Die letzte Etappe

Hier sitze ich wieder in meiner Küche, vor fünf Tagen hatte die sportliche Reise von Passau nach Wien begonnen. Sie endete wie sie begonnen hatte, mit Hilfe unseres Supermanfreundes Max …

Als wir in Ybbs erwachten zeigte sich, dass mir wohl doch etwas mehr beim Sturz, am Nachmittag davor, passiert war. Strecken oder verschiedene Bewegungen des linken Armes, sorgten für ein ziemlich unangenehmes Gefühl bei den oberen linken Rippen.

Auch die linke Schulter zeigte sich etwas beleidigt, was sie mit einem unangenehmen Pochen verdeutlichte.

Aber der linke Knöchel, welcher direkt nach dem Sturz ziemlich schmerzte, schien nichts mehr zu haben, normal konnte ich ihn belasten. Beim rechten Bein spielte der entzündete Knöchel und das nun abgeschürfte Knie nicht ganz so mit wie gewünscht.

Ich stand auf und zog mich vor dem Spiegel aus, vor dem Frühstück war ohnehin Katzenwäsche und Kleidungswechsel angesagt. Eigentlich wollte ich diesen Moment nützen um mir meine Rippen im Spiegel anzusehen, ein blauer Fleck ist nichts ernstes, kann aber auch zu Schmerzen bei Bewegung führen … Ich sah keinen blauen Fleck und schließlich musste ich beim weiteren Blick in den Spiegel ein wenig Lachen … Gemein, Lachen tat nämlich auch weh.

„Was ist denn?“, fragte der Galan, welcher soeben die hündischen Damen des Hauses für ihren Gang zur Toilette bereit machte.

„Jetzt bin ich wirklich ein Fleckvieh“, sagte ich mehr lachend als sprechend und trat, nackt aus dem Badezimmer.

Bei meinem Anblick prustete nun auch der Galan los. Ein Teilbereich der Schultern, dort wo das Trägertop aufliegt, sowie Brust, Bauch, gute zehn Zentimeter meiner Oberschenkel und meine Füße waren Schneeweiß, während der Rest meines Körpers ziemlich dunkelbraun daher kam … Auch im Gesicht war der Bereich der Augen, aufgrund der Sonnenbrille weiß, während der Rest, inklusive Nasenspitze ebenfalls dunkelbraun war …

Mein Kopf meldete sich, während wir schnell mit den hündischen Damen des Hauses draußen waren, dies war aber einzig und allein dem Wetterumschwung geschuldet, vielleicht auch ein Grund warum ich den Sommer nicht sonderlich schätze, vor jedem Gewitter wird es schwül, dann sinken die Temperaturen ja doch meist um die zehn Grad ab, gestern waren es zwölf, bevor das Thermometer wieder gehörig in die Höhe klettert und dadurch beginnt mein Kopf zu schmerzen.

Erneut nahm ich ein Schmerzmittel, weil ich mit Kopfweh einfach nicht umgehen kann, bevor wir uns nun zum Frühstück setzten. Die reifere Version von mir wartete dort schon auf uns. Der Galan bewirtete mich, während dem Frühstück verflogen allerdings sämtliche meiner Schmerzen und ich unterhielt Galan und reifere Version von mir mit dämlichen Geträller.

Ich vermute, der Galan hatte die reifere Version von mir, während meinem Gang zum Null-Null darüber informiert, dass die Schmerzen heute Morgen groß gewesen waren, als ich wieder retour kam, lag ein Flyer eines Schiffes, welches in Melk ab und in Krems wieder anlegen würde am Tisch. Der Beschluss das wir bis Melk radeln und von dort besagtes Schiff bis Krems nehmen würden, war getroffen.

Wir packten zusammen, holten unsere Räder, koppelten die Anhänger für die hündischen Damen des Hauses wieder daran und machten uns auf den Weg nach Melk. Es lief gut, wieder waren wir viel im Schatten unterwegs und so erreichten wir das 28 Kilometer entfernte Melk circa eineinhalb Stunden bevor das Schiff ablegen würde, womit wir uns noch ein Mittagessen in einem Lokal gönnten. Den knappen Kilometer vom Lokal zum Schiff, liefen die hündischen Damen des Hauses, neben meinem Fahrrad her.

Nachdem wir einige Zeit, stehend, auf dem Sonnendeck des Schiffes verbracht hatten, begaben wir uns ins Innere, wo sich niemand befand und ich die Zeit nutzen konnte um meinem Bauchfleck zu veröffentlichen.

In Krems angekommen, meinte die reifere Verison von mir, ob ich nicht unseren Superfreund Max kontaktieren wolle, dass er mich am Weg aufgabelte, ich verneinte beinahe empört und war nun sicher das der Galan erzählt hatte, dass ich nach dem Aufstehen etwas mit meinem Körper zu kämpfen hatte.

Wir bestiegen wieder unsere Räder und radelten weiter, nächstes Ziel das 39 Kilometer entfernte Tulln. Eine saftige Gewitterzelle schien uns zu verfolgen und holte uns knapp zwölf Kilometer vor Tulln ein, erneut wurde es plötzlich ziemlich schwül, also wurde eine kurze Pause an geeigneter Stelle eingelegt, damit sich die hündischen Damen des Hauses, an der Leine, in der Donau abkühlen konnten.

Just in jenem Moment passierte etwas, dass ich nicht leiden kann. Zwei Radler, kamen mit zwei freilaufenden Hunden daher, sofort verzog ich mich mit den hündischen Damen des Hauses hinter mein Rad und den daran gekoppelten Anhänger und obwohl sich auch noch die reifere Version von mir in den Weg stellte, kam einer der fremden Hunde mit aufgestellter Bürste zu uns, also ließ ich den hündischen Damen des Hauses ihren Freiraum …

Ein kurzer Kampf startete, drei gegen einen, denn wie immer ließ ich meinen Hunden zwar Freiraum, damit sie sich verteidigen konnten, versuchte aber eben auch selbst, den fremden Hund zu verjagen, da meine Hunde nicht nachsetzen wenn der Angreifer abzieht.

Shadow entschied den Kampf mit einem gezielten Zwicker in den Nacken des fremden Hundes, der daraufhin endlich wieder zu seinem Herrchen lief, passiert war keinem der Hunde etwas, erneut begann ich nun zu zittern, Adrenalin und war stinksauer, weil ich einfach nie kapieren werde, wie Menschen einfach sorglos ihre Hunde frei laufen lassen können, besonders wenn sie auf andere Vertreter der caninen Gattung treffen, dessen Mensch deutlich zeigt, dass er auf Kontakt mit dem fremden Hund keinen Wert legt und quasi Schutz sucht um einer Begegnung aus dem Weg zu gehen.

Ich echauffiere mich, entweder man hat den Hund, wie ich angeleint neben dem Rad und zwar auf der Innenseite, oder leint ihn wenigstens an, wenn man einen anderen Hund passiert, muss man halt kurz stehen bleiben, damit können Unfälle vermieden werden, ist man nicht in der Lage seinen Hund am Rad sicher zu führen, kann man auch mit Hund nicht am Rad unterwegs sein. Punkt.

Wir radelten nun weiter nach Tulln, der kurze Kampf, mit kurzem Leinenruck, da ich die hündischen Damen des Hauses etwas zu spät losgelassen hatte, zeigte in der folgenden Pause in einem Gasthaus sein volles Ausmaß.

Bereits kurz vorm Gasthaus bekam ich beim Bergauffahren kaum Luft, da mir tiefe Atemzüge schmerzten und auch mein linker Arm wollte mein Gewicht am Lenker aufgestützt nicht mehr tragen, auch die hündischen Damen des Hauses schienen deutlich zu zeigen das es ihnen für heute reichte. Sie kamen nicht mehr schmusen, sie suchten tatsächlich bei mir und dem Galan nach Schutz.

Also gab ich auf, kontaktierte unseren Superfreund Max und fragte ob es für ihn möglich wäre, die hündischen Damen des Hauses und mich „zu retten“, er sagte zu und war bereits eine dreiviertel Stunde später am Tullner Hauptplatz.

Die hündischen Damen des Hauses, welche der weiße Transporter vertraut ist, wollten offenbar wirklich nur noch in einen ihnen bekannten Raum, wie verrückt stürmten sie auf den Transporter zu und kümmerten sich nicht darum das der Galan und die gereiftere Version von mir, den restlichen Weg, bis einige Kilometer vor Wien, in das heimische Domizil des Galans und mir, radeln würden.

Im heimischen Domizil, ließ Shadow ihren Freuden-Heuler hören und sprang ausgelassen durch unseren Garten, Max lud die Hundeanhänger, in welchen sich nun das Gepäck des Galans, der reiferen Version von mir und natürlich mein eigenes befand, sowie mein Rad alleine aus.

Da nichts zu Hause war, konnte ich mich vorab nur mit einem Kaffee bedanken … Zwei Stunden später und damit deutlich früher als angenommen, waren der Galan und die reifere Version von mir bei uns angekommen.

Gemeinsam bestiegen wir nun Stella, das Fahrzeug des Galans und brachten die reifere Version von mir nach Hause …

Wir hatten eine Menge Spaß auf dieser Reise und sind um die Erkenntnis reicher, dass wir die Reise mit hündischen Damen des Hauses im Anhänger, also knapp vierzig Kilo hinterherziehend plus Gepäck am Rücken, etwas unterschätzt hatten, dennoch möchten wir den Donauradweg diesen Sommer komplett beenden … Nächstes Monat soll es vorerst für mich und den Galan nach Tulln gehen, dann weiter zum Domizil der reiferen Version von mir und von dort, dann aber zu viert und ohne hündischen Damen des Hauses, runter nach Bratislava und mit dem Schiff retour …

Die restlichen Etappen gibt es hier:
Etappe 1; der Zug und das Gepäck
Etappe 2; zu fünt in einem Zimmer
Etappe 3; der Zaun
Etappe 4; Bauchfleck

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