Rezension: Schrei mich zurück in mein innerstes All – Sammlungen von Georg Timber –Trattnig †

Wie rezensiert man die gesammelten Werke eines zu früh verstorbenen Literaten und Künstler? Diese Rezension stellte mich tatsächlich vor viele Konflikte mit mir selbst, was ist angebracht was nicht? Was darf ich erwähnen was nicht? Hier der Versuch … für die Frequenz Leitwolf

Georg Timber-Trattnig erlag im Alter von 33 Jahren seiner Alkoholkrankheit, es scheint sein letzter Akt endete wie sein erster begann, mit einem Vater der zu früh geht und seinen Sohn hinterlässt … Er lebte das meist undankbare Leben eines Künstlers, irgendwo zwischen Traum, Verwirklichung und der Notwendigkeit Essen auf den Tisch zu bringen.

Mit Schrei mich zurück in mein innerstes All, bekommen wir Einblicke in seine Werke, dürfen diese auf uns wirken lassen, bevor uns seine Biographie und die Stimmen von Freunden und Familie beinahe zu Tränen rühren.

Es sind Stücke geschrieben für das Theater oder Filmprojekte, es sind Akte und Szenen wie wir es aus William Shakespeare Büchern kennen. Dementsprechend, teilweise, schwer zu lesen, zumal es Stücke gibt, welche bis auf wenige Worte, ausschließlich klein geschrieben sind. Wieder andere im Dialekt:

A ruafn ze die dahoam Burli?
Samma kane plerenkatn Tschmauke, wort ma holt ob.

Daneben und dazwischen finden sich teilweise abstrakte Bilder, oft mit Notizen, was mich vermuten lässt das es auch Ideen für seine abstrakten Bühnenbilder seien sollten.

Zusammen mit den verworrenen Handlungssträngen wird das begreifen beim Lesen nicht unbedingt erleichtert. Dennoch sind seine Werke Zeitlos, so werden seine Figuren nicht müde über Liebe zu sprechen, neben dieser findet sich aber auch Gewalt, die Hölle, das Paradies und Sex.

Auch scheint er den klassischen Geschlechterrollen treu zu bleiben, Fabian eine Mischung aus Gott und Adam formt sich seine geliebte Lisa aus Kitt. Auch der dunkle Magier Tinti Fucks sieht sich als Schöper, Erschaffer, Handwerker der Menschen.

Weibliche Figuren treten als promiskuitive Täter oder devote Opfer auf, so manche verändert sich zu einem vom anderen, oder herrschen unerbittlich über ihren Liebsten. So entwickelt sich Anna in Schlachtvieh für den Himmel vom, werbesprüche wiederholenden Objekt zum Subjekt. Auch Gerätl in Tinti Fucks scheint Dirne und Engel in einem zu sein. Etienne enzieht sich offenbar ihrem geliebten George und wird damit einer Göttin gleich, seine Mondin, frei von sexuellen Fantasien.

Aber auch andere Themen wie Religion werden angeschnitten, mitunter satirisch und gut versteckt. Schließlich entdeckt man mit seiner angeschnittenen Biographie Parallelen, oder möchte sie erkennen. Obwohl manches Derb daherkommt, hat es doch etwas Charme und Witz, den es zwischen den Zeilen herauszulesen gilt.

Ich bin versucht zu sagen; gesammelte Werke eines Künstler für Künstler. Freidenker. Poeten. Nichts um sich berieseln zu lassen, sondern eher etwas für Menschen die noch etwas Gehirnjogging nach einem harten Arbeitstag, oder am Wochenende brauchen können.

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