Overdrive Festival: Rock mit Fremden in familiärer Atmosphäre … Part I

Es ist Mittwoch, acht Uhr abends, soeben möchte ich meinen Laptop herunterfahren als sich Facebook mit einer Nachricht meldet: Jan; Danke für deinen letzten Bericht! Kommst du auch zum Overdrive Festival?

Hallo Jan, …. , nein diesmal schaffen wir es leider nicht in die Steiermark.

Schade Schade 😦 , kann man nix machen …

Der Galan sitzt neben mir, wir arbeiten noch an einigen Word-Dokumenten, für das am Donnerstag, also den Tag darauf, stattfindende wohltätige Fußballturnier, nach der letzten Nachricht entfährt mir ein „Na geh“

„Was ist denn?“, fragt der Galan nach

„Jan von Rant hat soeben gefragt ob wir am Samstag in die Steiermark zu einem Festival kommen können, ich habe nein gesagt, schau was er geantwortet hat …“

„Na bis dahin ist ja noch etwas Zeit zum Überlegen oder?“, er zwinkert mir mit einem Auge zu

Also antworte ich Jan, dass wir es uns überlegen und ich mich bis spätestens Freitagabend bei ihm melden werde. Schnell schicke ich unserem Superfreund, denn bester Freund ist untertrieben, Max eine Nachricht ob er denn die Hunde am Nachmittag und Abend versorgen könnte. Max sagt umgehend zu – ein großes DANKE an dieser Stelle an ihn.

Freitagnachmittag sind der Galan und ich etwas erschöpft, vom Fußballturnier sowie den Nacharbeiten und Freitag, ein Fenstertag, hielten wir auch im Büro die Stellung, am Abend besuchen wir noch Freunde in ihrem Proberaum, dort beschließen wir: JA, wir fahren zum Overdrive.

Schnell schreibe ich Jan eine Nachricht, mittels Facebook, dass wir es bis zu ihrem Auftritt sicher schaffen werden, er freut sich, meine Welt ist wieder in Ordnung.

Samstagmorgen ist noch ein Lauf mit den Hunden zu absolvieren, wie immer, wenn wir wegfahren, spüren sie das etwas in der Luft liegt und sind etwas aufgekratzt.

Tatsächlich kommen wir pünktlich um 12 Uhr zu Mittag von zu Hause weg, da wir beschlossen entweder zu campen oder im Auto zu schlafen, möchte ich noch schnell zu einer Drogerie und Reinigungstücher für den ganzen Körper kaufen, sowie diese kleinen desinfizierenden Hand-(?) Lotionen, welche das Händewaschen ersetzen.

Ich habe nur eine Jeans mitgenommen, als Frau, welche ich nun einmal bin, werde ich plötzlich unschlüssig ob diese reichen würde, sie hat relativ dicken Stoff und ist Schwarz, wenn das Wetter so schön ist wie angesagt, könnte mir ziemlich bald zu warm werden. Also suchen wir schnell das Bekleidungsgeschäft gegenüber auf und kaufen „Gisele“ eine dunkelgraue Röhrenjeans mit dünnen Stoff.

Das Auto steht am Parkplatz in der prallen Sonne, mich trifft umgehend der Hitzschlag und ich beschließe „Gisele“ schnell im Auto anzuziehen, ich habe sie zwei Nummern größer gekauft, doch beim Anziehen reißt der Stoff über beiden Knien, ich höre öfter das ich spitze Knochen habe, hier ist wohl der Beweis. Der Galan und ich sehen uns ungläubig an, dann lachen wir darüber, ist es ja passend für den Anlass und fahren wieder los.

Während der Autofahrt macht sich allerdings etwas sorge in mir breit, ob nun der Stoff auch über meinem Hintern reißen könnte, wenn ich mich bücke … Ein Gedanke, welcher mich ziemlich lange beschäftigt.

Kurz vor Kapfenberg, fahren wir im starken Regen und als Rant seit fünf Minuten spiele sollte, parken wir uns im Regen, nahe des Festivals ein.

Ziemlich nass betreten wir das Gelände, den Parkplatz einer FH. Der Platz wirkt leer, viele Gäste haben bei der zweiten Bühne, welche sich in einem überdimensionalen Partyzelt befindet oder überdachten Bierbänken sowie Gastronomieständen Schutz gesucht. Die Jungs von Rant stehen auf der großen Bühne und stimmen sich noch etwas ein. Auch wir begeben uns zu einem Getränkestand und lauschen mit Vorfreude der Musik und dem Sänger „Closer ….Closer“, es scheint mit ihrem Zwischenspiel vertreiben sie das schlechte Wetter, der Regen wird seichter und die Show kann endlich beginnen, erneut bereitet mir ihr Intro, bekannt von den Saw-Filmen, eine ordentliche Gänsehaut. Dann legen sie mit ihrem Song Arise los, gefolgt von dem zuvor kurz gehörten Closer, welcher verdammt gut ist. Vor Wake Up, mit der Flüsterpassage geben sie Drowning zum besten, gefolgt von dem, mir mittlerweile sehr geschätzten, Losing You, nur leider höre ich sie diesmal nicht so gut, beendet wird mit Where we Belong

Sie haben etwas mehr Platz als beim Feel the Noise Festival und nutzen selbigen auch nur zu gerne aus. Die fünf Jungs aus Kapfenberg, welche sich vermutlich in ihren Dreißigern befinden geben somit heute ein Heimspiel. Beim Genießen ihrer Werke wird klar, sie kreieren wahrlich ihren eigenen Sound, nach dem Einhören in ihre Demos, wie das soeben erwähnte Where we Belong, komme ich, für mich, zu dem Schluss, eine Band die man Live sehen sollte, der Text und das Gefühl kommt während der Performance lebendiger beim Publikum an. Überzeugt euch beim nächsten Event am Besten selbst.

Auch das Overdrive Festival ist grundsätzlich so abgestimmt, dass wenn eine Band ihren Auftritt beendet die nächste auf der jeweils anderen Bühne startet, durch den Regen hat sich dies nun etwas verschoben und so spielen die Old Runznickels bereits auf der Bühne im Partyzelt, die Grazer Band orientierte sich bei ihrem Bandnamen am Bergbau, den Alter Ranz Nickel ist eine Bezeichnung für Bergleute welche früher in Gruppen Nickel abbauten, aus welchem dann Münzen geprägt wurden.

Die Punks treffen mit ihren sarkastischen Texten durchaus meinen Geschmack, thematisieren sie mit Decades Homophobie. Sie reißen Späße auf der Bühne und scheinen locker von der Leber wegzuspielen, beinahe als hätten sie keinen Plan, peppen kurze Unterbrechungen wegen Gitarrenwechsel des Sängers mit Instrumentalen Einlagen auf. Mit Fading Away erinnern sie mich ein wenig an Green Day, als sie noch nicht Green Day hießen. Einziges Manko, wofür die Bands allerdings nichts kann, den Bassisten höre ich nicht immer so gut raus. Aber alles in allem Top. Danke Jungs.

Übrigens, während dem Konzert weisen sie darauf hin, dass man ihr Album nicht kaufen muss, sondern gratis runterladen kann, einen Link findet ihr auf ihrer Facebook-Seite … Also runterladen und ab zum nächsten Auftritt der sympathischen Jungs.

Als nächstes begeben wir uns wieder zur Open-Air-Bühne und Capsize, die Melodic-Hardcore Band ist nun ein krasser Kontrast zu den eben gehörten Old Runznickels, ich brauche etwas Zeit mich auf die härtere Gangart der Jungs aus San Diego im sonnigen Kalifornien einzustimmen.

Kurzum Energie pur, sie schmettern den Besuchern ihre Tracks um die Ohren und nehmen sich auch kurze Zeit für Interaktion, besonders als sie, wie ich etwas davor, einen älteren Herren in der ersten Reihe erspähen, welcher zu ihren Songs gehörig abrockt, alle Bandmitglieder haben nette Worte für ihn übrig und bedanken sich für das Feiern. Der Sänger verlässt schließlich die Bühne und interagiert mit den Fans auf einer Ebene, während einem Solo wirbelt er sein Mikrophon ausgelassen in Kreisen herum und zeitgleich seine Haare.

Von Energie zeugen auch ihre YouTube Videos … Gesang und grollen wechseln sich gut ab.

Interessant die Band nach ihrem Auftritt, ganz ruhig und gelassen, unter all den anderen Besuchern zu sehen, hier haben wir nun die familiäre Atmopshäre, stetig sieht man Bandmitglieder, aller Bands, am Festivalgelände, wie sie anderen Bands lauschen oder mit ihren Fans sprechen und sich auch für mehrere Fotos, ohne Gemaule oder eine Miene zu verziehen, freudig,  zur Verfügung stellen. Top, einfach top, keine abgehobenen Stars, obwohl sich einige auch National und international schon einen Namen machten.

Wir wechseln wieder ins Zelt zu Headgrenades, wo uns solider Punk-Rock aus Wien erwartet. Nun muss ich allerdings gestehen, dass es mir im Zelt teilweise zu Laut ist, weshalb ich nach ein paar Fotos, nach draußen vor das Zelt gehe und hier weiterlausche. Persönlich gefallen mir die Headgrenades gut, die Bassspielerin bietet mit ihrem Gesang einen guten Kontrast zur Stimme des Sängers. Hört doch kurz in ihr Lied Reflections rein.

Wir wechseln zu den Bloodsucking Zombies from Outer Space, als uns ein sympathischer Besucher begegnet er lächelt uns an, was mich schon mal ein wenig aus dem Konzept bringt, als er schließlich noch sagt: „Du bist die Pixie?“, bin ich völlig perplex.

Notsituation in meinem Gehirn, jemand, denn ich nicht gleich erkenne, erkennt mich, da blitzt ein Name auf; Jan, es kann nur Jan sein, den Umstand das, dass Bild von Jan nicht zu dem Bild des Mannes vor mir passt, welcher mir dennoch bekannt vorkommt, lässt mein überfordertes, nervöses und mit roten Signallampen gespicktes Gehirn komplett aus.

„Dann bist du Jan?“, sage ich ohne Überzeugung.

„Nein ich bin Thomas von Vinegar Hill.“, nun erkenne ich ihn und spüre die Verlegung in mir aufsteigen, wie ein kleines, ertapptes Mädchen trete ich von Fuß auf Fuß.

„Ach ja, stimmt,  Entschuldigung.“

Kurz erzähle ich ihm von der Online-Konversation mit Jan, bezüglich des Overdrive Festivals. Thomas erkannte uns, übrigens nur wegen dem Galan, mein Plan mich zu verstecken scheint also aufzugehen.

Herzlich bedankt er sich für die Review vom Feel the Noise Festival, auch er hätte Gänsehaut beim Lesen bekommen. Tatsächlich werde ich nun noch etwas verlegener, aber auch ich freue mich sehr, dass meine Worte Anklang gefunden haben. Wir verabschieden uns und freuen uns darauf uns am 21 Mai in St. Pölten wieder zu sehen …

Der Text ist nun schon ziemlich lange und es gilt noch zwei Mütter zu besuchen. Heute Abend geht es weiter mit dem genialen Auftritt von Bloodsucking Zombies, Lost in Astoria, Landscapes, Jack Disconnect, Die Rakede, The Overalls, Kontrust, Giants und Russkaja …

 

Sowie einer Umziehaktion im Auto, da ich auch ohne Regen nass wurde und tollen Sanitätern, Feuerwehrleuten und Securitys

Fotos hier
Here you’ll find the englisch Version

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