Romantisch, verkorkst oder beides? Verscherzt?

Einen Tag vor Karfreitag hatte es begonnen, ein gigantischer Vertreter der Schoko-Osterhasen, welchem mittlerweile beträchtliche Teile der Ohren und des Kopfes fehlen und dies obwohl ich eigentlich Vegetarier bin, hatte seinen Weg auf Flippers Motorhaube und somit die Motorhaube meines Kraftfahrzeuges gefunden …

Außerdem brachte er mir einen Zettel, mit Eselsohr, auf welchen „For You“ mit einem Strauß Rosen zu sehen war. Wäre hier noch ein Irrtum möglich gewesen, schloss sich diese Möglichkeit am nächsten Tag, nun tatsächlich Karfreitag, selbst aus. Erneut wartete auf Flippers Motorhaube eine Überraschung auf mich, diesmal Blumen in realer Form inklusive einer handgeschriebenen Karte.

Nun muss ich wohl zugeben, da ich es bis jetzt auch noch gar nicht vermerkt habe, etwas Beeindruckt zu sein, handschriftliche Botschaften werden heutzutage, teilweise, schwer unterschätzt. Mit ein Grund warum der Galan und ich bis heute darauf setzen uns am Morgen noch etwas Zeit zu nehmen und der noch schlafenden Person eine kleine handgeschriebene Liebesnachricht da zu lassen.

Der Galan nahm die Aktionen, oder Konkurrenz, scheinbar gelassen, kurz wurde die Idee geboren einen A4-Zettel zu schreiben und somit darauf hinzuweisen, dass Dulzinea bereits vergeben war. Diesen Vorschlag konnte ich aber ohne viel Gegenwehr des Galans wieder abschmettern.

Eine Zeitlang harrte Flipper nun an einer anderen Stelle, direkt vor dem Bürogebäude und somit in der prallen Sonne, darauf das ich meine Arbeit beenden und mit ihm, in ihm klingt gerade so seltsam, den Heimweg antreten würde. Dies hielt ich als eingefleischter Hitzeverächter nicht durch und parkte Flipper somit relativ bald wieder im Schatten … Bald ist hier wohl das Üble der Wurzel, denn Kaum stand Flipper an seinem lauschigen Schattenplätzchen, fanden sich erneut Blumen und die Botschaft Bald … darauf.

Die Spekulationen über dieses Bald… nahmen ungeahnte Auswüchse an, gar Panik beschlich mich, als ich plötzlich davon überzeugt war wohlmöglich irgendjemand mit Flipper verärgert zu haben und dieser jemand es wohl nun in Betracht zöge, Flipper plattwalzen zu lassen.

Meine Pausenrunden um den Block, welche mir bei meinen Arbeitskollegen wohl den Ruf einbrachten ein Freak zu sein, wie ich letztens hörte, vollkommen zu Recht ist es ja gänzlich unverständlich das ein Mensch nach etwas mehr als zwei Stunden am Hintern sitzend mal die Lust bekommt sich ordentlich die Beine zu vertreten, wurden somit so koordiniert das sie mich öfter an Flipper vorbeiführten. Nicht selten glühten hier seine Kerzen vor Vorfreude auf die Heimfahrt, Flipper ist wie ich, gern in Bewegung, also war seine Enttäuschung nicht gering, als ich ihm darüber informierte das ich noch ein paar Stunden abzuleisten hatte.

Kurz vor dem galanschen Geburtstag war es soweit, eine neue Nachricht erreichte mich, todesmutig wurde ich offenbar um ein Treffen gebeten, am nächsten Tag nur die Uhrzeitangabe fehlte … Die Werbung war ja durchaus schmeichelhaft gewesen, aber wartete der vermeintliche Verehrer nun tatsächlich das ich den ganzen Tag in einem Restaurant auf ihn warten würde …? Wann ich Mittagspause mache schien er jedenfalls nicht zu wissen, da ich dafür auch keine feste Zeit habe, nie vor eins, selten, wie heute, nach halb vier … Dazwischen jedoch ist alles möglich.

Ich überlegte ein simples keine Lust, mittels Zettel, hinter meiner Windschutzscheibe zu platzieren, verwarf diese Idee aufgrund Unhöflichkeit doch relativ schnell wieder. Dem Galan von dieser neuen Botschaft zu erzählen vergas ich während der Vorbereitungen auf seinen Geburtstag gänzlich und dann stand auch schon das erste Festival an, für welches ich professionell Schreiben durfte.

Die Zeit zog ins Land und beinahe schändlich, vergas ich den heimlichen Interessenten gänzlich, nachdem auch er keine Zeichen der Gunst mehr hinterließ. Mit der Zeit, welche verging, vergingen auch die Tage, womit der erste Fenstertag, zu Beginn des Mai, anstand. Meist arbeite ich an solchen Tagen, da die Brotherren dieser Welt, zumindest meine bisher, pflegen an solchen Tagen nicht anwesend zu sein, was bedeutet man kommt endlich zu arbeiten, welche man sonst nicht schafft … Stichwort Ablage, eine sehr wichtige, aber sehr langweilige und langwierige Beschäftigung, wobei man sich jedoch einige Gedanken über anstehende Projekte machen kann.

Die Mittagszeit war bereits erreicht, als ich beschloss den Kaffeeautomaten mit seinem Freiverkauf aufzusuchen, übrigens ich habe mich durch die Sorten durchprobiert, Irish Coffee kann ich nicht empfehlen, mittlerweile weiß ich da sollte Whiskey drin sein, was er hoffentlich im Büro nicht ist.

Naveen, welcher in Wirklichkeit komplett anders heißt und nach dem Disney-Prinzen aus Küss den Frosch benannt wurde, weil ich es passend finde, steht ebenfalls an der Freiverkaufsmaschine.

„Hey“, er lächelt mir zu

„Heyllo“, ich drücke auf Kaffee Hell und frage mich warum Naveen denn noch immer hier steht, bin ich ja mittlerweile dafür bekannt nicht viel zu sprechen. Ich schnappe mir den Becher aus der Ausgabe und wende mich um wieder ins Büro zu gehen, natürlich nicht ohne „Tschau“

„Du … Du warst dann gar nicht in der Tomate“, höre ich Naveen

„Was meinst Du?“, tatsächlich stehe ich gehörig auf der Leitung

„Du … Der Zettel … Du warst dann gar nicht in der Tomate.“

„Ach Du warst das“, er wird etwas rot „Vielleicht wäre ich gekommen, wenn eine Uhrzeit dabeigestanden wäre …“

„Oh …“

Peinliches Schweigen, ich überlege was ich nun sagen soll, Der Galan fand das Ganze ja nicht so prickelnd, wäre kurz und schmerzlos aber irgendwie auch fies.

„Und nächste Woche? Ich würde dich gerne Näher kennenlernen.“

„Wir können ja auch jetzt beim Kaffe etwas plauschen“

„Du hast einen Freund stimmt’s?“, ein überaus interessantes Phänomen, oft musste ich noch keinem Mann absagen, aber jedes Mal wenn ich es tue kommt sofort diese Frage, oder Feststellung.

„Ja.“

Nun trifft Naveen eine Aussage welche seine Bewunderung für mich ausdrückt und Neid auf den Galan vermuten lässt, ich beschwichtige, denn wenn der Galan ein Glückspilz ist bin ich eine Glückspilzin, um Gendergerecht zu bleiben.

Ein wenig plaudere ich nun wirklich mit dem, scheinbar, enttäuschten Naveen, hauptsächlich über die Arbeit und höre mir seine Geschichten über Meister Pfriem an, bevor ich wieder, etwas peinlich berührt an die Arbeit gehe … Seither nuschelt Naveen seinen Gruß allerdings etwas in seinen nicht vorhandenen Bart, ich vermute wohl er wird etwas peinlich berührt sein, hoffentlich legt sich das wenn er merkt das ich im Büro sowieso dichthalte.

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