Die Joghurtbecher Chroniken, vom Mountainbike zum Motorradring

Die reifere Version von mir, Ätti sowie ein Ehemaliger, sprachen sich entschieden gegen mein Vorhaben aus, mit dem Autoführerschein auch den Motorradführerschein zu absolvieren. Was weniger mit Klischees oder dem Umstand zu tun hat das ich weiblich bin, sondern das ich am Fahrrad, genauer am Mountainbike, in einem erlesenen Kreis, berühmt und berüchtigt für sagenhafte Stürze bin.

So liegt ein nicht unbeachtlicher Teil meines letzten Mountainbikes, welches auf den klingenden Namen Speed hörte, da man mit ihm aus irgendeinem Grund auch Rennradfahreren locker davonziehen konnte, noch auf einem Berg.

Ich war einem Eichhörnchen ausgewichen, zumindest hielt ich es für ein Eichhörnchen und im hohen Bogen abgeflogen, mein Bergrad, also Speed, auch, nur fand ich, seinen Vorderreifen ausgenommen, nichts mehr von ihm … Manchmal plumpste ich auch, offenbar, einfach so um, bis heute weiß ich nicht wie es zu gewissen Stürzen gekommen war, aber man muss ja nicht immer alles verstehen, jedenfalls lag ich oft im Dreck und konnte so einige Schotterausschläge vorweisen.

Einmal knallte ich mit dem Rücken, ohne Rückenschutz gegen einen Baum, während ich das Bergrad, bergab, laufen oder doch fahren ließ. ich hatte etwas für eine Schlange gehalten und wollte nicht drüber fahren, also legte ich eine Vollbremsung hin, überlastete dabei allerdings die vordere Bremse und stieg Kopfüber ab, dumm das sich in meiner Flugbahn besagter Baum befand … Die nächsten fünf Minuten lag ich am Boden und meinte nie wieder normal Atmen zu können …

Der Wunsch der reiferen Version von mir, Ätti und des Ehemaligen, waren mir somit verständlich. Der Ehemalige war bald … ehemalig und so galt es nur noch dem Wunsch der Klogen (dännisch für die Weisen) zu entsprechen, hier wandte ich nun kindliches Geschick oder einfach weibliche Logik an.

In meinem Kopf handelte ich ihrer Bitte nicht zuwider, würde ich das Bergrad, hier und da, gegen ein motorisiertes Bergrad tauschen, mit welchem man eben nur auf dafür vorgesehen Strecken unterwegs sein kann, immerhin brauchte man dafür keinen Führerschein und nur etwas Willen sich tagelang von Muskelkatern zu erholen, welche am Anfang, wenn man keine Ahnung hat was man da eigentlich macht vermehrt auftreten.

Stetig plumpst man um und muss das verdammte Teil, wie ich Diete nannte, wenn ich mich über sie ärgerte, wieder hochziehen. Training vom Feinsten und da es mir nicht immer gelang meine Haare oder andere geschlechtsspezifische Attribute zu verstecken, begleitet von Pfiffen, polternden Gelächter oder auch helfenden Händen. Diete hatte ich übrigens im Internet erstanden, sowie einen, mittlerweile verschollenen, Anhänger.

Doch eher scheu, schloss ich dennoch einige gute Freundschaften im ungarischen Nagycenk, bei manchem dieser Freunde verstand ich ungefähr die halbe Zeit nicht was sie mir sagen wollten und stellte dadurch fest, Hände und Füße werden bei Unterhaltungen wahrlich unterschätzt. Zimperlich durfte ich nicht sein, denn es wurde auch nicht zimperlich mit mir umgegangen tat sich eine Sprachbarriere auf.

Tatsächlich wurde ich, wenn ich eine Fahrtechnik nicht begriff oftmals, von Ferenc, einfach an den Hüften gepackt, auf Diete gesetzt und während er Diete herum rüttelte korrigierte er meine Haltung, meist jene meines Kopfes.

Irgendwann hatte ich das Ganze mit drücken und driften kapiert, stellte meinen Fuß brav zur Stütze in die Kurve und konnte mich langsam und unsicher an erste Sprünge wagen.

Wahrliche Glanzleistungen vollbrachte ich dabei, neben zig überaus anmutigen Abstiegen, begleitet von den zartesten Tönen, einer Elfe gleich, zeigt das Beitragsbild meinen ersten funktionierenden Sprung, wobei der „Ringmeister“ ganze Arbeit geleistet hat, ich befand mich höchstens zwanzig Zentimeter in der Luft.

Nach einem Jahr mit vielen anmutigen Abstiegen, Muskelkatern, kleinen Verletzungen und einfach an der Hüfte gepackt, war mein Fahrstil ganz passabel und erntete nun auch unter den männlichen Dauergästen Applaus.

Aber es kam was kommen musste, Diete, verlor nicht unerhebliche Teile ihrer selbst während einem Sprung, wobei Diete es vorzog einen anderen Weg, als Ich, einzuschlagen. Aus einem Mangel an finanziellen Mitteln, wurde Diete in den Ruhestand bei einem Ausschlachter geschickt …

Eines Tages war da dieser motorradfahrende Arbeitskollege, welcher sich für mich interessierte und mich dazu brachte mich auch für ihn zu interessieren, es kam wie es da kommen musste und da er mir den Mund mit Geschichten vom, asphaltierten, Motorradring wässrig gemacht hatte, konnte ich den nächsten Sommer kaum erwarten.

Auch dort passierte was wohl passieren musste, irgendwie landete ich im Sattel von Black Beauty, dem Renngerät des Damaligen, er hinter mir und so fuhr ich meine erste Runde, mit Schritttempo, am Parkplatz des Pannonia-Ringes.

Langsam standen wir vor der Herausforderung, dass ich keinen Führerschein hatte und am, asphaltierten, Ring mit anderen Fahrern und deren Rundenzeiten um die zwei Minuten, ein Üben wohl nicht so angebracht wäre.

Ein Übungsplatz eines Automobilclubs bot Abhilfe und so übten wir, mit Black Beauty, welche viel zu hoch für mich war, solange der Damalige nicht oben saß, was zu ziemlich witzigen Verrenkungen führte und nicht einmal wäre Black Beauty beinahe umgefallen … Etwas mehr als zwei Jahre vergingen, doch dann war er gekommen.

Der Tag an welchem ich das erste Mal mit Black Beauty am Ring fahren durfte, wobei ich mich so sehr erregte, dass sich dem Fahrvergnügen und mir dann doch kurz Glühwürmchen, oder Sternchen, in den Weg stellten.

Ein halbes Jahr später hatte ich endlich meinen eigenen Joghurtbecher, eine Honda CBR600, liebevoll farvede blob genannt, was übersetzt Farbklecks bedeutet, weil sie der Vorbesitzer, Rot, Gelb, Orange und Rosa lackiert hatte, da stand ich, ein Mädchen mit seinem überwiegend rot-rosa Motorrad.

Meine Rundenzeiten waren natürlich weltbewegend, darüber brauchen wir nicht zu sprechen, ich war immer Erster, wenn es darum ging als letztes ins Ziel zu kommen. Auch hier erntete ich Pfiffe, welche beim Damaligen gar nicht gut ankamen und einiges an Gelächter, aber immerhin packte mich niemand mehr an der Hüfte und rüttelte mich auf meinem Joghurtbecher durch.

Wieder ein Jahr später, entwickelte sich meine Rundenzeit relativ gut, so gut das auf der Rundenzeit schon mehrfach unter zwei Minuten angezeigt wurde und der Damalige entwickelte sich langsam zum … Damaligen.

Meinen Zopf stopfte ich zwar immer brav in die Kombi, aber oft bahnte er sich irgendwie seinen Weg da raus, witziges förderte schließlich das Begutachten unserer Aktionskameras zu Tage, Motorradfahrer welche am Damaligen normal vorbeigefahren waren, fuhren an mir mit nur einer Hand am Lenker vorbei, oder standen auf der Start-Ziel Gerade auf, richtig aufstehen, auf den Fußrasten, somit quasi komplett vom Joghurtbecher gelöst, was für nicht wenig Unbehagen bei mir sorgte.

Dieses sollte nicht unbegründet sein … weshalb und ob sie doch noch den Motoradschein macht, gibt es dann in Teil zwei … Wer Lust hat könnte doch Raten auf was oder wen sich Dietes Name bezieht …

3 Kommentare

  1. […] Im ersten Teil hingegen nahm ich Euch bereits nach Nagycenk in Ungarn mit auf eine Motorcross-Strecke, auf welcher mir Ferenc, manchmal wenig behutsam, das Fahren auf Diete beibrachte. Etwas Schade das noch niemand raten wollte warum mein motorisiertes Bergrad den Namen Diete erhielt. Ich warte dennoch etwas ab, bevor ich dies auflöse. […]

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