Rubinhochzeit mit Männergrippe

Was sich am Donnerstag lediglich mit einem trockenen Hals äußerte, sollte gestern zu einer ausgewachsenen Männergrippe mutieren. Doch trotz sehr nervigen Husten, einer etwas raueren Stimme als gewöhnlich und ziemlich heftigen Niesanfällen, opferte sich der Galan um mit mir einzukaufen, was wir Beide nicht so prickelnd finden und den Klogen, wie ich meine Eltern nenne, zu ihrem vierzigsten Hochzeitstag zu gratulieren.

Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, als wir die Silberhochzeit der Klogen feierten sollte noch einiges Wasser die Donau hinunterfließen bis ich meinen Führerschein machen würde. Soeben frage ich mich was ich ihnen da geschenkt habe, ich meine mich zu erinnern gekocht zu haben, ich denke da muss ich bei der reiferen Version von mir nachfragen.

Was ich ihnen zur Rubinhochzeit, also gestern schenkte, weiß ich noch, wäre ja auch Traurig wenn nicht, zumindest bedenklich und wie üblich hielt ich mich nicht an Regeln, welche das Internet in seiner Ideenvielfalt bietet. So solle man zur Rubinhochzeit von praktischen Dingen absehen und eher romantische Präsente darbringen. Was es war folgt gleich.

Die andere Version von mir, womit nun klar ist das es zwei Versionen der reiferen Version von mir gibt, hatte ein Familienfest in jenem Gasthof geplant, in welchem sich die Klogen anno dazumal, vor vierzig Jahren, das Jawort gaben. Meine liebste Geschichte über jenen Tag?

Braut braucht etwas altes, neues, geliehenes, irgendwas und etwas Blaues … Was das blaue war? Tati, wie ich meinen Vater nenne.

Jedenfalls gehörte noch einige Kleinigkeiten, neben unseren Präsenten, für jenen Tag besorgt und so opferte sich der Galan am Freitag nach seinem Broterwerb, der am Freitag meist mehr Zeit in Anspruch nimmt als mein Broterwerb, todkrank um mit mir Besorgungen zu erledigen. Später an diesem Abend sollte ich ihn dafür mit Neo-Citran entschädigen.

Samstagmorgen, der große Tag war gekommen, ich ließ den Galan lieber ausschlafen und stahl mich leise aus unserem Domizil um mit den hündischen Damen des Hauses einen Lauf zu belaufen. Eine glorreiche Idee meinerseits, unsere Laufstrecke, welche in großen Teilen über Feldwege führt, war matschig und somit rutschig. Weshalb ich neben immer schwerer werdenden Matschabsätzen auch gegen das Abrutschen meiner Füße kämpfte, zehn Kilometer fühlten sich nach dem heimkommen wie zwanzig an.

Der Galan war mittlerweile aufgestanden und sah aus wie der lebende Tod, wobei ihn dieser Vergleich dennoch schmunzeln ließ. In jedem Fall war er nicht davon abzuhalten mitzukommen, wogegen ich natürlich auch nicht viel einzuwenden hatte.

Zwar waren wir, ausnahmsweise, nicht zu spät aber dennoch waren alle schon da. Ich bin ein wahnsinnig großer Fan davon als letzter in einen vollen Saal zu kommen und da ich mich dann meist ganz schnell auf meine vier Buchstaben setzten möchte um etwas zu „verschwinden“ hastete ich an das eine Ende vom Saal um meine Eltern, die Klogen zu begrüßen, um dann ein volles U zu laufen um an meinen Platz neben der reiferen Version von mir Platz zu nehmen.

Ich zog einen kleinen schwarzen Einkaufstrolli hinter mir her, in welchem sich unsere Präsente befanden und welcher selbst natürlich auch ein Präsent war. Klarerweise blieb ich mit diesem, beim Schneiden einer Kurve, an einem Tischbein hängen.

Dies erinnerte mich an eine Präsentation, welche ich einst vor Vorstandsmitgliedern, Abteilungs- und Teamleitern hielt, als mich jemand mit einer Frage aus dem Konzept brachte hielt ich es in jenem Moment, da vorne stehend, für wahnsinnig Intelligent mich denkend an die Fensterfront zu stellen und so etwas Zeit zu schinden … Allerdings lag das Kabel des Beamer zwischen mir und der Fensterfront … Ja ich stolperte, ja ich legte vor versammelter Mannschaft einen Bauchfleck hin … ABER, ja da ist es wieder das ABER, ich musste die Frage nicht mehr beantworten … Ha!

Für unsere Familie ungewöhnlich verlief der Nachmittag zwar Lustig, aber relativ unspektakulär, sieht man von ein paar geplatzten Luftballons und einem umgestoßenen Kaffee, welcher allerdings lediglich die Tischdecke und nicht das Outfit von irgendjemand besudelte, ab.

Schließlich war die Zeit der Geschenke gekommen und wie angemerkt hielten der Galan und ich uns nicht an die vom Internet verordnete Romantik, sondern an praktische Geschenke. Dem rollenden Einkaufskorb war ein vier Liter Einmachglas beigefügt worden, da Tati mit Vorliebe die Kirschen, gepflückt von den Bäumen in seinem Garten zu Marmelade, Kompott und neuestem Wein verarbeitet.

Etwas Romantik fügten schlich sich dennoch ein, indem wir dieses Einmachglas mit kleinen Glitzerherzchen, Herzluftballons, wobei mir einer beim Aufblasen direkt im Gesicht geplatzt war und zwei kleinen Einmachgläsern gefüllt war. In den kleinen Einmachgläsern befanden sich einmal Mon Cherrie, für Tati und einmal Studentenfutter, für die reifere Version von mir … Der Hintergedanke, des Galans, zwei Gefäße füllen ein großes Ganzes.

Die reifere Version von mir hatte sich erst kürzlich dezent an ihrem Ofen verbrannt, aus welchem sie ohne Topflappen, da ihre Ehemaligen das Zeitliche gesegnet hatte, ein Blech mit Teig für eine Biskuitroulade zog, also fanden sich in dem Trolli noch zwei Topflappen und Ofenhandschuhe.

Bald danach sollten wir den Heimweg antreten, wobei der Galan ziemlich bald nach Betreten unseres Domiziles dem Schlaf verfiel. Ich für meinen Teil saß einige Zeit in der Küche und sinnierte. Die Klogen sind eins der wenigen Pärchen, in ihrem Alter oder jünger, die ich kenne, welche von einer Trennung absahen und sich seit vierzig Jahren durch Dick und Dünn die Treue halten.

Es gibt keinen Ziegelstein an der Außenmauer, keine Fließe im Inneren und kein Staubkorn im Haus meiner Eltern, welches nicht durch ihre beiden Hände ging.  Für unsere Zukunft und den Aufbau ihrer eigenen Firma, opferten meine Eltern viel Zeit und für mich war es gestern besonders schön zu sehen, dass es nach wie vor Knutschfotos der Klogen gibt.

Heute Morgen, nach dem Aufwachen sollte die Welt für mich etwas anders aussehen, da ich nun feststellen darf ebenfalls der Männergrippe erlegen zu sein … So oder so freue ich mich auf die nächsten vierzig Jahre mit den Klogen und dem Galan …

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