Ehrenrunden, Eierschwammerlhunde und Käsepappeltee

In letzter Zeit bin ich etwas nostalgisch, liegt es an Veränderungen oder ist es eine Phase? Eigentlich egal, denn wer schwelgt nicht gerne in Erinnerungen, holt Vergangenes wieder zu Tage und schafft gleichzeitig neue Erinnerungen? Der Galan und ich hatten uns letzten Freitag einen Urlaubstag genommen um mit den Klogen nach Eierschwammerln (Pfifferlinge) zu suchen …

… etwas das ich in jungen Jahren oft mit Tati machte, ich liebte diese Stunden oder auch halben Tage im Wald, mit Korb bewaffnet, auf der Suche nach den kleinen goldigen Delikatessen.

Etwas früher als an einem Broterwerbstag läutete der Wecker und obwohl wir ausnahmsweise gar vor der Zeit aufbrachen, kamen wir zum vereinbarten Treffpunkt, eine Tankstelle bei Grimmenstein, im Wechselgebiet, genauer der buckligen Welt, ein paar Minuten zu spät.

Flipper befindet sich noch beim Arzt, also der Werkstatt, und da ich vergaß die Hundesachen, wie Decken und Rückhaltesystem rauszunehmen, deckten wir die Rücksitzbank von Stella, dem galanschen Fahrzeug, ab und sicherten die Hunde mittels Sicherheitsgeschirr und drei Punkt Gurt.

Shadow, welche in Flipper normalerweise ruhig liegt, hatte es bei Wiener Neustadt geschafft sich derart einzuwickeln, dass wir halten und sie befreien mussten. Ich schiebe es auf das doch eher unbekannte Fahrzeug und den Umstand, dass sie nicht wie in Flipper in einer Art Decken-Wanne lag und somit nach vorne aussehen konnte.

Bei der Tankstelle angekommen wartete die reifere Version von mir am Gehsteig, damit wir sie ja nicht übersahen. Nach einem kurzen Schwatz, hieß es Tati’s Fahrzeug zu folgen, was wiederrum bedeutete dreimal, mit einigem Gelächter, umzudrehen bis wir die richtige Bergstraße gefunden hatten. Endlich parkten wir unsere Fahrzeuge, nach diesen Ehrenrunden, in der buckligen Welt und das Abenteuer konnte beginnen.

Wir standen vor einem relativ unwegsamen Abhang und nachdem Tati einige Meter rechts und links geschaut hatte, beschlossen wir oder doch er, dass wir uns einen Weg da rauf bahnen würden. Kein leichtes Unterfangen mit zwei Hunden an Laufleinen und einigen Dornen am Weg nach oben, ich kam ganz schön ins Schwitzen die hündischen Damen des Hauses kurz zu halten und einen Weg zu suchen welcher den Pfoten besagter keinen Schaden zufügen würde … In Gedanken verdammte ich mich selbst, zu Hause hatte ich noch daran gedacht ihre hündischen Schuhe mitzunehmen, welche extra für solche Wege oder lange Laufstrecken auf Asphalt konzipiert wurden, hatte selbige aber liegen gelassen …

Der Abstand zur reiferen Version von mir und dem Galan hatte etwas zugenommen, also wartete ich an einer schönen Stelle, zumal die hündischen Damen des Hauses etwas unruhig wurden den Rest des Rudels nicht mehr zu sehen und beobachtete Tati, welcher mit seiner Körpergröße von 190 Zentimetern komplett in Frauenschuhbüschen verschwunden war. Seinen Standort konnte ich nur durch sagenhaftes Zittern besagter Büsche ausmachen.

Plötzlich vernahmen wir eine Stimme von oben, ein scheinbar unsichtbarer und leicht belustigter Wanderer wies uns an uns lieber einen Weg durch den dichten Fichtenwald, direkt neben den Frauenschuhbüschen zu bahnen, gesagt getan. Endlich kamen wir auf einem breiten Wanderweg an, die Suche konnte beginnen.

Während die männlichen Vertreter dieser Unternehmung querfeldein gingen, bewegten sich die reifere Version von mir und ich meist über einen Hohlweg, oder vertrockneten Bachlauf nach oben, wo wir auch einige Eierschwammerl fanden. Von nah und fern konnten wir die Hirsche in ihrer Brunft röhren hören, gegen unseren Grundsatz im Wald leise zu sein, wurden wir hier und da laut, wenn das Röhren zu Nahe war. Hirsche sehen in der Brunft alles als Rivalen, wären wir plötzlich auf einen gestoßen wäre es ziemlich unangenehm geworden, zumal sich die hündischen Damen des Hauses nicht auf Bäume retten können, wie ich es schon einmal tun musste … aber das ist eine andere Geschichte.

Etwas erstaunt war ich übrigens über selbige, also die hündischen Damen des Hauses, vermutlich, weil ich hier und da mit ihnen Fährten suche, um sie geistig auszulasten. Ziemlich bald hatten sie anscheinend begriffen was wir Zweibeiner da suchten und so fuhren sie mit ihren Schnauzen plötzlich öfter in den Waldboden und legten unter etwas Unterholz prächtige Eierschwammerl frei, oder zogen zu einer Stelle hin an der sich viele befanden.

„Keine Trüffel, sondern Eierschwammerlhunde“, stellte ich fest.

Der Zeitpunkt des Abstieges war nach guten drei Stunden gekommen, da ich um fünf Uhr am Nachmittag einen Termin wahrzunehmen hatte. Nun folgten wir direkt dem breiten Wanderweg, wobei uns die hündischen Damen des Hauses weiterhin schöne Eierschwammerl zeigten und sich an einer Waldquelle labten. Schließlich kamen wir bei einem Gasthof heraus.

Die reifere Version von mir und ich setzten uns zu Tisch während Tati und der Galan sich der Straße folgend auf den Weg machten um die Fahrzeuge zu holen … Kaum hatten wir unser Trinken erhalten parkten sie auch schon bei dem Lokal ein … Die reifere Version von mir und ich fühlten uns in unseren Irlandurlaub zurückversetzt, als wir, am Ring of Kerry, einen steilen Abhang hinunter zum Meer folgten, mit am Hintern landen und mir mit dem halben Körper in einem Loch verschwindend, um unten festzustellen das wenige Meter weiter gar eine asphaltierte Straße zum Meer geführt hätte ….

Tati überredete uns dem vermeintlichen Mariensee einen Besuch abzustatten, wobei wir dann in der Ortschaft Mariensee feststellen durften, dass es hier weit und breit gar keinen See gab, aber wenigstens hupten wir, wie es uns ein beschriftetes Leintuch nahelegte, zu Franz siebzigsten Geburtstag und das gleich zweimal kurz hintereinander.

Alles Gute zum Siebzigsten Franz!

Die Eierschwammerlhunde schliefen zu diesem Zeitpunkt bereits tief und sollten ihre Augen erst kurz vor zu Hause wieder öffnen. Kein Wunder waren sie doch körperlich und  auch geistig auf Hochtouren gelaufen.

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Am nächsten Tag sollten wir die Ausbeute gemeinsam, im Domizil der Klogen, verspeisen, es mundete besonders gut … Nur sollte sich noch am selben Abend mein Körper jeglicher aufgenommenen Speisen, relativ heftig, entledigen. Zwischen meinen Besuchen am Null-Null suchte mich kurz die Sorge heim ob da nicht ein falscher Pilz mit dabei gewesen sei, zumal das Szenario von einem heftigen Schweißausbruch und Schüttelfrost begleitet wurde.

Wie man sieht überlebte ich allerdings diese nicht enden wollende Nacht und der Galan zeigte keinerlei ähnlichen Symptome, rührend schlief er neben mir auf der Couch, ohne Platz oder Decke und bereitete mir auf mein Bitten den einzigen Tee, welchen ich für solche Fälle zu Hause habe …

… Käsepappeltee …

Damit fand die seltsame Woche wohl doch noch einen krönenden Abschluss, auf welchen ich gerne verzichten hätte können … Den Sonntag verschlief ich übrigens Großteils … Wahrlich Poesie des Alltags …

Apropos: Mehr Poesie des Alltags im Blog oder auf Facebook

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