Blackfish, fange nie was du nicht kontrollieren kannst: die vergessenen Orcas – Part III

Mein Urlaub war vorbei, langsam kehrte die Routine zurück, da erreichte mich via Facebook die Frage ob ich eventuell noch mehr Informationen zu Tilikum und den anderen Orcas von Seaworld hätte. So begann ich die Geschichten der anderen Orcas, welche teilweise Tilikums Freunde, „Geliebte“ und Nachkommen sind, aus dem Buch Death at Seaworld, von David Kirby zu übersetzten und niederzuschreiben. Welches einen tragischen Einblick in das Leben der Orcas bietet, auch für dieses Buch wurden Seaworld Trainer wie John Jett interviewt.

Wir haben in Part I erfahren wie alles mit Shamu begann, auch Attacken auf die Trainer. Erfuhren die traurige Geschichte von Gudrun und ihrer Töchter, welche Tilikum als Vater und Freund miterlebte. In Part II ging es neben dem übermütigen Kotar, überwiegend um die Mütter und ihre Kälber, welche von ihnen getrennt, aus Inzucht geboren oder von ihnen aggressiv verstosen wurden, sowie eine Meinung von Meeresbiologen, warum die jungen Mütter ihre Kälber nicht annehmen.

Nun gilt es noch fünf Geschichten zu erzählen, darunter auch Kasatka, das Weibchen welches Trainer Ken Peters, während einer Show mehrfach am Fuß unter Wasser zog …

Splash erblickte am 15 August 1989 das Licht der Welt, im Marineland Canada, vorerst unter dem Namen Katak. Er litt unter Epilepsie, weshalb er viele Medikamente benötigte. Mit zwei Jahren wird er zu Seaworld San Diego geschickt, da man sich dort besser um ihn kümmern konnte.

Splash und Orkid verstanden sich großartig und fanden schnell Zugang zueinander, weshalb sie zusammen gehalten wurden … Als Orkid eine Trainerin, welche es witzig findet mit ihrem Fuß immer wieder in Orkids Maul zu tippen, in den Pool zieht, attackiert auch Splash diese Trainerin im Wasser, sie konnte gerettet werden, da das Tor zu Kasatka, einem dominanteren Wal geöffnet wurde.
Diesen Vorfall sieht man ebenfalls in der Dokumentation Blackfish, aufgenommen von Touristen.

Zu diesem Zeitpunkt besaß Splash allerdings seine unteren Zähne nicht mehr, beim Spielen mit Orkid rammte Splash das Tor ihres Pools, wobei er sich den unteren Kiefer zerschmetterte. Einige Zeit musste er nun im kleinen medizinischen Pool verbringen. Die aus diesem Unfall resultierende Infektion überstand er gut, allerdings mussten alle seine unteren Zähne entfernt werden und auch sein Maul konnte er nie wieder vollständig schließen.

Am 5 April 2005 stirbt Splash, da er sich von Verletzungen, genauer einem perforierten Magen, nicht erholte … Orkid und Sumar wären die meiste Zeit direkt vorm Tor zum medizinischen Pool getrieben und auch während seinem Tod sollen sie dort gewesen sein …

Taku wird als drittes Kalb von Katina und Sohn von Tilikum am 9 September 1993 geboren. Er war der lebende Beweis des starken Bandes zwischen Mutter und Kalb, 13 Jahre war er an Katinas Seite, selbst wenn sie seine Geschwister gebar.

Wie sein Vater, Tilikum, erreicht auch er eine beachtliche Größe und soll sehr sanftmütig gewesen sein. Schließlich wird er erstmals der Vater von Takaras Kalb Trua. Kurz darauf kommt es zur, forcierten, Inzucht mit seiner Mutter Katina, woraus Nalani entsteht. Die meiste Zeit seines Lebens mit seiner Mutter und einigen seiner Geschwister in einem Pool werden Taku und seine Familie schließlich 2007 getrennt.

Taku kommt nach San Antonio, während er reglos an der Oberfläche treibt, wird er von einem Moskito gestochen, welcher einen Virus überträgt mit dessen das Immunsystem des Orcas nicht fertig wird … am 17 Oktober 2007 stirbt er, womit er nach seinem Umzug weniger als ein Jahr überlebt …

Auch der in Part I erwähnte, forsche, Kanduke stirbt 1990 aufgrund eines Mückenstiches und einem damit übertragenem Virus … Die Trainer John Jett und Jeff Ventre schrieben darüber einen ausführlichen Bericht hier in Englisch

Corky scheint eine leidgeprüfte Orca-Dame zu sein, mit drei Jahren wird sie vor Britisch Kolumbien, im Dezember 1969 gefangen, kurz nachdem ihre Familie von Walforschern gekennzeichnet worden war, ihr Code war A16.

Während ihrer Zeit im Marineland of the Pacific, lernte sie viele neue Orcas kennen, welche alle binnen drei Jahren verstarben. Zusammen mit dem Bullen Orky fristete sie ihr Dasein.

Das sie schwanger war, merkten ihre Trainer erst, als plötzlich eine kleine Fluke aus ihr kam, sie hatte keine Ahnung wie man sich um ein Kalb kümmert und säugte es somit nicht. 18 Tage litt das Kalb Hunger und Einsamkeit, als die Trainer endlich beschlossen einzugreifen, war es zu spät. Es starb an einer Lungenentzündung und einem Gehirnschaden.

Auch ihr zweites Kalb, welches an Halloween geboren wird und den Namen Spooky erhält, säugt sie nicht, es stirbt nach elf Tagen. So erging es auch ihrem dritten Kalb und nun begannen die Trainer Corky darauf zu trainieren sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Kiva wird der am längsten lebende Nachwuchs mit 46 Tagen, trotz des Trainings säugt Corky ihr Kalb noch immer nicht korrekt, wie die Kälber davor, versucht auch Kiva an allen weißen Stellen von Corky nach Milch zu saugen. Corkys Unwissen und das zu kleine Becken sollen zu diesem Fehlverhalten beigetragen haben … Ähnlich wie Tilikum verbringen die Wale ihre Nächte in schwimmenden Kisten …

Die Trainer beginnen Kiva zu füttern, vorerst lässt Corky dies zu, beginnt dann aber diese Fütterungen zu stören und ihr Kalb aggressiv zu separieren. Kiva stirbt als ihre Atmung plötzlich ungleichmäßig wird.

1987, im Alter von 21, wird Corky zusammen mit Orky an Seaworld San Diego verkauft. Corky erleidet hier ihre dritte Totgeburt … Corky ist nun nicht mehr fähig einem Kalb das Leben zu schenken und sieht in San Diego erstmals wie sich Orca-Damen um ihre Kälber kümmern.

Ist es ihr doch irgendwo vorhandener Mutterinstinkt oder etwas anderes? Jedenfalls wird sie in San Diego die Ersatzmutter von Kälbern welche von ihren Müttern verstoßen wurden oder deren Mütter starben.

Schließlich versucht sie sogar die Kälber anderer Orca-Damen für sich zu beanspruchen, dies führt zu aggressiven Spannungen zwischen ihr und Kandu 5 …

Den vermuteten Grund für die vielen Fehl und Totgeburten in Gefangeschaft finden wir in Part I, am Ende der Geschichte von Gurdrun …

Wie Gudrun wird Kandu 5, am 30 September 1977, in Island gefangen und verbringt die erste Zeit in Gefangenschaft im Delfinarium Harderwijk, bevor sie zu Seaworld San Diego kommt.

Zwar verrichtet sie ihre Kunststücke brav, zeigt aber schnell aggressives Verhalten gegenüber ihren Trainern, so drückt sie mehrere Trainer, während Trainings oder Shows gegen Wände.

Im Alter von 11 Jahren ist ihr erstes Kalb eine Totgeburt, 1988, drei Jahre später, schenkt sie Orkid das Leben, sehr behutsam geht sie mit ihrem Kalb um und beschützt es vor allem und jedem.

Corky zeigt großes Interesse an Orkid und nachdem sie mehrfach versucht hat diese von ihrer Mutter zu separieren beginnen aggressive Spannungen zwischen Kandu und Corky. Diese Spannungen entladen sich während einer Show, als Kandu zur Performance geholt wird, schießt sie direkt auf Corky zu um diese zu rammen.

Ob sie nun Corky oder doch die Mauer gerammt hat ist unklar, jedenfalls verletzt Kandu eine Arterie und vor dem erschrockenen Publikum schießt Blut bei jedem Atemzug aus ihrem Atemloch … Sie schwimmt zurück in den hinteren Pool, wo sie binnen einer dreiviertel Stunde verblutet.

Die knapp einjährige Orkid schwimmt während dieser Zeit aufgebracht und lautstark „schreiend“ um ihre sterbende Mutter …

Die Geschichte von Kasatka und ihrer Tochter Takara, wird ebenfalls in Blackfish gezeigt. Als die beiden getrennt werden, beginnt Kasatka furchtbar Laut zu schreien, solche Töne kannte man in Seaworld noch nicht. Ein hinzugezogener Experte klärt auf, dass es sich um Laute handelt, welche dazu dienen sich im Ozean über weite Distanzen wiederzufinden. Obwohl Takara bei der Trennung bereits zwölf ist, leidet Kasatka fürchterlich unter der Trennung von ihrer Tochter, separiert sich tagelang von den anderen Orcas und schreit immer wieder nach ihrer Tochter … Sie erhält schließlich Valium …Takara entstand durch künstliche Befruchtung mit Tilikums Samen.

2006 ertränkt Kasatka beinahe Ken Peters während der letzten Show des Tages, sie schnappt nach seinem Fuß und zieht in mehrfach, minutenlang, unter Wasser, mit dem am Beckengrund auf ihm lastenden Druck und Minuten ohne Luft, überlebt er nur da er ein erfahrener Taucher und Free Diver ist …

Im Alter von 11 Jahren wird Nakai, das zweite Kalb und Sohn von Kasatka, offenbar während eines Streites mit Ike und Keet, übel verletzt, sein Kinn wurde offenbar abgebissen, dennoch tritt er wie geplant in der folgenden Show auf, in welcher das Publikum nun bis zu seinem Knochen sehen kann …

Takara wird im Alter von 12 Jahren im Ozean gefangen, nach vier Jahren wird sie von ihrer Tochter Kohana getrennt, welche nach Spanien gesandt wird um dort in Inzucht mit ihrem Onkel und anderen Blutsverwandten einen neuen Park aufzubauen, aus Part II wissen wir das Kohana sich um keines ihrer Kälber kümmert. Auch ihre zweite Tochter Trua wird ihr nach drei Jahren entrissen. Jedesmal erhält Takara vorab Valium …

Seaworld benützt ein Foto von Takara und Kohana um zu propagieren das sie um das starke Band zwischen Mutter und Kalb wissen und deshalb die Mütter von ihren Kälbern nicht trennen …

Wir sind am Ende der Geschichte angelangt und wie beim Lesen des Buches bin ich doch etwas mitgenommen … Erneut dreht sich in meinem Kopf alles darum, dass Forscher rausfanden das Orcas wohl über ein stärker ausgeprägtes Gefühls und Sozialleben verfügen als der Mensch, der Bereich in ihrem Gehirn, welcher dafür zuständig ist, ist im Größenvergleich, deutlich entwickelter als beim Menschen … Es sind überaus intelligente und hochentwickelte Lebewesen, jede Population hat ihre eigene Sprache und Verhaltensweisen … Im Ozean trennen sich Mütter und Kälber fast nie, auch kommt es in den beobachteten Populationen weder zu Gewalt gegenüber gesunden Kälbern oder Totgeburten.

Es scheint der Mensch hat sich hier mit einer hochsensiblen Spezies angelegt, welche fast verständlicherweise, dementsprechend reagiert wenn ihr Vertrauen missbraucht und ihre Gefühle verletzt wurden …

4 Kommentare

    • Wenn es wahr ist, das SeaWorld aufgrund des Druckes nach der Dokumentation Blackfish nun ihr Zuchtprogramm einstellt und auch keine Schwertwale mehr fängt, sowie die Shamu Shows beendet, hat das Leiden wohl bald ein Ende … Leider entspricht es wohl auch den Tatsachen das die Orcas nicht mehr in den Ozean übergeben werden können, zu sehr sind sie an den Menschen gewöhnt und vor Infektionen im dann doch natürlichen aber unbekannten kalten Wasser, nicht gefeit ….

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      • das wäre ja schon mal was, wenn das programm eingestellt wird. und ja – einmal in gefangenschaft lebende tiere kann man eigentlich kaum noch in freiheit lassen….es ist ihnen dann zu wünschen, dass ihr restliches leben einigermaßen erträglich ist…

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