Retter auf vier Pfoten und was der Samariterbund sonst noch macht

Heute war es soweit, der Tag des Samariterbundes sollte stattfinden und der Galan würde dort mitarbeiten, was zeitig Aufstehen bedeutete.

„Weißt du schon ob du heute vorbeischaust?“, fragt mich der Galan, beinahe mit Hundeblick, während er sein Frühstück einnimmt.

„Klar, ich geh nur vorher mit den Mädels laufen. Ich will unbedingt die Rettungshunde sehen“, mit Mädels meine ich übrigens die hündischen Damen des Hauses, womit wiederrum klar ist warum ich mich gerade auf die Rettungshunde so freue.

Gesagt, getan, kaum ist der Galan außer Haus, machen wir auch genau dies, laufen gehen. Kurz nachdem wir wieder zu Hause sind meldet sich der Galan, der offizielle Start ist erst um 13 Uhr, genug Zeit um noch etwas zu relaxen.

Tatsächlich stehe ich dann am Praterstern, im zweiten Wiener Bezirk, ein gigantischer Kreisverkehr,mit mehreren Spuren und Ampeln, welchen es in selber Form nochmals im zehnten Wiener Bezirk, mit Namen Verteilerkreis Favoriten gibt, gute zwanzig Minuten im Stau, was wohl am Rock in Vienna liegt, welches ich aus verschiedenen Gründen boykottiere.

Wenigstens darf ich im Stau und am Weg von der Parkgarage zur Kaiserwiese, vor dem Eingang des Wiener Wurstelprater, ein wenig in schönen Erinnerungen schwelgen. Vor zwei Jahren, anlässlich des galanschen Geburtstages, aßen wir vorerst unbeabsichtigt Nobel zu Mittag, im Prater und nahmen unseren Nachtisch, mit Kaffee und Kuchen, anschließend im Wiener Riesenrad ein. Für derartige Zwecke kann man eine Gondel mieten und sich gar die Uhrzeit selbst aussuchen. Das Timing des Riesenrad-Teams ist wirklich exakt … Falls Ihr, oder einer von Euch hier mitliest, echt top! Timing, Service und auch die Qualität von Kaffee, Kuchen und Säften war nicht zu verachten.

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Endlich da, gerade noch rechtzeitig, denn kurz nachdem ich die Station des Galans gefunden habe, startet auch schon die Rettungshunde-Show, der Staffel aus Favoriten und die gibt es heute nur einmal, da auch die hündischen Retter ihre Ruhe brauchen. Obwohl es vor kurzem geregnet hat, hängen diesen die Zungen raus, die Kaiserwiese ist wieder sonnengeflutet und der Sonnengott heizt heute offenbar ordentlich ein.

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Vorerst wird uns die freiwillige Hundestaffel näher gebracht, so wie der  besondere Augenmerk auf die gute Beziehung zwischen Mensch und Tier, insbesondere wieviel Geduld, Zuneigung, Spiel und vor allem Zeit nötig ist bis Hund seinem Menschen und Mensch seinem Hund voll vertrauen kann.

Ist dann das Vertrauen beiderseits da und auch die Eignung beim Tier vorhanden kommt es zu verschiedenen Einsätzen bei der Flächen- und Trümmersuche oder dem Auffinden vermisster Personen, also die klassische Spurensuche, wobei Hund und dessen Nase Hochleistungssport betreiben.

Auch Besuchshunde gibt es, viele ältere, kranke oder behinderte Erwachsene und Kinder profitieren nachweislich vom Kontakt mit Tieren, doch nicht jedem ist es möglich ein Tier zu halten, auch hier ist die Eignung des Hundes und das Vertrauen zu seinem Menschen entscheidend. Nicht jeder Hund kann damit umgehen von vielen Fremden liebkost zu werden und ruhig liegen bleiben, während er von mehreren Händen berührt wird.

Während den Erklärungen zieht ein Schäferhund, welcher meiner Angel ähnlich sieht und deren Spieltrieb und Fixierung aufs Herrchen angeht ebenfalls vergleichbar scheint, meine Blicke auf sich.

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Heute dürfen auch pro Hund fünf Kinder kommen um ihn zu streicheln, immer dabei sein Mensch, der darauf achten muss, dass das Vertrauen des Tieres, in ihn, keine Enttäuschung erfährt.

Schließlich dürfen zwei Männer aus dem Publikum zwei der Golden Retriever tragen, einerseits um zu sehen wie sehr sich ein 35 Kilo Hund anhängen kann, andererseits um zu demonstrieren dass es entscheiden ist, dass sich Hund auch von anderen Menschen als seinem Betreuer tragen lässt, sollte eine Notsituation eintreten. Nicht selten muss Mensch seinen Hund auch bei der Trümmersuche ein Stück weit tragen …

Neu in der Staffel ist ein irischer Wolfshund, die größten Hunde der Welt haben ihren Ursprung bei Windhunden und wurden gerne zur Jagd eingesetzt, da sie aufgrund ihrer Größe relativ locker mit Pferden mithalten, dennoch gelten die Riesen ihrer Art als Sanftmütig, ein Einsatz für die Menschensuche scheint perfekt für die Energiebündel.

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Zum Schluss wird noch ausgiebig mit den Hunden getobt, denn Hund braucht einen Ausgleich und hat sich eine Belohnung für sein vortreffliches Benehmen verdient. Mir geht das Herz auf, die Freude bei Hund und Mensch dabei zu sehen.

Ich erstehe am Stand der Hundestaffel einen Berner-Sennen Plüschhund, er heißt jetzt Sanny, ausgesprochen wie Samy und Angel stellte tatsächlich kurz ihre Bürste auf, als sie ihn nach unserer Ankunft im Garten drapiert vorfand, kriegte sich aber schnell wieder ein, als sie merkte das von diesem Hund kein Leben ausgeht …

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Etwas abgelenkt von einem kleinen Kind, welches offenbar an mir einen Narren gefressen hat, verfolge ich die Rettungsübung, einer anderen, rein menschlichen, Einheit des Samariterbundes, wobei es vornehmlich um Erste Hilfe geht und wovon ich mir auch einiges mitnehmen kann.

Eine atemberaubende Zumba Performance zu spanischen Klängen folgt.

Bis der Galan seinen Dienst um drei beendet hat schlendere ich ein wenig herum, es gibt eine Art Glücksrad, wobei vornehmlich Kinder mit Fragen spielerisch viel über das Verhalten in Notsituationen lernen.

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Ich erspähe einen Hüpfburg-Einsatzwagen und eine Kletterwand.

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Dann werde ich von kleinen Häusern welche von Kindern unter Betreuung des Samariterbundes bemalt werden angezogen, hier geht es vornehmlich um heimische Obdachlose und die Notwendigkeit diesen eine Unterkunft zu geben. Ältere Kinder und Erwachsene können in der Zwischenzeit im Zelt nebenan alles rund um Obdachlosigkeit und Flüchtlinge erfahren.

Nun nehme auch ich aktiv an einem sehr ernsten Spiel teil, ich bekomme eine kleine Tasche und soll so rasch als möglich alles zusammensuchen da ich flüchten muss, unmittelbar bekomme ich einen Kloss im Hals und packe außer der Dokumentenmappe und einem Multifunktionswerkzeug natürlich nur Schwachsinn wie Geschirrtücher und warme Kleidung ein … Warum Schwachsinn? Vorab so bezeichnet es der Samariterbund natürlich nicht, sondern ich, ruhig und geduldig werde ich darüber aufgeklärt dass man Kleidung immer als erstes gespendet bekommt.

Dann werde ich gefragt warum ich zum Beispiel das Smartphone oder rezeptfreie und entzündungshemmende Schmerzmittel liegen gelassen habe … Ein interessanter Aspekt für mich, denn tatsächlich habe ich das Smartphone nur liegen gelassen, weil es den Flüchtlingen von mehreren Seiten angekreidet wurde, dass sie welche hätten. Ruhig und sachlich wird mir nun erklärt warum ein modernes Smartphone mit seiner Taschenlampe, neben dem Umstand schnell und relativ unabhängig mit anderen in Kontakt zu treten oder Hilfe zu rufen, gar keine schlechte Wahl wäre, zumal man mit den meisten Taschenlampen automatisch ein SOS Lichtsignal geben kann … und auch den Aspekt der Informationsbeschaffung sollte man nicht aus den Augen lassen, wäre es ja möglich das während der Flucht eine Entwarnung oder andere wichtige Nachricht veröffentlicht wird.

An die Vorteile und Notwendigkeit entzündungshemmender Schmerzmittel und Antibiotika während einer Flucht, vor allem zu Fuß, hatte ich überhaupt nicht gedacht …

Der Galan ist fertig und wir beschließen vor Ort etwas zu essen, ich hatte da tolle Tramezzini von Essen auf Rädern im Auge. Langsam schlendern wir weiter und kommen an einer Station des mobilen Heimnotrufes vorbei, selbigen gibt es für zu Hause und unterwegs. Wird der große und unübersehbare Notrufknopf betätigt wird man umgehend mit dem Samariterbund verbunden, der einerseits vorher festgelegte Kontaktpersonen verständigt und gegebenenfalls natürlich auch die Rettung oder den Notarzt auf den Weg schickt.

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Für die Heimstation, deren Reichweite auch für den Garten angepasst werden kann, gibt es ein Armband, meldet sich die den Notruf auslösende Person nicht, sendet der Samariterbund umgehend Rettung und Notarzt.

Davon gibt es auch eine mobile Variante, welche sich für Bergsteiger oder Naturliebhaber, aber nicht für Großstädter empfiehlt. Hierfür benötigt man eine SIM-Karte mit Vertrag, wird der Notrufknopf betätigt, wird man ebenfalls mit dem Samariterbund verbunden, ist man verunglückt und kann seinen Standort nicht feststellen, findet der Samariterbund einen trotzdem mittels GPS Ortung.

Praktischerweise gibt es zu den Angeboten auch einen Schlüsseltresor, so können die Einsatzkräfte schnell und sicher in die Wohnung oder das Haus des Verunglückten gelangen, wenn dieser nicht selbst öffnen kann.

Auch die Wasserrettung ist vertreten, mit interessanter Ausrüstung und Ausführungen über ihren Einsatzalltag, sowie einer Bootsattrappe und einem Pool für Kinder.

Als letztes sehen wir die Station Altern mit Zukunft, welche mir vor Augen führt wie mich der Samariterbund unterstützen kann, wenn ich im Alter mein Augenlicht verliere, dazu kann man sich die Blindenschrift erklären lassen und anschließend mit verbundenen Augen und mit Hilfe des Personales erfühlen. Schließlich kann man noch, mit Hilfe einer Fachkraft, einen Parcours mit Blindenstock bewältigen.

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Der Tag des Samariterbundes verfehlt bei mir seine Aufgabe und Nachricht nicht, mit vielen neuen Eindrücken und Denkanstößen, welche mich während der Heimfahrt begleiten, betrete ich wieder unser zu Hause und habe das Gefühl, ohne geistige Überforderung viel, Nützliches gelernt zu haben …

Breitbandmittel“ und Handyladegerät haben jetzt, zum Beispiel, einen Platz in einem Schrank direkt neben dem Ausgang gefunden …

Ein kurzes Video des Abganges der Hundestaffel findet man hier

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