Black Sabbath: The End …

Es begann mit einem Donnerschlag, als mein Vater ein Teenie war und somit Jahrzehnte vor meiner Geburt. Eine junge Band aus Birmingham läutete die Taufe des Heavy Metal ein. Mit düsteren Glocken, hartem Gitarrenrock und einer Gesangsstimme mit hohen Wiedererkennungswert. Doch erst mit der zweiten Langspielplatte war er da, der typische Black Sabbath Sound, welcher noch Jahre später Musiker sowie Genre beeinflussen sollte … Nun ist es soweit; Ozzy Osbourne (the fucking prince of fucking darkness), Tony Iommi und Geezer Butler beenden die Geschichte ihrer unglaublichen Karriere, beinahe wie in einem Buch und das letzte Kapitel heißt Black Sabbath, The End …

Der Galan und ich sind, wie mittlerweile bekannt, der härteren Musik und auch so manchem Festival nicht abgeneigt. Immer bekam ich eine Gänsehaut, wenn Musiker, Bands wie Black Sabbath, ihren Tribut zollten und ihnen Respekt erwiesen, war ich doch mit ihrer Musik aufgewachsen und höre bis heute viele ihrer Songs noch gerne.

Die Ehre Black Sabbath live zu erleben, war mir noch nicht zuteil geworden und so zersprang mein Herz beinahe vor Freude, als ich feststellte das Black Sabbath, pünktlich zu meinem Wiegenfest, in der Wiener Stadthalle spielen würde, als klar war das ich mit ihnen gemeinsam feiern würde sprang mein gesamter Körper ausgelassen durch Häuschen und Gärtchen.

Endlich war der große Tag gekommen, so sehr auf mein Wiegenfest wie heute, hatte ich mich schon lange nicht mehr gefreut. Je näher wir der Wiener Stadthalle kamen, während wir entlang des Wiener Gürtels stauten, desto ausgelassener wurde ich.

Ja mein Sprunggelenk ist noch entzündet und die Achillessehne irritiert, wir hatten Stehplätze und dennoch hätte mich nichts davon abgehalten mit Black Sabbath zu feiern …

Vor der Stadthalle war einiges los und die Vorband, Rival Sons, bereits zu hören als wir uns beim Einlass befanden. Ich erspähe Peter Welfare und Gerdsch Friesenbichler von Confessions of Pain, jener Band aus Wiener Neustadt, welche uns erst kürzlich beim Rise Up Festival gekonnt eins auf die Ohren gegeben hatte. Ein beinahe schöner Moment, für mich, zeigt er doch, dass auch diese jungen Musiker von Black Sabbath berührt wurden und sie ihnen heute die letzte Ehre erweisen möchten.

Da wir uns im höchsten Rang befinden, was ich gar nicht so schlecht fand, da man hier, alles hinter und vor der Bühne beinahe aus der Vogelperspektive beobachten kann, werden die ganzen Treppen eine wahrliche Herausforderung für mich und mein erhitztes Sprunggelenk.

Heiß ist es auch in der Stadthalle, vielleicht ist ja die Klimaanlage kaputt, jedenfalls merke ich bald, nachdem wir uns einen Platz auserkoren haben, das mein vom Treppensteigen erhitzter Körper nicht abkühlen kann.

Ziemlich schnell erkennen wir, dass der Sänger von Rival Sons Barfuß  seine Performance absolviert. Sie sind mir noch unbekannt, aber das was ich höre ist nicht zu verachten.

Der Mann am Keyboard, Todd E. Ögren-Brooks, erinnert mich mit seinem Hut und dem langem, dunklen Bart, ein wenig an die Amish, dieser Eindruck wird durch sein Jacket verstärkt, von selbigen entledigt er sich aber, ob der Hitze bald.

Gut können wir erkennen, dass einige Menschen in der vordersten Reihe etwas leiden, wie meist auf Konzerten stehen sie wohl schon etwas länger hier in der warmen Halle, umringt von immer mehr werdenden Menschen, welche gelegentlich in ihrer Feierlaune nach vorne drücken. Um keinen Moment mit ihrer Band zu verpassen, reichen ihre gekauften Flüssigkeitsreserven nicht lange.

Zwei Securitiess müssen sich ziemlich bald einem Besucher aus der vordersten Reihe annehmen, der auch aus unserer Perspektive etwas mitgenommen aussieht. Dem Keyboarder scheint dies nicht zu entgehen, er schnappt sich eine volle Wasserflasche und läuft damit zu den Securities und übergibt sie dem Fan, dann hastet er zurück und tanzt weiter zu den Melodien der Band und seinem Keyboard. Bis zum Ende der Performance von Rival Sons bleiben die Securities bei dem lädierten Fan, welcher sich aber, dank des Wassers (?), zu erholen scheint.

In der folgenden Pause, setzen sich der Galan und ich auf den Boden, da bergab für mich schwieriger als bergauf ist, frage ich mich kurzzeitig wie ich die vielen Stufen am Ende schaffen soll, zumal unser Rang sehr steil ist, womit auch die Stufen hier sehr steil sind …

Jubel ertönt und als der Galan und ich uns wieder erheben, sehen wir bereits Black Sabbath hinter dem Vorhang stehen, passend eröffnen sie ihr Konzert mit Black Sabbath. Man vernimmt so einiges, über Drogen, Alkohol, Krankheiten und einem Ozzy der sich kaum noch bewegen kann … Offenbar liest Ozzy keine Zeitungen, natürlich tobt er nicht wie zu seinen besten Zeiten über die Bühne und ist auch nicht ganz so munter und trainiert wie der circa sieben Jahre jüngere Dee Snider von Twisted Sister, aber er steht auch nicht einfach nur da.

Bei beinahe jedem Song, bewegt er sich in Gesangspausen recht flott von Bühnenseite zu Bühnenseite und animiert die, an sich bereits schon tobenden, Fans, im ersten Wavebreaker, zum Feiern, mitsingen und klatschen.

Das Publikum, hinter dem ersten Wavebreaker, ist bei Klassikern wie Fairies Wear Boots, After Forever oder Into the Void, leider, sehr verhalten, vielleicht gibt Black Sabbath deshalb immer mehr Gas und eventuell rennt Ozzy auch deshalb immer wieder so flott von Bühnenseite zu Bühnenseite, es scheint fast sie würden sich mehr wünschen und das sollten sie auch bekommen, stehen sie doch das letzte Mal vor österreichischem Publikum …

Ozzy scheint die Fans nun mit einer Ladung Wasser aus einem Kübel wecken zu wollen, es funktioniert nur mäßig … Sofort eilt übrigens ein Bühnenarbeiter herbei um den Kübel erneut zu füllen.

Bei War Pigs ändert sich dies schlagartig, während die Sirenen ertönen, Scheinwerfer wie Suchlichter durch die Menge fahren und auf der Videoleinwand rot blinkende Alarmsignale gezeigt werden, übertönt der Jubel der Fans kurzzeitig die Musik, sehr textsicher donnern die Fans Songpassagen der Bühne entgegen … Ich frage mich wie viele wohl wissen das die zweite Langspielplatte eigentlich War Pigs heißen sollte, dieser Name war dem Plattenlabel zu provokant, so nannte das Plattenlabel besagte Platte auch erst im letzten Moment Paranoid, womit in einer Husch-Pfusch Aktion der gleichnamige und gleichzeitig bekannteste Song von Black Sabbath aufgenommen wurde …

Ein Fan muss nun offenbar von den Securities gerettet werden, ich sehe im Augenwinkel Bewegungen und erkenne nur noch, wie zwei Securities jemanden an Händen und Füßen wegtragen … Kurz darauf nehmen sie den einzigen Stagediver des Abends entgegen … Verzeiht mir wenn ich nun sage, etwas schwach liebe Black Sabbath Fans …

Tatsächlich wird es nun während Behind the Wall of Sleep, N.I.B und Hand of Doom wieder etwas ruhiger in den hinteren Reihen …

Vor einer gehörigen und langen Drum-Session werden die Fans bei Rat Salad und Iron Man wieder etwas munterer, plötzlich wird es auch auf den Sitzplätzen am Rang neben uns lauter und während Iron Man sitzt dort kaum noch jemand.

Nach der Drum-Session werden noch Dirty Woman und Children oft he Grave zum Besten gegeben. Obwohl Black Sabbath angekündigt haben nun zu ihrem letzten Song zu kommen, bin ich ziemlich enttäuscht als die Halle nicht lautstark nach einer Zugabe verlangt … Erst nachdem die Band abgetreten ist und sich Ozzy mit „Let me hear … ONE MORE SONG!“, hiner der Bühne meldet, stimmen die Fans mit ein …

Ein Ts kann ich mir gerade nicht verkneifen … Zumal Paranoid eben noch nicht gespielt wurde.

Black Sabbath betreten die Bühne erneut und zu Paraonid scheint die Stadthalle endlich erwacht zu sein, soweit ich sehen kann sitzt wirklich niemand mehr, es wird mitgesungen, getanzt oder im Takt geklatscht, auch die ersten Devil Horns sehe ich nun … Beinahe möchte ich rufen wo wart ihr denn die letzten zwei Stunden? Das Konzert ist vorbei!

Meiner Meinung nach legten Black Sabbath einen grandiosen Abschied hin, schade nur das Österreich seinem Ruf als verhaltenes Publikum dabei treu geblieben ist … Die Chance Black Sabbath gebührend, als Väter des Heavy Metal, zu feiern wird vermutlich nicht mehr kommen …

Besonders traurig für mich das Ozzy ein paar Mal, beinahe das Publikum anflehen musste „Let’s get crazy! Come on let’s get crazy! We are the last time here and this are our last songs tonight“ … ist das einem fucking prince of fucking darkness würdig?

Ich für meinen Teil fuhr trotz schmerzendem Sprunggelenk überglücklich und verschwitzt nach Hause … nun wiederhole ich mich ein wenig, ich laufe nicht mit den hündischen Damen des Hauses und schone mich sogar, aber wenn ich mein Wiegenfest mit Black Sabbath feiern darf, stellt sich sicher kein schmerzendes Sprunggelenk dazwischen …

4 Kommentare

  1. Gut geschrieben, das könnte man auch ungekürzt als Bericht für die Tageszeitung nehmen. Mein Mann ist ein Black Sabbath Fan, ich bin nicht so in der Heavy-Metal-Welt zu Hause, aber es gibt einiges das mir gefällt.

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