Mein Nachbar vom Planeten Dings

In der letzten Woche bestand mein Universum aus der Couch, dem Null-Null, schlafen, gelegentlichen in die Tasten hauen und natürlich meinen Nachbarn …

War es der Gartenzwerg, welcher mich vor etwas über fünf Jahren veranlasste hier einzuziehen? Ich kann es nicht mehr genau sagen, allerdings erinnere ich mich etwas erheitert gewesen zu sein, als ich anno dazumal, dieses fleckchen Erde, welches ich heute mein zu Hause nenne betrat. Warum?

Nun ja, einerseits bin ich gelegentlich leicht zu erheitern, irgendetwas stimmt da mit meinem Humor nicht, über vieles was andere Lustig finden kann ich nicht lachen und lache dafür über einiges was Anderen gar nicht aufzufallen scheint … Verzettelt … Jedenfalls war ich über den Umstand erheitert von einem Dobermann aus Plastik an der Eingangstüre zu dem Gärtchen begrüßt zu werden und dann bei der weiteren Begehung einen Gartenzwerg mit heruntergelassener Hose und ausgestreckten Finger zu sehen.

Er heißt übrigens Jonas, weil er mich an den anamorphen Holzschnitt Was sichst du 1538 erinnert.

Der Start für mich und meinen Nachbarn von Planeten Dings sollte von jeher nicht gut ausfallen, es war beinahe Winter, als ich mich daranmachte, mit großen Heizplatten und Möbeln im Gepäck hier einzuziehen, doch plötzlich stand da ein Auto samt Anhänger derart unglücklich vor meiner Gartentüre, dass ein Betreten des Grundstückes ohne Klettereinlage nicht möglich war … Der Nachbar vom Planeten Dings befand sich satte drei Wochen im Urlaub und offenbar konnte niemand sein Auto da wegbewegen. Toll, vor allem wenn einem ein Auszugstermin aus einer Wohnung im Nacken hängt …

Aber zurück zu den Gartenzwergen, als verbohrter Mensch, wie ich manchmal sein kann, vor allem wenn die erste Begegnung eben nicht so gut läuft, konnte ich seinen Gartenzwergen welche sich scheinbar der dreisamen Liebe hingaben und dem Exhibitionisten-Zwerg etwas weiter dahinter nicht sonderlich viel abgewinnen, mittlerweile weiß ich Gartenzwerge sind hier wohl im allgemeinen etwas Pervers und mein Jonas, der mal wieder etwas Farbe brauchen könnte und an Kopfschmerzen leidet, ist wohl der harmloseste Vertreter seiner Gattung hier.

Dazu kam seine anfängliche Neugierde, welche nur sehr schwer abzustellen war, merkte er das Flipper und ich heimkehrten versuchte er mehrmals mich vor der Türe in ein Gespräch zu verwickeln, nachdem er mich in meinen Parkplatz eingewiesen hatte, wie konnte ich die Jahre und Tage vor und ohne ihn nur je Ein- und Ausparken, es bleibt ein Rästel, immer besonders daran interessiert warum ich denn mit einem Rucksack das Haus verließe oder was ich den eingekauft hätte … Dies können hier aber wirklich alle. Ladet man sein Auto aus, wissen alle Parzellen binnen 15 Minuten was du eingekauft hast, oder ob du ein neues Bewässerungssystem hast. Selbst wenn man es gar nicht wissen möchte.

Telefone, oder Diskretion, sind hier nämlich nicht en Vogue, ich weiß ganz genau wann Gerti Kopfweh im linken Knie hat, Karli zum Zahnarzt muss oder wie oft Herbert letzte Woche Schluckauf hatte ….

Übrigens, wenn man wissen möchte was sich im Nachbargarten hinter verschlossenen Türen abspielt ist das Baby-Phone von Hofer (Aldi) ein heißer Tipp, hier haben nämlich nicht nur alle die Hofer-Klingel, sondern auch das Hofer Baby-Phone, geht man mit dem „Empfangsgerät“ durch die Anlage hört man offenbar so manch interessantes, dies hat mir zumindest mein Nachbar vom Planeten Dings versichert, als er meinte ich bräuchte jetzt auch eine Klingel, damit man mich bei Feuer aus dem Haus klingeln könne.

Bis jetzt habe ich keine Klingel, ich setzte einfach voraus, dass wenn ich meine Nachbarn selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen relativ gut verstehen kann, wenn sie bei 40 Grad im Schatten querfeldein diskutieren ob denn nun endlich der Sommer kommen würde, dass ich es auch verstehen werde, wenn jemand Feuer schreit und sich Sirenen nähern.

Das mein Nachbar wohl tatsächlich vom Planeten Dings kommt, bewies er mir vor zwei Sommern relativ deutlich. Ich war mit Flipper, meinem Auto, unterwegs, ergo der Tatbestand der gänzlichen Abwesenheit von zu Hause sollte somit, laut nachbarschaftlicher Verordnung, vollumfänglich erfüllt sein. Als ich dann nichts ahnend nach Hause kam, fand ich plötzlich meinen Nachbarn vom Planeten Dings in meinem Garten, wie wild meine Marillen von meinem Baum pflückend. Die hündischen Damen des Hauses in selbigen hysterisch bellend.

„Was wird das?“

„Ich pflücke Marillen“, beinahe verständnislos sah mich mein Nachbar vom Planeten Dings an

„In meinem Garten?“

„Den Vorbesitzer hat das nie gestört.“

„Ich bin nicht der Vorbesitzer!“, ich kochte und versuchte meine Wut etwas runterzuschlucken „Außerdem wie kannst du überhaupt einfach in einen Garten gehen, wenn der Besitzer gerade nicht da ist“

„Na du hast ja keine Klingel …“, ein wirklich schlagendes Argument, welches in einer ziemlich langen Diskussion endete, warum mein Nachbar vom Planeten Dings nicht einfach ohne mein Wissen meinen Garten betreten könne …

Danach sollt er allerdings noch zweimal meinen Garten ohne mein Wissen betreten, zum Glück war ich beide Male zu Hause als er rüberkam und konnte ihn auf frischer Tat ertappen, einmal huschte er plötzlich am Küchenfenster vorbei und begab sich offenbar in meinen Werkzeugkeller, also jenen Zubau in welchen Werkzeug und Fahrräder aufbewahrt werden und ein weiteres Mal rissen mich die hündischen Damen des Hauses mit furchteinflößendem Knurren aus den Nachmittagsschlaf, während mein Nachbar vom Planeten Dings erneut, ohne mein Wissen, Früchte in meinem Garten erntete.

Eine bauliche Veränderung und das Androhen einer Anzeige wegen Besitzstörung, Einbruch und Diebstahl schafften hier endlich Abhilfe, nachdem zweimaliges Reden umsonst gewesen war.

Seitdem haben dieser Nachbar vom Planeten Dings und ich kaum noch etwas miteinander zu tun, wir grüßen uns und manchmal spricht er mit dem Galan, oder mir … Aber der Nachbar vom Planeten Dings und ich passen einfach nicht zueinander, bepinkel ich mich fast vor Freude das Natur, auch in Form eines Früchte stehlenden Eichhörnchens, eines lärmenden Maders, eines schmatzenden Igels, oder eines grabenden Maulwurfes in meinem Garten zu finden ist – letztens eine violette Holzbiene und damit Migrant –, erfreute mich mein Nachbar vom Planeten Dings vor kurzem mit einem Maulwurfschreck, der auch in der Nacht ein nerv tötendes Pfeif-Kreisch-Geräusch von sich gab …

violette-holzbiene
violette Holzbiene

 

Das ist das eigentlich Paradoxe an dieser Anlage, irgendwie wollen hier alle die Natur, aber nur nach bestimmten Regeln und wenn sich die Natur hier nicht fügt, dann wird sie gefügig gemacht … Aber da denk ich manchmal etwas verquer …

Abgesehen davon kann ich eine seiner Marotten partout nicht ausstehen, offenbar zieht er wahnsinnig gerne, früh am Morgen, vor meinem offenen Küchenfenster auf, holt es hoch und spuckt es dann aus … Weshalb ich mittlerweile manchmal auf der Couch frühstücke, gerade jetzt mit meinem Magen-Darm-Infekt, war diese grausige seltsame Marotte kaum zu ertragen während ich an meinem Zwieback nuckelte … Ich glaube ich könnte ein Buch über ihn schreiben …

Also kommen hier noch mehr Nachbarn vom Planeten Dings, davon haben wir hier reichlich und einige davon Überwachen alles ganz genau, anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, warum ich jedes Mal, wenn ich ein Leihauto habe, prompt einen Zettel hinter den Scheibenwischern eingeklemmt habe, welcher mir mitteilt das ich mich auf einem Privatparkplatz befinde und hier nur das Fahrzeug der Parzelle Pixie zu stehen hätte. Irgendwie süß …

Mittlerweile habe ich zu meinem Schild, welches meinen Parkplatz als Privatplatz ausweißt, einen Zettel hinzugehängt, welcher darüber informiert, dass Flipper hier und da in die Werkstatt muss und ich mir zu dieser Zeit, aber auch darüber hinaus, herausnehme selbst zu bestimmen welches Fahrzeug auf meinem Parkplatz wann und wie abgestellt wird und mich gegebenenfalls persönlich um Parksünder zu kümmern.

Ich vermute ja es war der andere angrenzende Nachbar, ebenfalls vom Planeten Dings, der mich bei unserem ersten Kontakt ziemlich anherrschte, warum ich seine Verbindung von meiner Satellitenanlage runtergenommen hatte … Nun ja, ich informiert ihn einerseits, mit einem Deut auf die Schüssel, welche von seinem Grund aus recht gut zu sehen ist, dass ich dies offensichtlich nicht getan hätte und das die Verbindung von den mittlerweile recht hohen Bäumen, außerhalb der Anlage gestört sei und ich ebenfalls den gesamten Sommer über keinen Empfang hätte … Seitdem grüßt er aber übrigens immer besonders freundlich …

Apropos Grüßen, tatsächlich haben wir hier sogar mindestens eine Nachbarin vom Planteten Dings, die konnte mich nämlich noch nie Grüßen, egal wie freundlich ich sie grüßte … Tatsächlich war sie mir schon seltsam vorgekommen, außer es ist normal im Hochsommer eine blattfreie Straße in Hotpants aus denen der halbe, oder doch der ganze Hintern hängt und einem bauchfreien, transparenten Top ohne was drunter, stundenlang, zu fegen …  In solchen Momenten wünschte ich übrigens, ich wäre ein sechzehnjähriger Jüngling, mitten in der Pubertät, dann käme mir der Gedanke über seltsames Fegeverhalten gar nicht in den Sinn

Irgendwann habe ich sie jedenfalls natürlich nicht mehr gegrüßt, vielleicht ist sie ja staubdumm äh taubstumm …

Dann zog der Galan hier ein und siehe da die Nachbarin vom Planeten Dings war gar nicht taubstumm, sondern wirklich staubdumm, ihm flötete sie, bis heute das Hallo entgegen … Ich gestehe manchmal kratze ich mit dem Mittelfinger auf der Stirn, wenn ich sie sehe, besonders dann, wenn ich sie quasi gerade gesehen habe, sie grüßte, die Nachbarin vom Planeten Dings mich keines Blickes würdigte und fünf Minuten später, wenn ich mit Galan unterwegs bin, ihm ein Hallo entgegenflötet … Ich glaube das hat sie aber noch nicht kapiert, wohl sowas wie ein Sickerwitz …

Ich vermute dies, gepaart mit ihrem Fegeverhalten und dem Verhalten wenn männliche Bauarbeiter auftauchen, ist mit ein Grund, warum sie und ihr Freund, oder Gatte, vom Planten Dings so oft, in der Regel mindestens zweimal pro Woche, lautstark streiten, obwohl eigentlich streitet nur sie lautstark, von ihm hört man nur ein Tschüss! und das starten des Autos … Sie schreit dann oft irgendwas dem Auto nach … Ich bin fies, ich finds witzig, meistens …

Besonders liebe ich diese Nachbarin vom Planeten Dings nämlich dann, wenn sie am Abend mit ihrem Freund, oder Gatten, vom Planeten Dings gestritten hat und dann auf Gassirunde mit ihren Hunden lautstark zu nachtschlafender Zeit hinter meinem Haus mit ihm via Telefon diskutiert (Sommer-Fenster offen)…. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe werde ich ihm wohl nahelegen einfach nicht abzuheben, wenn er gerade wutentbrannt weggefahren ist …

Fazit, ohne meine Nachbarn vom Planeten Dings wäre es manchmal echt fad hier und Satellit hin Satellit her besseres Müll-Realitäts-Fernsehen gibt es kaum, die Hälfte haben wir noch nichtmal gestreift … aber am Ende bin wohl doch nur ich diejenige vom Planten Dings, hinterm Mond gleich links …

14 Kommentare

    • Ja sowas ist mühsam, ich nehms ja meist mit Humor und beim dritten Mal hab ich dem Nachbarn vom Planeten Dings nur so „gedroht“ weil er mich zu Toder erschreckt hat – man stelle sich vor aus dem Tiefschlaf aufzuwachen und die zwei Hunde stehen mit aufestellten Haaren vor der Balkontüre, Knurren und wenn man dann raus linst wackeln die Büsche … Brrr …
      Uns Verpächter ist aber auch nicht ohne … ich glaub das wird eine andere Geschichte 🙂

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  1. Wie erreichen Dich Amazon, e-bay und der Pizzabote (Food Distribution Assistant), wenn Du keine Klingel hast? Oder hat Deine Haustüre schon eine diskrete Beule im unteren Bereich, wo die Kollegen im Falle des Falles kräftig dagegen treten? 🙂

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    • Der Pizzabote und Paketdienste müssen immer anrufen – weil sie so oder so durch das elektrische Einfahrtstor, bzw. daneben gelegene versperrte „Fußgägnertüre“ gar nicht reinkommen 🙂 deshalb haben wir draußen vor der (Kleingarten)Anlage auch eine „Sammelhütte“ mit allen Postkästen – ähnlich wie in einem Mehrfamilienhaus – Problem gelöst 🙂
      Die Bewohner der hinteren Parzellen müssen halt einen ganz schönen Fußmarsch auf sich nehmen wenn Besuch kommt – aber einige davon (den Besuchern) haben anscheinend eine Schlüssel oder Türöffner bekommen …

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  2. Oh Gott, ich kenne bislang nur gute Nachbarschaften.
    Mein Elternhaus umgibt quasi eine Vorzeigenachbarschaft. Da wird aufeinander geachtet, ggf auch auf Häuser aufgepasst, aber es gibt kein Stress.
    Meine zweite Nachbarschaft bekam ich selten zu Gesicht. Mehrfamilienhaus und alle arbeiteten, da war es recht ruhig.
    Und jetzt? Wohnen meine Vermieter unter mir. Sie sind nett, es gibt ab und an ein Pläuschchen, aber sie hocken nicht ständig vor der Tür. Der Nachbar gegenüber muss ein Sonderling sein. Vor ihnen wurde ich jüngst gewarnt (und dachte erst, ich hätte was ausgefressen), jemand hätte aus der Wohnung in meine geschaut, als ich die Bücher endlich wieder in die Regale ordnen konnte.
    Also ein neugieriges Bürschlein. Allerdings haben seine Frau und er mitbekommen, dass sie erwischt wurden, seitdem ist demonstrativ die Jalousie bei ihnen unten. 😀

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  3. Hallihallo,

    ich möchte festhalten, dass ich einen der schlimmsten Nachbarn habe, die man überhaupt nur haben kann. Er vereint in sich gleich mehrere charakteristische Eigenschaften eines A****loch-Nachbarn: Penetrante Neugier, krankhafter Ordnungswahn, schwere Auswüchse von Klagewut (auch und gerne nach dem Prinzip „Eltern haften für ihre Kinder“) pathologische Humorlosigkeit und eine Einstellung zu Menschen wie im tiefsten Mittelalter.

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