Destino ein Kurzfilm von Salvador Dali und Walt Disney

Salvador Dali, dessen Schnurrbart ein eigenes Buch bekam: Dali’s Mustache und Walt Disney verband eine Freundschaft. Es scheint es kam was kommen musste, wenn zwei Träumer zusammen kommen. Der Kurzfilm Destino (Schicksal) entstand und fast wäre dieses Meisterwerk nie an die Öffentlichkeit gelangt …

In einer surrealen Wüstenlandschaft verschwimmt ein Teil einer Bergkette im Hintergrund mit dem Körper einer Frau. Langsam bewegt sie sich auf dreieckiges Denkmal zu, welches einen Mann mit einer Uhr zeigt unter selbiger befindet sich ein Medusenkopf (?) und ein Engel scheint dabei zu helfen die Uhr zu stützen.

Es scheint sich um Chronos, den Gott der Zeit, nicht zu verwechseln mit Kronos dem Titanen, zu handeln. Der Boden weißt Risse auf und links neben dem Denkmal, welches von Bergen eingerahmt scheint liegt ein Ball.

Als die Frau vor dem Denkmal hält erkennt man einen Kolibri auf der Brust von Chronos. Sie schließt ihre Augen, in Ihrer Fantasie wird sie, in einer sternenklaren Nacht, größer als das Denkmal, umfasst es und drückt es in ihre Brust. Eine neue Realität entsteht. Nun ist sie in dem Dreieck neben der Uhr, im Hintergrund geht der Mond auf „Spinnenbeinen“ vorbei und auch der Ball ruht noch dort.

Sie verlässt das Dreieck tanzend und bleibt, scheinbar überrascht, vor der Statue des Chronos stehen, sie möchte ihn küssen, doch sein Antlitz verschwimmt vor ihr. Erschreckt und scheinbar enttäuscht weicht sie zurück, traurig senkt sie ihr Haupt. Sie läuft einen Turm hoch, trifft dabei auf eine Skulptur welche sitzt und ein Glas, in ihrer von einer Krücke gestützten Hand hält.

Nun wirkt die Frau gelöst, beinahe euphorisch und tanzt sich ihren Weg an die Spitze des Turms. Ihr Kleid verfängt sich an der Hand einer von vielen Augenskulpturen. Sie fällt zu Boden und rettet sich Nackt in eine Muschel, welche daraufhin in Richtung Boden fällt. Allerdings steht Gegenüber des Turms eine weitere Skulptur und kurz bevor die Muschel in einen Sack voller Augen fällt, welcher von dieser Skulptur scheinbar gehalten wird, entschwindet die nackte Frau der Muschel und geht über von Krücken gestützten Telefonhörern davon.

Sie erwacht aus ihrem Tagtraum und als sie andächtig zu Boden blickt entdeckt sie den Schatten einer Glocke, welcher an eine Frau mit ausgebreiten Armen erinnert. Schließlich verschmilzt sie mit diesem Schatten und erhebt sich in einem langen glockenähnlichen Kleid vom Wüstenboden. All dies unter Chronos Blick, welcher nun, als sie sich tanzend entfernt, eine steinerne Träne weint.

Der Kopf der Frau wandelt sich in den einer Pusteblume, einige Samenkörner, welche wie Tänzerinen aussehen, lösen sich davon und als eines das Denkmal berührt, fällt das steinerne Abbild des Chronos ein Stück nach vorne während ein lebendiger Kolibri aus seiner Brust gleitet und ein Loch hinterlässt.

Schließlich fällt Chronos zu Boden, als er die Uhr loslässt schmilzt diese und versucht ihn im Denkmal zu halten. Er durchbricht seine steinerne Hülle und kniet am Wüstenboden, als der Kolibri zurückkommt und auf das Abbild einer zerfließenden Uhr auf Chronos Handgelenk tippt. Ein Zeiger beginnt sich nun zu bewegen.

Aus einem Riss in Chronos Handfläche treten Ameisen hervor, welche sich in Fahrradfahrer mit Baguettes am Kopf verwandeln. Erneut erspäht er ein Samenkorn das einer Tänzerin gleicht, in dieser unwirklichen Welt und nachdem es seine Handfläche berührt entschwebt es und verwandelt sich zurück in die Frau. Ihre Blicke treffen sich und als die Frau auf ihn zugehen möchte, verwandelt sich der trockene Wüstenboden unter ihren Füßen zum Sand der Zeit, welcher nun absinkt und Ruinen frei gibt, wodurch es den Beiden nicht möglich ist zueinander zu gelangen. Sie dreht sich und sendet ihm Schwalben zu, welchen Chronos Blick auf einen scheinbaren Durchgang lenken, in welchem sie erscheint.

Zusammen mit einer Schwalbe und anderen Dingen verwandelt sie sich in ein Gesicht, Chronos tritt durch dieses Portal und wird zu einem Baseballspieler, fixiert auf den Ball, welcher vorhin neben seinem Denkmal ruhte. Zwei seltsame Wesen erscheinen, verzerrte Köpfe auf Schildkrötenpanzern, zusammen mit dem Ball formen sie nun eine Ballerina.

Sie tanzt, löst dabei ihren Kopf und schießt ihm Chronos zu, dieser schmettert ihn ab, woraufhin er durch eine Art Gang fliegt, bestehend aus Telefonhörern, wobei die Seitenwände mit Krücken gestützt werden. Der Ball wird von einem Baseballhandschuh gefangen, welcher etwas zurückgeschmettert wird und sich in ein großes transparentes Herz wandelt.

Chronos ergreift es und drück es in seine Brust. Erneut erblicken wir nun das steinerne Denkmal, Chronos im Dreieck, links vom Denkmal der Ball, doch dort wo zuerst der Kolibri saß ist nun ein Loch durch welches man die Glocke erkennen kann, welche Samenkörner einer Tänzerin gleich aussendet …

Von Dali mag man halten was man möchte, persönlich fing er mich als ich ihm zarten Alter von elf Jahren förmlich in sein Gemälde Thunfischfang gezogen wurde, bis heute kann ich es stundenlang anstarren. Wenig später sollte mich sein Gemälde Das Schiff aufwühlen und als ich dann auf die Versuchung des heiligen Antonius stieß war es um mich geschehen.

Bekannt ist Dali, neben Surrealismus, auch für wiederkehrende Elemente wie Telefonhörer, Krücken und auch spinnenartige Beine.

Diese Elemente finden wir auch in Destino wieder. Stützende Krücken, eine Symbol für die Realität und für Schwäche, eine Unterstützung für die Bewältigung des Lebens. Telefone als Zeichen seines Unmutes gegenüber Technik und Politik. Schließlich die Ameisen von Dali als Symbole des Todes und der Begierde ausgelegt. Nicht zu vergessen die zähe Zeit, das wohl berühmteste Symbol Salvador Dali‘s

Der Kurzfilm sollte an den Erfolg von Fantasia von 1940 anknüpfen, allerdings bewegten finanzielle Schwierigkeiten Walt Disney dazu das Projekt komplett einzustellen. Es schien wir sollten dieses Werk niemals zu Gesicht bekommen.

Erst als sein Neffe Roy Disney an Fantasia 2000 arbeitete, stieß er auf das gescheiterte Projekt. Schließlich gab er den Auftrag das Projekt fertig zu stellen, da auch erst dann Dali’s Zeichnungen in den Besitz von Disney übergehen sollten.

Jedoch war die Fertigstellung mit dem Problem der korrekten Interpretation Dali’s Zeichnungen und Gemälde für diesen Film geprägt. Trotz Recherchen in seinen Tagebüchern konnten nicht alle Szenen des Storyboards entschlüsselt werden, darunter viele weitere Szenen des Baseballspielers.

Dali selbst soll allerdings seinerzeit zu Disney gesagt haben „Wenn du das verstehst, habe ich versagt.“

Mir gefällt Raum für Interpretation und während dem Betrachten verliebte ich mich in den Gedanken: Eine junge, verträumte, Frau noch unbewusst der Konsequenzen ihrer Handlungen, unbeschwert, auf der Suche nach Liebe, mit ersten Rückschlägen welche ihre Euphorie nur kurzzeitig bremsen … Ein Mann gebunden an seine Aufgabe, aus der er auszubrechen versucht, scheinbar unüberbrückbare Differenzen, zwischen verliebtem Traum und harter Realität, welche schlussendlich dennoch im Zusammensein enden …

Nun aber genug der Worte und Interpretation, es folgt das Werk in voller Länge, schöner hätte man Liebe und Schicksal – für mich – nicht darstellen können.

3 Kommentare

  1. Ich liebe diesen Kurzfilm! Da komme ich als Dalí- und Oldschool-Disney-Fan voll auf meine Kosten … so traurig, dass dieser Film es nie auf die große Leinwand in Spielfilmlänge geschafft hat. Hätte ein zweites Fantasia werden können. 🙂

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    • Da haben wir etwas gemeinsam 🙂
      Finde ich auch sehr Schade, dass es der Film nicht in den zweiten Fantasia Film oder eben Solo auf die Leinwand schaffte. Ich selbst bin nur durch absoluten Zufall drauf gestoßen. Sah vor kurzem erstmals Fantasia 2000 da wird ganz kurz auf Destino verwiesen.

      Gefällt 1 Person

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