Sie läuft wieder oder: von Schlammbädern und Eddie Vedder

Nun muss ich es nochmals erwähnen, ich leide oder erfreue mich an dem nahenden Ende der Männergrippe, welche der Galan vor gut zwei Wochen angeschleppt hatte. Fieber, Kopfschmerz und Müdigkeit haben mich bereits verlassen. Husten und laufende Nase sind hartnäckig, dennoch reichte es heute. Frohen Mutes und mit einigen Bedenken, inwieweit mir mein Körper, oder Herz, es in einigen Jahren übel nehmen könnte wenn ich heute laufen ginge, zog ich mir meine Laufklamotten und die Laufschuhe an.

Leinte die hündischen Damen des Hauses an, welche wenige Minuten davor überhaupt nicht nervig waren, da sie die heimische Prozedur, welche unsere Läufe begleitet, seit zwei Wochen nicht mehr sahen, steckte mein Mobiltelefon in die dafür vorgesehen Armschlaufen-Hülle oder wie das heißt.

Öffnete die Türe und sah, dass es geschneit hatte. Zumindest war irgendetwas Weißes in der Nacht wohl dezent vom Himmel gefallen, frech spitzte das grüne Gras unter diesem patzigen, weißen, Irgendwas hervor. Auch die hündischen Damen des Hauses schienen irritiert und unsicher ob es sich nun um Schnee handelte oder nicht, sicherheitshalber haben sie mal ihre Nasen reingesteckt, ihrer Reaktion nach zu urteilen, handelte es sich um irgendetwas das einen Niesreiz auslöst und von der warmen Nase tropft.

Ein kleiner Husten beutelte und ärgerte mich noch schnell, dann traten wir durch das Portal im Garten in die Außenwelt ein. Warum ich das so beknackt schreibe? Ich bin davon überzeugt das mich die hündischen Damen des Hauses für sowas wie einen Zauberer halten, sie gehören nämlich nicht zu der Sorte welche sich selbst Türen öffnen kann … Möglicherwiese sind sie aber auch nur bequem und denken sich warum sollten wir das machen, wenn das eh die Zweibeinige macht … Hm …

Wie auch immer, jedenfalls öffne ich die Gartentüre, eine freudige Erregung strömte durch meinen Körper, sperrte die Türe zu und wurde gewahr das die Laufleinen bereits ihre acht Meter weit ausgezogen waren und die hündischen Damen kurz vor der Straße standen und mich, vermeintlich, ungeduldig ansahen.

Die freudige Erregung von soeben sollte nach den ersten Minuten, welche ich auf Asphalt und die hündischen Damen bereits in der Wiese am Straßenrand laufen, schwinden, ich musste Niesen und Husten, meine Atemwege erfreuten sich wohl nicht an der angenehm frischen Luft bei zwei Grad.

Just als sich der Husten beruhigt hatte, bogen wir in „unseren“ Feldweg ein, kurz nachdem uns der Bauer passiert hatte, welcher uns offenbar auch grüßt wenn er nicht auf, oder doch in, seinem Traktor sitzt, weshalb ich ihn aber nicht gleich erkannte und nur pro forma grüßte.

Der Feldweg wird meist zu einer Herausforderung, manchmal auch zu einer doppelten, wie heute, dieser patzige Schnee, patzig weil soeben schmelzend, befand sich auch auf dem Feldweg, welcher sich ob der plusgrade und der Feuchtigkeit erneut in einen Matschpfad verwandelt hatte. Ich musste schmunzeln bei meinen letzten Lauf, vor der Feierlichkeiten anlässlich der Rubinhochzeit der Klogen, wie ich meine Eltern nenne, befand sich das Feld in ähnlichem Zustand, da hatte allerdings nächtlicher Regen für Matsch gesorgt.

Wie so oft kam mir nun das Nova Rock 2009 in den Sinn, rechtzeitig zum letzten Auftritt des Abends, Metallica, ergoss sich ein Regenguss über das Areal in Nickelsdorf, was der Feierlaune natürlich keinen Abbruch tat. Ziemlich bald wunderte ich mich, da mich einige männliche Besucher anzustarren schienen und mir Getränke ausgeben wollten … Erst später im Auto als ich mein nasses weißes Tanktop auszog, kam ich drauf das mein Top weiß war und weiß bei Feuchtigkeit zu Transparenz neigt … Entwarnung, ich trug ein Bikini-Oberteil darunter.

Viel wesentlicher jedoch, am Morgen danach zeigte sich das der Regen über Nacht nicht aufgehört hatte und sich das Festivalgelände nun in ein riesiges Schlammcatch-Areal verwandelt hatte. So landete ich bei meinem Weg zu den Toiletten das erste Mal im Matsch, mein Schuh, gänzlich ungeeignet für dieses Wetter, war irgendwo im braunen Morast von meinem Fuß geglitten. Tatsächlich fand sich jedoch jemand ritterlicher der Pixie in ihren Schuh zurück half, dennoch landete mein Gesäß dabei im Matsch, super so ein brauner Fleck auf der Hose wenn man auf die Toilette wartet …

Einige Stunden später, während ich auf dem Weg zu den Bühnen war, wo ein Bekannter auf mich wartete, verpasste ich mir eine Heilschlammkur, über irgendetwas war ich gestolpert und Gesicht voran mit seitlich ausgestreckten Armen, welche elegant aber dennoch verzweifelt herumruderten, im Matsch gelandet.

Noch bevor der Abend hereingebrochen war sollte ich aufgeben und Hugo, mein damaliges Fahrzeug, von einem netten ÖAMTC Mitarbeiter aus dem Matsch gezogen werden, ich musste aufgeben, ich hatte keine trockenen oder gar sauberen Klamotten mehr, geschweigen denn passende Schuhe.

Lange Rede kurzer Sinn; erneut schmunzelte ich nun während meinen Lauf, einerseits weil mir diese Geschichte jedes Mal einfällt, wenn ich auf Matsch laufe und andererseits weil ich darüber staune wie ich allein, also ohne hündischen Damen des Hauses und somit Leinen in den Händen, auf ähnlichen Terrain so oft hinfallen konnte und über das Matschfeld relativ problemlos laufen kann, trotz Hunden, Leinen, Wildtieren und manchmal tiefer Traktorfurchen.

Ich hustete erneut, was mich etwas aus dem Gleichgewicht brachte, aber ich fiel nicht, erstaunlich, wirklich erstaunlich. Zuhause sollte ich feststellen das die ganze Unternehmung nicht reiflich genug überlegt war, nicht nur das meine Atemwege noch nicht ganz frei von … diversen krankheitsbedingten Ablagerungen … waren, war die Strecke aufgrund des Matsches und der Länge nach zwei Wochen dann doch etwas zu anspruchsvoll gewesen … Ich könnte schwören das ich auf dem verhassten Hügel zweimal wieder ein Stück zurückgerutscht bin.

Müde lies ich mich auf meinen Stuhl, Peewe – welcher eigentlich ein Barhocker ist und aus Schweden kommt, plumpsen und nahm den hündischen Damen des Hauses ihre Halsbänder ab. Selbige stürzten zu ihrem Wassernapf, was mich ins grübeln brachte ob ich ihnen diesen schon nachgefühlt hatte, dies brachte mich dazu mich umzudrehen, was ich etwas unglücklich tat und somit von Peewe, überaus anmutig, herunterfiel. Eigentlich war ich nur abgerutscht, hätte ich mein Bein benützt um mich abzustützen wäre ich gar nicht gefallen, aber mein Bein versagte offenbar den Dienst.

„Eddie!“ rief ich aus als ich rücklings am Boden lag. Warum? Eddie Vedder, Sänger von Pearl Jam scheint mir manchmal mein Bruder im Geiste, sagenhaft welche waghalsigen Stunts er schadlos auf der Bühne vollführt nur um später über ein Kabel oder eine Box zu stolpern um hinzufallen. Auch ein drehendes Licht wurde ihm schon zum Verhängnis. Wirklich legendär jedoch als er während einem Unplugged Konzert samt Barhocker plötzlich umfiel und am Boden im liegen weitersang … ich hustete.

Da lag ich also am Boden … Ich dachte, ich lachte und ich hustete …
Risit, cogitatio, extussirteur ..
Immer Veni,vidi,vici ist ja langweilig …

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