Der vierte Tag am Nova Rock: oder Killswitch Engage bringt selbst den Himmel zum Weinen

Weiter geht es mit dem persönlichen Rückblick aufs Nova Rock, welches, wie ich mittlerweile mitbekommen habe, dann doch etwas anders verlief als die Medien es gerne darstellen … Nun aber nicht mehr aus Flippers Hinterteil, sondern wieder aus der heimatlichen Küche, mit warmen Kaffee neben mir und ohne technische Schwierigkeiten.

Nach besagter feucht-fröhlicher Nacht, welche allerdings nicht aufgrund des Alkoholkonsumes feucht-fröhlich verlief, entstiegen der Galan und ich, zeitgleich, Flippers Hinterteil, lassen uns auf unseren Campingstühlen nieder, nehmen unser Frühstück, bestehend aus Dosenkaffee und Milchbrötchen ein.

Eine „Dusche“ gibt es noch und dann heißt es ab zu Drescher, welche mit Dreschmetal, oder der härtesten Volksmusik die du je gehört hast, den Tag einläuten. Langsam stecken uns die vier Tage in den Knochen und dies wortwörtlich. Das während Drescher die Sonne wieder ordentlich mit einheizt, bessert diesen Umstand nicht sonderlich und so trinke ich zu ihrer dritten Nummer tatsächlich meinen dritten Becher mit Mineralwasser.

Denn auch die Jungs von Drescher scheinen es sich zum Vorsatz gesetzt zu haben, die Menge schon um viertel zwei zum Toben zu bringen. Gönnen uns aber zwischen den Songs kurze Pausen und wecken das Publikum mit netten Späßchen langsam auf. In der zweiten Halbzeit scheint vor der Bühne keiner mehr still zu stehen und auch der restliche Bereich füllt sich zusehends, wobei bis in die hintersten Reihen getanzt wird, besonders als sie ihre Version von Falcos Rock me Amadeus zum Besten geben.

Gut gelaunt besorgen wir uns nach Drescher Mittagessen und warmen Kaffee, bevor es retour zum Parkplatz geht, gerne hätten wir Behemoth gesehen, aber einerseits forderte die Hitze ihren Tribut und andererseits hatten wir uns verzettelt, musste Flipper doch wieder in ein normales Auto verwandelt und unser Müll zusammengeräumt werden.

Wie heißt es so schön am Nova Rock? Rock solid but clean. Gerne nehmen wir uns dieses Motto zu Herzen.

Erst kurz vor sechs Uhr, nach kurzem Nieselregen, betreten wir wieder das Areal, etwas enttäuscht hatten wir festgestellt, dass nun NO FX, Killswitch Engage und Jesper Munk gleichzeitig spielen würden. Der Plan lautete ein paar Nummern von jeder Band, was erst seit vorigen Jahr aufgrund der kürzeren Wege zwischen den Bühnen möglich ist, allerdings blieben wir bei Killswitch Engage hängen, trotz einiger für mich geschmackloser Witze, darunter an welchen weiblichen Körperteilen der Gitarrist schnüffeln möchte und das nach vier Tagen Festival … Igitt.

Einen Klassiker nach dem anderen schmetterten sie dem Publikum mit viel Power entgegen, bald meint der Sänger einen Schluck Whiskey zu brauchen, bevor es weitergehen könnte und tatsächlich geben er und die Fans kurz darauf Vollgas.

Sie beginnen Always zu spielen, ein Stück bei welchem ich es nicht schaffe trockene Augen zu behalten. Die himmlische Obrigkeit scheint ebenfalls von diesem Song verzaubert, just in dem Moment wo die ersten Klänge über das Gelände wehen, reißt die Wolkendecke über der Bühne auf, Sonnenstrahlen scheinen nun auf sie und das Publikum davor hinab und auch als es nun wieder zu nieseln, oder doch der Himmel zu weinen, beginnt, bleibt dieser Bereich während dem ganzen Song beleuchtet.

Für mich ein beinahe magischer Moment und definitiv ein Highlight dieses Festivals …

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Schnell zeigen sie jedoch wieder ihre härtere Seite, beinahe unfassbar wie oft man das Wort: Fucking in einem Satz gebrauchen kann, wenn man die Menge zu einem Circle Pit auffordert.

Wir verweilen auf der Red Stage um Heaven Shall Burn zu lauschen, die deutschen Jungs überzeugen mit Death Metal und sympathischer Interaktion mit dem Publikum.

Der Wavebreaker kocht und dies nicht nur wegen den Feuerfontänen welche gen Himmel geschickt werden, lauthals singt die Menge während Endzeit oder The Weapon they Fear mit. Schnell kommen der Galan und ich zu dem Schluss, Heaven Shall Burn ist unsere Band des Tages, zumal auch wir nicht still stehen können.

Stagediver werden zur Bühne getragen und von den Securitys sicher aufgefangen, am heutigen Tag wohl eine noch größere Leistung als sonst, mussten sie doch vorerst der Hitze der Sonne und schließlich der Feuerfontänen trotzen, stundenlang stehend, alles in allem sehr kräftezerrend.

Zusätzliche Sympathiepunkte gewinnen Heaven Shall Burn, als der Sänger die Bühne direkt vor dem Wavebreaker verlässt und mit jeden seiner Fans nochmal abklatscht.

Wir wechseln, zum ersten Mal heute, auf die Blue Stage um den Deftones zu lauschen, welche ihr ganz eigenes musikalisches Süppchen kochen. Vermutlich nicht mal psychedelic angehaucht, empfinde ich ihre Musik und jeden einzelnen Song als eine Mischung von psychedelic Rock und Metal.

Ob sie heute mit, oder doch auf, ihren Teppichen spielen kann ich nicht erkennen, obwohl die Kamera über die Bühne schweift, als nach dem ersten Song ein Defekt an der Gitarre für eine unerwartete, aber dennoch kurze, Unterbrechung sorgt. Schnell wird die Gitarre ausgetauscht und das Programm weiter verfolgt.

Chino Moreno, der Sänger dirigiert die Fans spielend und zieht auch den Anteil des Publikums in seinen Bann, welchen die Deftones nicht so geläufig sind, wie den Galan. Bassist und Gittarist unterstützen in Sattelfest und routiniert. Als der Sänger schließlich die Bühne verlässt und vor dem Wavebreaker mit den Fans interagiert, übertönen die Jubelschreie kurz die Musik.

Beinahe kämpfend muss ich den Galan von den Deftones losreißen, alleine möchte er nämlich nicht hier bleiben und ich muss auf die Red Stage zu Twisted Sister wechseln, noch nie hatte ich die Ehre selbige Live zu erleben und werde sie wohl auch nie wieder haben und dies obwohl ich mit ihren Klängen aufwachsen durfte.

Sie feiern ihren Abschied gebührend mit den Fans, Show, Setlist, Klänge und Interaktion sind einfach Top, für mich ist schnell klar nicht nur der Headliner des Abends auf der Red Stage sondern der Headliner der gesamten vier Tage.

Daniel Dee Snider lächelt über das ganze Gesicht, als ihm das Publikum immer wieder textsicher die Refrains zu ihren Songs um die Ohren jubelt, ich komme nicht umhin mich zu fragen ob er, so wie ich, fasziniert davon ist, wie gut die junge Meute diese alten Schinken kennt …

Auch eine politische Ansprache lässt er sich nicht nehmen, wobei er die Anschläge in Paris und Belgien scharf verurteilt. Natürlich kann er aber auch friedlich, so verneigt er sich vor den Fans, welche diese Art der Musik und Festivals überhaupt erst möglich und groß gemacht haben.

Zwischen den folgenden Nummern zollt er auch Bands wie Black Sabbath und den Scorpions Respekt und auch Lemmy von Motörhead wird gedacht, mit abgedrehten Bühnenlichtern, nur Feuerzeuge und Mobiltelefone erhellen nun das Gelände vor der Red Stage.

Sollte man nun erwähnen dass man dem Sänger, Daniel Dee Snider, seine 61 Jahre nicht anmerkt? Tatsächlich präsentiert er sich in Topform, steht dem jüngeren Mittbewerb um nichts nach, was Performance, über die Bühne laufen, springen und tanzen angeht, gar einen Waschbrettbauch kann man unter seinem offenen Gillet erspähen.

Geplättet aber mit guter Laune wechseln wir zu den Red Hot Chilli Peppers, als erstes erspähe ich eine Absperrung auf der Bühne, offenbar befinden sich einige Fans dahinter. Mit etwas Verspätung, gehört wohl zum guten Ton, startet ein akustisches Intro.

Dies und die farbenprächtige Show auf den Monitoren scheinen dann aber schon das Highlight der Chillis gewesen zu sein, Pfeffer und Heiß waren ihnen wohl abhandengekommen, was sich bereits nach der ersten Nummer zeigte. So hatte Anthony Kiedies offenbar die Setlist vergessen, auch sonst gab es einige vergriffene Riffs und … Notizzettel(?), damit man sich wohl wieder daran erinnerte was als nächstes kam … Ob es dann auch noch Textaussetzer gab, oder die Pausen Absicht waren und lediglich vergessen wurde das Publikum zum Singen zu animieren, kann ich nicht sagen.

Etwas Schade auch, das der Bass wohl das stärkste und sicherste Instrument auf der Bühne zu sein schien und mal eben Gitarre und Stimme unter sich begrub … Somit auch nicht verwunderlich, dass der Galan und ich nach wenigen Songs das Gelände verließen und mit Flipper die Heimreise antraten.

 

Soviel zum musikalischen Teil, früher als erhofft werdet ihr, sehr bald, alles über Pleiten, Pech und Pannen erfahren … darunter nasse Füße, Flippers nasses Hinterteil – innen nicht außen, Dixie Klos, Schlammkurren und warum ein Security unsere „Beziehungsdiskussion“ schlichtete …

Hier geht es zu Tag 1 – Winkinger und Wrestler, Tag 2 – und warum das Nova vor Skindred kniet und Tag 3 – Wetterkapriolen und Schlammschlacht

3 Kommentare

  1. Den Leadgitarristen von KSE finde ich auch immer furchtbar anstrengend und auch ziemlich peinlich… Ob das einfach seine Art ist, oder ob er vorher immer Entsprechendes konsumiert, weiß ich allerdings bis heute nicht.
    Bei den RHCP hat es mich auch nicht lange gehalten, ein so furchtbares Konzert habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Zum Glück bin ich kein sonderlich großer Fan und so konnte ich das recht gut verschmerzen.

    Gefällt 1 Person

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