Etappe 1: Wir im Zug, etwas Gepäck im Bus und die ersten sieben Kilometer

Sie nörgelt, schon wieder, wie vor kurzem erwähnt, haben die Zeit und ich soeben ein paar Beziehungsprobleme. Zeit ist zwar da, dennoch fühle ich mich von ihr vernachlässigt, reichen mir 24 Stunden am Tag, von welchen ich dann doch bis zu acht Stunden schlafe, derzeit einfach nicht aus. Was das jetzt mit Gepäck zu tun hat?

Die sportliche Reise hat begonnen, heute, mit drei Menschen, zwei Hunden, drei Fahrrädern, zwei Hundeanhängern, drei Rucksäcken, einer großen Tasche und seit kurzem zwei neuen Gepäcksträgern.

In der großen Tasche befindet sich vornehmlich Hundezeug, also Fressen, Maulkörbe, Kühlmatten, ein zweites paar Schuhe für mich und ein richtig warmer Kapuzenpullover, keine Ahnung warum ich selbigen nie in den Rucksack bekomme …

Den dritten Fahrradtest habt ihr übrigens nicht überlesen, in der Tat wurde er weder durchgeführt noch darüber geschrieben, wobei letzteres wohl einleuchtend ist, hier war es die Zeit und das Wetter, welchen diesen letzten Test, in vollem Umfang, vereitelte.

So zeigten sich erste kleine Probleme im relativ spontanen Plan, den berühmten Donauradweg Passau-Wien, gemeinsam mit dem Fahrrad zu bezwingen … Wobei nun der geeignete Zeitpunkt gekommen scheint zu erwähnen, dass sich der Galan, scheinbar todesmutig, auf eine sportliche Reise mit zwei menschlichen Damen, darunter die gereiftere Version von mir und den zwei hündischen Damen des Hauses, begibt.

So planten wir, im elterlichen Land, eigentlich nichts, außer Abfahrtszeit mit dem Zug vom neuen Wiener Hauptbahnhof und ursprünglich, sich auch im elterlichen Land mit Sack und Pack am Abreisetag einzufinden und den Weg zum Hauptbahnhof teilweise radelnd und teilweise mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln hinter uns zu bringen.

Bereits nach kurzer Überlegungsphase erhielt besagter Plan erste Risse, zumal der ICE, also der Zug welcher ohne Umstieg von Wien nach Passau fahren würde, keine Fahrräder transportiert. Obwohl die reifere Version von mir sich sicher war vor wenigen Tagen gesehen zu haben das dem doch so war, direkt in der Online Buchung … Nach kurzem hin und her rief ich bei der ÖBB an und hörte der ICE befördere schon sehr lange keine Fahrräder mehr …

Nun beachte der geneigte Leser erneut die mitgenommenen Utensilien aus Absatz zwei und beziehe die weibliche Mutlosigkeit mit ein. Horrorszenarien spon ich mir, von Hunden allein am U-Bahnsteig, was wohl die schlimmste der Möglichkeiten war oder Fahrrädern, Rucksäcken oder Hundeanhänger, welche den Weg in die U-Bahn oder hinaus nicht zeitgerecht meistern konnten.

Die weibliche Vorsicht trieb mich nun dazu, noch am selben Abend unseren besten Freund, oder einfach Superman-Freund, Max anzurufen und ihn zu fragen ob er sich vorstellen könne, die hündischen Damen des Hauses, den Galan, mich und diverse Utensilien zum Hauptbahnhof zu bringen. Er konnte, das wäre kein Problem, er helfe doch immer gerne aus …

Ausgerechnet heute, am Tag der Abreise, beschlichen mich noch mehr Zweifel, während wir alles für das beladen von Max Transporter nach draußen geschafft hatten.

„Ich glaube mit den Anhängern werden wir ein Problem bekommen, spätestens beim Umsteigen …“

„Meins du?“, hackte der Galan nach

„Stell dir das mal vor … drei Menschen mit zwei Hunden, einer davon mit lädiertem Fuß, drei Fahrrädern, zwei Fahrradanhängern …plus dem ganzen Gepäck und die Liegekissen können wir auch nicht in den Anhängern lassen, weil sie sich damit nicht richtig zusammenklappen lassen“

Kurzes Schweigen.

„Ich sollte mich auf die Hunde konzentrieren, du willst dich um die beiden Räder kümmern, aber dann gibt es noch immer zwei Anhänger, zwei Liegekissen und eine Tasche zusätzlich … Außerdem überlege ich gerade ob wir für die Anhänger dann nicht auch extra bezahlen müssten … Irgendwie wirken die gerade so groß auf mich.“

Ja die Zweifel fraßen mich auf, zehn Minuten vor Reiseantritt, da meldete sich Max zu Wort

„Wann kommt ihr denn in Passau an?“

„Warum?“, neulich erwähnte ich bereits, gute hundert Prozent der an mich gerichteten Fragen mit Gegenfragen zu beantworten. Eventuell habe ich meinen Beruf verfehlt und würde einen guten Polizisten … Verzeihung, Gendern … eine gute Politesse abgeben.

„Jemand könnte euch das zu viel an Gepäck in Passau abliefern.“

Etwas ungläubig starrten der Galan und ich Max an, hatte er uns dies soeben wirklich angeboten. Das Schweigen dauerte wohl ziemlich lange.

„Also ja oder ja?“, hackte Max nach.

„Das wäre wirklich toll, aber …“

„Nichts aber“, unterbrach mich Max „Lasst alles was euch im Zug behindert im Bus, wir sehen uns dann in Passau wieder …“

Völlig überwältigt nahmen wir Max Angebot nun mehr als dankbar an, der gesamte Himalaya fiel in diesem Moment von meinen Schultern ab.

Ohne Anhänger, Liegekissen und Hundetaschen schien die Zugreise deutlich entspannter zu laufen und dies nicht nur, weil ich mich nun zu hundert Prozent auf die hündischen Damen des Hauses konzentrieren konnte, deren letzte Zugfahrt dann doch etwas zurückliegt.

Der Wagon war gut gefüllt, Möglichkeit das Gepäck zu verstauen kaum vorhanden, wir mussten den vierten Sitz an unserem Tisch bemühen, um unsere Rucksäcke abzulegen.

Zwanzig Minuten, nachdem wir in Passau angekommen waren und etwas herumradelten, war auch Max angekommen. Wir lotsen in zu einem guten Lokal und die etwas reifere Version von mir lud ihn und uns zum Essen ein.

Nach unserem Schmaus half uns Max noch Räder und Anhänger zu koppeln und bei ersten Gehübungen mit den hündischen Damen des Hauses, welche nicht panisch wurden, aber einige Minuten brauchten um sich mit dem Gedanken anzufreunden nicht zusammen in einem Anhänger zu sein.

An der Touristeninformation wurde der Weg zu unserer Unterkunft in Kellberg erfragt, laut mir vorliegenden Informationen, wurde der etwas reiferen Version von mir und dem Galan dazu geraten erst eine zweite Abzweigung zu nehmen, selbige wäre nicht so steil … Die reifere Version von mir, als solche eben auch Frau, plagten Zweifel und so nahmen wir die erste Abzweigung …

Somit schoben wir unsere Räder deutlich mehr als wir fuhren gute vier Kilometer den Berg hoch, was meinem Sprunggelenk überhaupt nicht zusagte. Ohne der Energie und dem Elan, der hündischen Damen des Hauses, hätte ich mein Rad samt Anhänger, aufgrund des Sprunggelenkes, wohl kaum jemals diesen Berg hochbekommen. Fleißig zogen sie in ihrem Brustgeschirr mein Rad, während ich selbiges schob und hatten derart Spaß daran, dass ich tatsächlich etwas zügeln musste.

In unserem Zimmer wirft der Galan einen Blick auf Google-Maps und stellt fest, die zweite Abzweigung wäre nicht nur kürzer, sondern auch deutlich weniger steil gewesen ….

Müde fallen wir fünf ins Bett, wobei die gereifte Version von mir ihr eigenes Zimmer hat und freuen uns schon auf die morgigen, oder doch heutigen, Abenteuer …

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