Der zweite Tag am Nova Rock: oder das Nova Rock kniet vor Skindred

Hier bin ich wieder, live aus dem Kofferraum des Flippers, also meinem Kraftfahrzeug, in welchem der Galan und ich die Nachtruhe pflegen, unterstützt von Oro-Pax welche des Nächtens von selbst mein Ohr verließen … aber darum geht es nicht, es geht um die Musik und das Festival.

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Technische Schwierigkeiten halten mich beim Schreiben auf Trapp, da wäre zu einem der Akku meines Laptops, welcher mittlerweile durch ein Netzteil im Zigarettenanzünder betrieben wird, was bedeutet, dass ich demnächst Flipper starten sollte und zum anderen die Internetverbindung die nicht so möchte wie ich es gerne hätte, zumal das gratis WLan des Geländes nicht bis zum Parkplatz reicht.

Mittlerweile überaus witzig, dass ich den geschriebenen Text mittels Laptop, sämtliche Bilder dann aber via Mobiltelefon hinzufügen muss, gestern trieb mich dies durchaus in den Wahnsinn, welchen der Galan auszuhalten hatte und das auch noch kurz vor den Bloodsucking Zombies from Outer Space.

Selbige erfreuten uns erst kürzlich beim Rise Up Festival und heute wollten wir ihnen wieder lauschen, taten wir auch, aber aufgrund erwähnter Schwierigkeiten eben nur vom Parkplatz aus. Ich habe das Gefühl wir haben etwas verpasst, zwar war die Setlist scheinbar dieselbe wie vom Rise Up Festival, aber die Jubelschreie des Publikums lassen mich annehmen das es vor der Red Stage, welche erst gestern von den Bloodsucking Zombies eröffnet wurde, relativ abging.

Während Tesseract auf der Red Stage spielt betreten wir das Gelände, es ist beinahe drei Uhr am Nachmittag und wir steuern einen italienischen Stand an, welcher Pizza, Panini und Antipasti bietet, der Galan ist von den Nahrungsmitteln nicht begeistert, mir schmeckt die Pizza, welche mit Tomaten und Käse aufgebacken und anschließend kalt belegt wird, in meinem Fall mit Antipasti durchaus gut.

Gestärkt betreten wir anschließend die Tribüne der Red Stage, mit jeweils einem Liter Bier und Radler in den Händen unsere Trägheit fegen Atreyu, deren Name an eine Hauptfigur der unendlichen Geschichte anlehnt und aus Amerika kommen, mal einfach weg. Jeder einzelne der Band rockt mit guter Laune quer die Bühne. Während der Sänger immer wieder die Bühne verlässt und vor dem Wavebreaker mit den Fans interagiert, oder doch gehörig abrockt, legt sich einer der Gitarristen am Boden und spielt dort mit strampelnden Füssen weiter … Auch die Security bekommt nun einiges zu tun, es gilt die ersten Stagediver aufzufangen und für die Sicherheit des Sängers zu sorgen, welcher beinahe mehr direkt beim Publikum rockt, als auf der Bühne.

Ihre Show ist viel zu schnell vorbei und der Galan und ich sind uns einig, Atreyu haben die Messlatte für die kommenden Bands hochgelegt.

In der Pause decken wir uns erneut mit Bier und Radler ein und beobachten die Umbauarbeiten für Skindred, auf diese Band war ich schon überaus neugierig, Reggea, Punk, Metal und Hip Hop wird hier nämlich vereint, Briten sind eben anders. Der Sänger Benji Webbe betritt die Bühne mit einer Nietensonnenbrille. Tatsächlich macht ihr Sound richtig gute Laune, gepaart mit toller Interaktion mit dem Publikum und so schaffen sie es schließlich das sämtliche Besucher direkt vor der Bühne, aber auch viele weiter hinten vor ihnen Knien und aufs Schlagwort hochspringen und abrocken. Tatsächlich bin ich ein wenig überwältigt dies von der Tribüne aus zu beobachten.

Mittlerweile ist es nach sechs Uhr am Nachmittag, tat die Sonne bisher das ihrige um den Besuchern einzuheizen, kühlt ein leichtes und stetiges Lüftchen das Geschehen in der einsetzenden Dämmerung nun etwas ab, also begeben wir uns retour zu Flipper, der abgedeckt mit einer großen weißen Decke und einem Sonnensegel auf uns wartet, damit wir uns in ihm umziehen können.

Mit langen Hosen und Hoodie um die Hüfte und Koffein in den Adern, dank des charmanten Kaffeeservice Vespresso, geht es wieder retour. Auch jetzt bleiben wir auf der Red Stage, lauschen der zweiten Halbzeit von Trivium. Nun sehe ich etwas, was sich bedauerlicherweise durch fast alle namhaften Bands zieht, je bekannter sie sind, desto weniger Interaktion gibt es mit dem Publikum … Bis auf ein paar obligatorische „Get fucking crazy“ und „How are you doin‘ Motherfuckers“, sind sie eher zurückhaltend … Nun werde ich mal „böse“, will ich mir Songs nur anhören, kann ich das auch auf Platte. Live erwarte ich dann doch etwas mehr … Andererseits müssen die Bands nun im Sommer viele Konzerte und Festivals in brütender Hitze absolvieren, da kann der Elan schon mal auf der Strecke bleiben.

Vielleicht kamen ihre Interaktionen bei mir, weiter hinten, auch einfach nicht ein, der Wavebreaker schien nämlich durchaus ein Tollhaus zu sein.

Kurz wechselten wir nun auf die Blue Stage um einigen Nummern von The Offspirng zu lauschen, direkt neben unserer Tribüne, vor der Getränkeausgabe welche den Namen Fastlane trägt, beginnt ein Ringelreia zu ihren ersten Nummern, kein Circlepit, sondern tatsächlich ein Ringelreia, witzig zu beobachten. Es sitzen nicht alle Töne und ich frage mich ob es am Sänger oder doch dem Mikro liegt, technische Schwierigkeiten sind bei Festivals gang und gäbe. Während reinen Gesangspassagen steht der Drummer auf und rockt vor sich hin. Alles in allem eine tolle Show und hier passt für mich die Interaktion mit dem Publikum auch wieder.

Dies stelle ich auch eine halbe Stunde später retour auf der Red Stage bei Bullet for my valentine fest, mal war der Bass weg, dann war ein Gitarrensoli nicht so gut zu hören, oder die Stimme des Sängers wurde kurz leiser, der Feierlaune des Publikums tat dies natürlich keinen Abbruch.

Sehe ich etwas das ich auf keinen Fall vergessen möchte, pflege ich eine Notiz im Mobiltelefon einzutippen, auch heute erspähe ich viele verkleidete Menschen und als ein Storm-Trooper feierwütig tanzt sage ich „Notiz“, zu dem Galan …

Er lacht und wendet sich wieder der Bühne zu, erneut tippe ich ihn an und sage „Notiz“, er lacht erneut und fragt schließlich „Wer hat No Tits“ ….

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Endlich ist es soweit der Headliner des Abends ist bereit die Red Stage zum Kochen zu bringen, Disturbed … Allerdings bleibt das Kochen tatsächlich aus, ich erinnere mich an ihren letzten Live-Auftritt welchen ich sah, ebenfalls am Nova Rock, es muss 2007, bei der großen Schlammparty gewesen sein, da sprang Sänger David Dramain ausgelassen quer über die Bühne, heute begnügt er sich damit sie nur auf und abzuschreiten… Auch Interaktion ist da, aber irgendwie nicht genug, beinahe „böse“ konnte ich meinen, ihr Erfolg durch ihre Cover-Nummer Sound of Silence, welche nun auch in kommerziellen Radio-Sendern rauf und runter, also eigentlich tot, gespielt wird, ist ihnen zu Kopf gestiegen.

Begeistert bin ich auf jeden Fall, als sie die Show mit 10.000 Fists in the Air beginnen und wohl tatsächlich mindestens 10.000 Besucher ihre Fäuste in die Luft strecken. Etwas traurig bin ich über den Umstand das ein Großteil der Besucher, Disturbed eben nur von Ö3, einen österreichischen Radio Sender, welcher eben eher nur Charts spielt, kennt … Woran ich das feststelle? Ganz einfach es ist unmöglich Disturbed Fan zu sein und bei 10.000 Fists, The Infection, Stupify und den anderen alten Klassikern nicht abzugehen, aber bei Sound of Silence sich die Seele aus dem Leib zu jubeln … Auch mit ihren unbekannten Cover Nummern wie von U2 Still haven’t found what I’m Lookin for, oder von Genesis Land of Confussion, erfreuen sie ihre Fans.

Ich komme nicht umhin zu erwähnen, Disturbed hat viele gute Cover-Nummern, nicht nur Sound of Silence, welches zunehmend den Zauber verliert, je öfter es Ö3 totspielt, manchmal höre ich es im Büro bis zu zehn Mal am Tag … Schade, wirklich schade.

Mit Down with the Sickness schickt uns Disturbed schnell ins Bett, obwohl etwas dürftig, wobei auch das Duett mit Benji Webbe von Skindred eine kurzes Highlight bot, ging mir die Show zu schnell vorbei, was wohl daran liegt das Disturbed schon lange in meinem Musikleben ist und ich ziemlich fasziniert von ihren Texten, ihrer Melodie und somit schlichtweg ihrer Kunst bin …

Dennoch hätte Bullet for my valentine mit ihrer Feuershow und energiegeladenen Performance wohl den besseren Headliner gegeben …

Müde und mit gemischten Gefühlen, begeben wir uns zur Ruhe in Flippers Hinterteil. Wie erwähnt möge man mir bitte einige Fehler bis Montag verzeihen, dann kann ich alles in Ruhe überarbeiten, da erfährt man dann auch alles über Pleiten, Pech und Pannen …

Bleibt auf jeden Fall dran, den morgen geht es weiter mit Black Inhale, Caliban, August Burns Red, ein wenig Dropkick Murphys, Alice Cooper und Volbeat …

4 Kommentare

  1. Von Disturbed war ich auch etwas enttäuscht… So wenig Energie, von Band sowie auch Publikum, hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Sound Of Silence bot zwar tatsächlich einen ziemlich schönen Live-Moment, dass danach aber so viele Handy-Mitfilmer schon wieder den Rückzug angetreten haben, hat mich doch ein wenig schockiert…

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    • Stimmt – wie ich bereits vor einigen Wochen auf Facebook feststellte – de hören (leider) alle Ö3 … beobachtet man oft, wie „enttäuscht“ Menschen sind, wenn sie auf ein Konzert einer Band gehen – nachdem Ö3 mal ein Lied von denen (tot)spielt …
      Nebenbei bemerkt – toller Blog und tolle Berichte Deinerseits – da schau ich jetzt öfter vorbei

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