Ätti in Kanada: oder was wir beim Radeln vergessen haben

Einige Stunden bevor sich die reifere Version von mir, der Galan und ich am Wiener Hauptbahnhof trafen um unsere sportliche Reise von Passau nach Wien anzutreten, brachte die reifere Version von mir Ätti zum Flughafen. Seit Jahrzehnten überquert er, einmal im Jahr den großen Teich um sich einen Monat lang an Kanada zu erfreuen. Dort fischt er, gibt Interviews, führt Touristen oder radelt Schwarzbären davon …

Ätti hat mir die Faszination Kanada wohl vererbt, ich erinnere mich noch daran, das Ätti und ich stundenlang vorm Fernseher saßen und Dokumentationen über Kanada in uns aufsaugten, aus einem mir (noch?) nicht näher bekannten Grund übte dieses Land eine starke Faszination auf uns aus. Das Land wo Milch und Honig fließen, Kälte, unzählige Wildtiere, Wälder, Wale und irgendwie ist man in einigen Teilen des Landes auf sein eigenes Können angewiesen.

Während ich noch die Schule besuchte, konnte ich leider nie Ätti begleiten, wenn es wahr ist ändert sich dies übrigens 2017, damals besaßen wir weder Mobiltelefone, welche via SMS eine Statusmeldung erlaubten, noch Mails. Wochenlang stürmte ich zum Postkasten, bis endlich der obligatorische Brief von Ätti im Postkasten war und verschlang die ersten Erzählungen seiner Reise.

Noch ungeduldiger wartete ich auf seine Rückkehr und ließ mich nicht ins Bett stecken ehe Ätti alles erzählt hatte, was ihm einfiel.

Ätti begegnete in Kanada auch so manchen Indianern, welche ihm seinen Lachs nach alter Tradition räuchern, dass genaue Jahr weiß ich nicht mehr, aber einmal kam Ätti zurück und erzählte davon, dass den Indianern ein Reservat verkleinert werden sollte.

So kam es das Ätti ein paar Einkäufe erledigen wollte, wobei ihn ein Kamerateam für einen Indianer hielt und Interviewte. Ätti hatte sich Englisch selbst beigebracht, denn als er noch ein Kind war wurde es nicht unterrichtet, so verstand er dieses Missverständnis erst später, als das Interview, in welchem er seine Meinung kundtat, ausgestrahlt wurde. Für uns eine immer wieder lustige Geschichte.

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Während seiner Reise durch Kanada zu verschiedenen Freunden entlang der Küste, schläft er auch öfter mit anderen Touristen in urigen Hütten. Bären sind durchaus manchmal eine „Gefahr“. So erzählten die Verwalter dieser kleinen Lodges es sei möglich, dass ein Bär in der Nacht zu Besuch käme. In jener Nacht schlief mein Vater mit einem anderen Touristen in einer dieser Blockhütten und suchte, wie schon oft in der Fremde, das Klo, wobei er an das Bett des anderen anstieß, dieser wachte auf und schrie panisch „Ein Bär! Ein Bär!“. Womit er auch alle in den anderen Hütten aufweckte und für einen kurzen Tumult sorgte, welcher in Gelächter endete.

Nicht nur Reporter verwechseln meinen Ätti mit einem Indianer und so kam es, dass ihm eine gesamte Reisegruppe, an welcher Ätti vorbeschritt und welche soeben auf ihren indigenen Reiseführer warteten, um ein Reservat zu besichtigen, ihm blindlings in ein Waldstück folgten. Offenbar verhielt sich die Gruppe sehr still, denn Ätti bemerkte dies erst als er kehrt machte, um einen anderen Weg einzuschlagen, nachdem er einen frisch dampfenden Bärenhaufen und Spuren vor sich auf dem Weg erspähte.

Bären trifft er dort oft, manchmal trotten sie die Landstraße entlang oder klauen tatsächlich Fische von der Angel, wobei es sich bei letzteren allerdings, zum Glück, meist um Jungspunde handelt.

Als Triathlet verzichtet Ätti natürlich auch in Kanada auf Sport nicht, was mich mitunter am meisten etwas neidisch werden lässt, so war er letztes Jahr nach einem ausgedehnten Lauf, mit einem laut klappernden Fahrrad auf dem Weg retour in seine Unterkunft. Gedankenversunken bemerkt er plötzlich hastige Bewegungen im Gebüsch und sieht wie sich junge Schwarzbären auf einen Baum retten, in derselben Sekunde hört er direkt neben sich lautes Schnauben und das bedrohliche Klappern von Zähnen … Ordentlich tritt er in die Pedale ohne sich umzusehen und erreicht, zum Glück, gänzlich unbehelligt seinen Zielort.

Wir sitzen in unserer Unterkunft am Kellberg gerade beim Frühstück, der Galan ist noch etwas unleidlich, da er die neu gekauften Seitentaschen, für den Gepäckträger seines Rades, im ersten Zug vergessen hat, da erreicht die reifere Version von mir eine Mail von Ätti.

Gut wäre er in Kanada angekommen und hätte sich den Truck eines Freundes geliehen um Besorgungen zu machen. Der Truck verfügt über zwei Tanks, welche mit demselben Kraftstoff gefüllt werden, allerdings ist die Leitung des vorderen Tanks undicht und der Schwimmer defekt, weshalb Ätti hätte überprüfen sollen, dass der Hahn auf den rückwertigen gestellt sei.

Ätti vergaß diese Anweisung und blieb somit liegen, obwohl die Tankanzeige die ganze Zeit Voll angezeigt hatte. Nach kurzem Telefonat stellte er den Hahn nun auf den rückwertigen Tank und erledigt was er zu erledigen hatte.

Als guter Freund wollt er das Fahrzeug nun wieder vollgetankt zurückbringen, kurz nachdem er getankt hatte blieb er erneut liegen. Sein Freund kam mit seinem Sohn und ziemlich bald stellten sie fest, das Ätti Benzin anstatt Diesel getankt hatte, was insofern etwas witzig ist, da Ätti selbst ein Dieselfahrzeug, zu Hause, besitzt.

Sie schleppen das Fahrzeug ab und pumpen es von Hand bei der Lodge aus, Ätti besorgt Kanister mit Diesel. Brav springt der Truck nach kurzen Stottern an und läuft ohne Probleme …

Nach diesem „turbulenten“ Start in Kanada und unserem witzigen Radurlaub kann ich es kaum erwarten welche Geschichten Ätti nun in einem Monat zum Besten geben wird …

Errät jemand wer am Beitragsbild mein Ätti ist …

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