, ist aber seit etwas über einen Monat da, bei uns, im Zimmer, weil sein Büro umgebaut wird, ich vermute nur ein paar elitäre Mitglieder eines überaus exklusiven Clubs, wissen wie lange er, Meister Pfriem, noch bei uns verweilen wird, wobei diese die Bauarbeiter darstellen.

Generell nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber fremden Menschen, verscherzte es sich Meister Pfriem recht schnell mit mir, hat er zu allem etwas zu sagen, auch wenn er gerade erst durch die Türe kommt und Sandra und ich soeben in ein Gespräch vertieft sind, dessen Inhalt er gar nicht kennen kann, es sei denn er hat Wanzen im Büro installiert. Zudem ist er die Firmenklatschtante, er weiß was du getan hast, bevor du es selber weißt und wenn er dann auf deine Kosten noch, hinterrücks einen Witz reißen kann, dann und nur dann ist sein Tag gerettet.

Allerdings sagt man mir nach, dass es in meiner Natur lege, mehrere Chancen zu vergeben und tatsächlich versuche ich mich daran zu halten mindestens eine zweite zu verteilen. Immerhin nervt mich ja manchmal auch Sandra, meine direkte Kollegin und ich sie sicherlich auch, allerdings möchte ich Sandra nicht mehr so schnell missen, schätze ich doch langsam aber sicher noch mehr ihrer Makel und sie meine.

Dumm nur, dass Meister Pfriem just an jenem Tag, an welchem Sandra und ich später ins Büro kamen beschloss unsere Schreibtische, denn Schreibtischordnung trifft es nicht ganz, zu optimieren. Für Sandra kann ich nicht sprechen, ich jedoch habe ihm diese Aktion bis heute nicht verziehen, tatsächlich fühlt es sich ähnlich an, als damals, wenn man rausfand das Mama im Tagebuch gelesen hatte und Papa immer besser wusste welche Entscheidung die Richtige ist.

„Der Wahnsinn“ nahm seinen Lauf, neben mir im Büro und in mir, aus Skepsis wurde Abneigung. Meine, in den Legebatterien der Menschen, Großraumbüros, erworbene Taktik, alles und jeden auszublenden, funktionierte nicht, vielleicht auch nicht mehr. Meister Pfriem, welchem menschliches Verhalten zuweilen fremd scheint, hatte seine Mittagspausenzeit, welche halb zwölf war auf eins halb zwei oder auch zwei verlegt, je nachdem wann ich meine Mittagspause abhielt. Wobei ich meine Nahrung aus der Kantine, an meinem Platz einzunehmen pflege, ist es die perfekte Möglichkeit, während dem Essen mit vielen guten Geschichten aus anderen Blogs unterhalten zu werden. Dies vermieste mir Meister Pfriem nun, da er mich ständig von der Seite anredete, während sein halbzerkautes Essen in seinem Mund herum rollte, JA! Hier bin ich Spießer und was für einer.

Also begann ich meine Nahrungsaufnahme in das kleine Besprechungszimmer zu verlegen, samt Mobiltelefon, denn so alt es auch ist, es hat Internetzugang, um so ein wenig in den vielen Geschichten zu schmökern.

„Ah du isst heute hier? Ist ja auch gemütlicher“, Meister Pfriem steckte seinen Kopf durch die Türe, nun wurde ich das erste Mal „wahnsinnig“ und dadurch vor allem wahnsinnig unhöflich, nachdem ich ihn kurz angesehen hatte, wandte ich mich wieder meinem Mobiltelefon zu, was ihn aber nicht daran hinderte sich zu mir zu setzen und zu reden.

Irgendwann in den nächsten Tagen saß ich zur Show mit meinen Kopfhörern, selbige zieren derzeit übrigens alle meine Cover-Bilder, im Besprechungszimmer und tat als würde ich Meister Pfriem nicht hören, es hat gewirkt, er geht nun wieder um halb zwölf essen.

Allerdings meint er nun Sandra und mich mit dem neuesten Klatsch und Tratsch versorgen zu müssen, persönlich glaube ich das Sandra auch nicht an Gerede interessiert ist, aber deutlich höfflicher als ich ist und sich deshalb dieses Geschwafel anhört.

Odette verließ das Nebenbüro, welches mit unserem mittels Tür verbunden ist, welche nur selten geschlossen ist, um mit dem Brotherren einige wichtige Dinge zu besprechen, somit fühlte sich Meister Pfriem dazu berufen uns darüber zu unterrichten das wohl selbige ein Techtelmechtel hätten … der Wahnsinn stieg in Form von grenzenloser Ablehnung gegenüber solche Aussagen auf, tatsächlich wollte ich genervtheit schreiben, aber das ist kein Wort… „Ich könnte kotzen…“, alles ist still, hab ich dies tatsächlich laut ausgesprochen? „Wie meinst du das?“, fragt ausgerechnet Meister Pfriem nach.

„Ganz einfach, solche Gerüchte sind lächerlich, kindisch und keiner mit nur einem halben Hirn möchte sie hören.“, Sandra meinte später ich hätte Meister Pfriem, während diesem Satz, mit Blitzen aus meinen Augen beschossen.

„Ist dir noch nicht aufgefallen, dass die Beiden jedes Mal Besprechung haben, wenn der Brotherr da ist?“

„Ist dir noch nicht aufgefallen, dass Odette den Job erst seit zwei Monaten hat, eine neue Strategie umzusetzen ist und einige Events anstehen? … Und außerdem wie du richtig sagst, wenn der Brotherr da ist, ist er nämlich seit Jahreswechsel nur noch ein bis zweimal die Woche, wegen Sitzungen und Besprechungen außer Haus… Das ich und auch Sandra jedes Mal wenn er hier ist gut eine Stunde im seinem Büro sitzen, ist dir wohl auch nicht entgangen? Oder haben wir jetzt auch Techtelmechtel mit ihm?“

„…“

Ich warte gar nicht ob Meister Pfriem noch etwas sagt, stehe auf und widme mich dem Kaffeeautomaten, der mich mit dem Wort „Freiverkauf“ nach wie vor anlockt. Dies sollte ich hier einbauen, bei mir zieht es jedenfalls, also dieser Blog bietet Schreiberei zum Freiverkauf … Aber so bringt sich der Wahnsinn wohl doch etwas, er lässt mich eine neue Marketingstrategie entdecken, oder überhaupt, bis dato gab es keine … Den restlichen Nachmittag verbrachte ich übrigens beim Chef, nicht wegen Meister Pfriem sondern wegen der Arbeit, welcher Art auch immer.

Aber Meister Pfriem, wäre nicht Meister Pfriem, hätte er nicht noch einen zum draufsetzen. Zuerst versendete eine Kollegin, wir nennen sie heute Mal Jessica, aus einer anderen Abteilung, und einem anderen Trakt, ein Mail, welches korrigiert werden musste. „Peinlich, wirklich sehr peinlich“ musst er nun kommentieren. Kurz darauf „ertappte“ ich ihn an einem stressigen Tag, wo es auf meinem Schreibtisch schon einmal wie auf einem Schlachtfeld aussieht, weil einem jeder Ausdrucke und Haftnotizen gibt oder bringt, wie er sich darüber bei einem Kollegen ausließ und Vergleiche zu meiner heimatlichen Ordnung zog.

Sämtliche Höflichkeit begab sich nun in den Urlaub und machte Platz für den Wahnsinn, den wahnsinnig unhöflichen Wahnsinn. „Auf deinem Platz liegen immer ein paar lose Schrauben, jetzt weiß ich warum, da ist ja einiges Locker bei dir“

„…“, mit großen Augen schaut Meister Pfriem mich an, der Kollege, nennen wir ihn Alex, beginnt zu Lachen.

„Gell, schon blöd, wenn man über jemanden herzieht, der in Hörweite ist?“

„Es tut mir Leid, war ja nur ein Scherz.“, jetzt versucht er auch noch zu beschwichtigen.

„Ha ha, ich lach mich tot, also war das auch ein Witz das Alex dringend mehr Sport machen sollte? Oder Jessica peinlich ist, weil sie eine Korrektur-Mail senden musste?“

„…“ Alex lacht nicht mehr und Meister Pfriem läuft hochrot an.

„Ah verstehe, jetzt ist es gar nicht mehr Lustig … Starker Tobak für einen Mann, der nicht mal die Überreste seines Frühstückes oder seine Kaffeebecher wegräumen kann und wartet das es die Putzfrau macht … Na wenn das bei dir daheim auch so ist … Pfui“

Ich wende und gehe zurück ins Büro unterrichte Sandra, welche einige Wortfetzen ohnehin vernommen hat, von der Situation … Als Meister Pfriem das Zimmer betritt sagen wir beide im Chor „Peinlich“ …

Allerdings scheint Meister Pfriem dies alles über das Wochenende vergessen zu haben, denn heute ging es schon weiter mit dem ausrichten anderer Kollegen … Wie war das? Dumm ist der, der dummes tut?

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