Wer hat Angst vor dem schlanken Mann

Ich habe mich in den Beziehungsgrausamkeiten bereits schuldig bekannt, dass der gestrige Gruselbeitrag ausfiel. Circa die Hälfte wäre getippt gewesen, aber eine abschließende Recherche und dem Tippen des restlichen Textes hätte meine Arbeit-Schlaf-hündische Damen des Hauses versorgen-Galan-Balance aus dem Gleichgewicht gebracht … Doch genug der Worte jetzt ist es wieder Zeit für fiktives Grauen, welchem tatsächliches Grauen folgt.

Im Sommer 2009 ruft die Internetplattform „Something Awful Internet Forum“ zu einem Photoshop-Wettbewerb auf. Die Teilnehmer sollen in alltägliche Fotografien etwas Paranormales einbauen. Ein Mittbewerber soll die Fotos mit dem „The-Ring ähnlichen Mädchen“ auf Pärchen Fotos erstellen.

Ein anderer Teilnehmer postet unter dem Synonym Victor Surge schwarz-weiß Fotografien von Kindern, in dessen Hintergrund ein schlanker, großer Mann im Anzug steht. Obwohl nur nach Fotografien gefragt wurde, schreibt Victor Surge einen Text dazu, welcher den Eindruck vermittelt von Augenzeugen der folgenden Entführung der Kinder zu stammen.

We didn’t want to go, we didn’t want to kill them, but its persistent silence and outstretched arms horrified and comforted us at the same time…

Darunter verzeichnet er: 1983, photographer unknown, presumed dead.

Unter einem weiteren, bearbeiteten, Foto schreibt er:

One of two recovered photographs from the Stirling City Library blaze. Notable for being taken the day which fourteen children vanished and for what is referred to as “The Slender Man”. Deformities cited as film defects by officials. Fire at library occurred one week later. Actual photograph confiscated as evidence.

Erneut verzeichnet er:  1986, photographer: Mary Thomas, missing since June 13th, 1986.

Unwissentlich hat Victor Surge, der in Wahrheit Eric Knudsen heißt, einen gefährlichen Hype über seinen fiktiven Charakter, welcher von Figuren aus Stephen King und H.P. Lovecraft Romanen, aber auch vom Mothman inspiriert ist, geschaffen.

Mehr und mehr Benutzer der Plattform kreieren ihre eigenen Slenderman, wie die Figur nun genannt wird, Bilder und erfinden, mitunter, verstörende Geschichten dazu.

2012 erhält der Slenderman eine Geschichte und ein eigenes Videospiel, allerdings scheiden sich schon bei der, vermeintlich, originalen Geschichte die Geister, einmal ist er ein verzweifelter Vater, dessen Tochter verschwand und einmal ist er eine Art dämonischer Seelensammler. Eines haben beide Versionen allerdings gleich, der Slenderman hält sich gerne im nebligen Wald auf.

2014 soll der Mythos und Hype um den Slenderman einen gefährlichen Einfluss auf Teenager nehmen.

Am 31 Mai 2014 stechen zwei 12-jährige Mädchen 19-mal auf eine Mittschülerin ein, in Wisconsin. Das Opfer überlebt die Tat und erreicht, kriechend, eine Straße wo ihr schließlich ein Radfahrer zu Hilfe kommt. Bei der ersten Vernehmung geben die beiden Täterinnen zu Protokoll das sie den Slenderman, mit ihrer Tat, herbeirufen wollten. Später meinen sie sicher gewesen zu sein, das Slenderman ihre Familien getötet hätte, hätten sie ihm kein Opfer dargebracht und das sie auch mit Lord Voldemort sprechen könnten. Obwohl sie offensichtlich an einer geistigen Krankheit leiden wurden sie nach erwachsenen Strafrecht zu 65 Jahren Haft verurteilt …

Am 4 September steckt eine 14-jährige ihr Elternhaus, in Florida, in welchem sich soeben ihre Mutter mit ihrem 9-jährigen Bruder befindet in Brand. Die Vernehmung wurde nicht veröffentlicht, die Polizei kommentierte lediglich das sich das Mädchen auf vielen Internetseiten mit Geschichten über den Slenderman herumgetrieben hatte und man mit Sicherheit sagen könne, die Tat sei davon motiviert gewesen.

Weniger sicher sind zwei andere Berichte, so soll sich kurz nach der Tat im Mai 2014 eine Mutter aus Cincinnati bei Reportern gemeldet haben und behauptete ihre 13-jährige Tochter hätte sie mit einem Messer angegriffen. Auch ihre Tochter soll, laut ihrer Aussage, besessen von Geschichten über den Slenderman gewesen sein.

Eine „Selbstmord-Epidemie“ in einem Indianerreservat, wobei mehrere 12 bis 24-jährige den Freitod wählten, wird ebenfalls dem Slenderman zugeschrieben, ein Statement hierzu besagt das die Ureinwohne an „Selbstmord-Geister“, ähnlich dem Slenderman, glauben sollen.

So unwahrscheinlich es nun scheint, aber überraschend ist es wohl kaum noch, kommt der Slenderman auch in der Musikwelt vor, die Horror-Punk Band Haunted Garge, wobei ich den Namen der Band durchaus amüsant finde, hat ein Album mit dem Titel Slenderman and other strange Tales herausgebracht, darunter widmen sie, auch keine Überraschung,  dem Selnderman ein Lied, wobei das Musikvideo von dem Charakter und der Tat vom Mai 2014 „inspiriert“ wurde.

Aber auch außerhalb der Spielewelt ist Slenderman nicht unbeliebt. In einer Folge der TV-Serie Supernatural, Thinman, wird ein Serienmörder, welcher Ähnlichkeit zum Slenderman aufweist gejagt. Selbst im Walt Disney Film Frozen wollen die Leute ihn zweimal erkannt haben, aber da geht wohl etwas die Fantasie mit manchen durch …

… Oder?

 

7 Kommentare

    • Bei Slenderman geht es vornehmmilch über das Verselbstständigen eines fiktiven Charakters, da „Anhänger“ seine Existenz oder in diesem Fall „gefälschte Beweise“ als Tatsache hinnehmen … Abgesehen davon geht es in der Gruselserie vor Halloween einfach darum vermeintlich wahren Begebenheiten ihren Schrecken zu nehmen um zu informieren und vielleicht auch zu präventieren … und wenn es nur präventiert das ein paar Spuktouristen weniger eine Ortschaft oder ein Gebäude belagern … Manche von ihnen (den Touristen) riskieren ja gar ihr Leben um an verlassenen Orten, welche in einem Horrorfilm auf „wahrer Begebenheit“ beruhen, eigene „Forschungen“ anzustellen

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  1. Uah… dazu fallen mir spontan zwei Geschichten ein, die hier lange kursierten.
    Eine handelt von einer Babysitterin, die auf ein Kind aufpasst, dass die ganze Zeit schreit und Angst vor dem vermeintlich neuen, lebensgroßen Clown hat, der im Schlafzimmer des Kindes sitzt. Als die Babysitterin bei den Eltern nachfragt, sagen diese nicht von einem neuen Clown zu wissen. Zurück im Kinderzimmer ist der Clown verschwunden. Später wird er festgenommen und es stellt sich heraus, dass er aus einer Irrenanstalt geflohen ist…
    Die Geschichte hielt sich hartnäckig, ist aber auch wohl nur ein Internetphänomen.

    Eine zweite, nicht gruselig aber tragrisch, handelte von einem Junggesellenabschied, bei dem der Junggeselle Bauschaum in Gummistiefel gesprüht bekommen haben soll, der sich im Laufe des Abends aushärtete und ihm dann über Nacht im Schlaf die Waden so abgedrückt haben soll, dass sie abgestorben sind. Im Krankenhaus verstarb der Bräutigam dann kurz vor der Hochzeit.
    Die Geschichte hielt sich noch hartnäckiger, sodass die Polizeit schließlich ein Statement raus brachte, um zu betonen, dass ihnen ein Solcher Fall nicht vorlag, in dem Fall hätte ansonsten ermittelt werden müssen.
    Erste Zweifel kamen erst auf, als der Ort der Geschichte von Tag zu Tag variierte.

    Hörensagen ist immer gefährlich… erst Recht bei so Gruselgeschichten. Bah ^^.

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