Krämpfe, Kämpfe und stoische Hundeblicke

Die Überschrift wechselt in meinen Gedanken stetig, so spreche ich nun von Krämpfen und Kämpfen anstatt von jedem Tierchen sein Pläsierchen und jedem Fingerchen sein Pflästerchen, wobei letztere wohl die längere Überschrift gewesen wäre, mitunter jedoch deutlicher gezeigt hätte worum es nun geht. Ebenfalls im Rennen befand sich vier Tage ohne Internet, aber diese wäre dann doch zu irreführend gewesen … oder …

Vor vier Tagen sagten der Galan, die hündischen Damen des Hauses und ich unserem ehemaligen Domizil nahe Stockerau Lebewohl … Nun ja, endgültig Lebewohl haben wir noch nicht gesagt, allerdings begannen wir damit unsere Habe in unser neues Domizil zu verfrachten.

Deshalb muss an dieser Stelle drei Personen gedankt werden, bevor wir uns den, eventuell erheiternden Episoden widmen, an erster Stelle unserem Superman-Freund Max, welcher nun doch den Großteil seines Weihnachtsurlaubes damit verbringt uns zusammen mit White Beast, seinem VW T5 Bus, zu helfen.

Der Galan bekam nämlich zwischen Weihnacht und Neujahr, trotz Umzug, nicht frei, was bedeutet ohne Max wäre ich allein mit den hündischen Damen des Hauses, welche man in all der Hektik nicht unbedingt alleine lassen sollte, am Vormittag etwas aufgeschmissen.

Danke Max!

Natürlich aber auch den Klogen, wie ich meine Eltern nenne, Tati erwartet mich und Max am Ort des neuen Domiziles und hilft uns beim Ausladen von White Beast und während unserer Abwesenheit vollbringt er letzte Arbeiten im Garten oder den Installationen im neuen Domizil.

Danke Tati!

Die reifere Version von mir versorgt uns vier, gegen die Mittagszeit stößt der Galan nämlich zu uns, mit Hausmännischer oder doch fraulicher Kost und dies mit einer schmerzenden Hüfte, weil ein Muskel nicht so will wie sie es gerne hätte.

Danke reifere Version von mir!

Leben ist was passiert während man andere Pläne dafür macht und Karma ist eine B*tch, der Umzug beweist uns dies ein wenig. Max und ich schleppen gerade die Möbel des Esszimmers und die Garderobe, neben einigen Kisten, hinaus aus dem Kleingartenhaus in seinen Bus, da spricht uns ein Nachbar an, ob wir auch einen Brief von unserem Verpächter bekommen hätten. Tatsächlich haben wir, obwohl er vor einigen Jahren als ich mein Domizil bezog meinte es sei kein Problem im Kleingarten seinen Hauptwohnsitz anzumelden, möchte er nun direkt nach dem Jahreswechsel das doppelte an Pacht einheben, womit man monatlich nun mehr für sein Kleingartenhäuschen bezahlt als für eine Mietwohnung in unserer wunderschönen Hauptstadt Wien. Kurzum für die Lage schon ein wenig Wucher.

Außerdem möchte der Verpächter, auch von mir, ebenfalls mehr Pacht pro mehr verbauten Quadratmetern … Grundsätzlich ok … ABER … ja da ist es wieder das aber … die vier Quadratmeter, welcher er mir mehr verrechnen möchte hatte bereits der Vorbesitzer 1996 mit dem Segen desselben Verpächters „angebaut“, Pläne und Unterschriften liegen vor. Meiner Meinung nach geht mich das dann nichts an, was er vor zehn Jahren einem anderen Besitzer erlaubt hat, ohne Aufpreis und mit Unterschriften auf Bauplänen dafür, sollte er mir nun nicht verrechnen, zudem er auch noch einen Preis pro Quadratmeter verlangt wie man ihn ebenfalls in unserer schönen Hauptstadt Wien zahlt …

Geld stinkt nicht? Irgendwie schon finde ich gerade … Ich denke dem Verpächter ist es kein Geheimnis das in seinem Kleingarten viele Menschen wohnen, welchen nach einer Scheidung oder dem Ableben des Partners nichts Anderes übrigblieb als die, damals zugegeben sehr billige, Variante Kleingarten. Mit der doppelten Pacht nimmt er einigen nun doch die Lebensgrundlage … Traurig.

Wie dem auch sei, der Nachbar möchte mich gleich für eine Sammelklage haben, ich entrüste ihn, indem ich das offensichtliche ausspreche.

„Ich ziehe um, die Ummeldung des Hauptwohnsitzes erfolgt noch vor dem ersten Ersten. Somit ist die doppelte Pacht für mich ohnehin hinfällig …“

Nun ist der Nachbar, mit welchem ich mich sogar gut verstand, etwas entrüstet und versteht nicht wie man dieses tolle Domizil nur verlassen könne, ich verweise auf die restliche Nachbarschaft vom Planeten Dings und nütze meine Gelegenheit auch über den Katzenkrimi ausführlich zu erzählen, was hier in einigen Tagen wohl auch der Fall sein wird, soviel sei verraten, dann wird es nichts zu lachen geben.

Apropos Lachen, nach Danksagung und einer Flut von Informationen wird es wohl Zeit zu dem lustigeren Teil des Umzugs zu kommen. Am ersten Tag verläuft der Umzug bis Mittag gut, abgesehen natürlich von der Nachricht des Verpächters. Als wir am Nachmittag ein letztes Mal mit drei Fahrzeugen im Konvoi aufbrechen um den unteren Stock unseres ehemaligen Domiziles auszuräumen, reiße ich mir vorerst den Knöchel des rechten Zeigefingers auf, schneide mir tief in den linken Mittelfinger, sodass erst nach dreimaligen Pflasterwechsel nichts mehr von Blut durchtränkt wird und versuche mir schließlich noch die Fingerkuppe des bereits lädierten rechten Zeigefingers weg zu reißen, auch hier sind einige Küchenrollenblätter und Pflaster nötig, bis die Wunde sich beruhigt.

„Jedem Tierchen sein Pläsierchen und jedem Fingerchen sein Pflästerchen“, meine ich am Abend, unserem ersten Abend auf der alten Couch im neuen Domizil. Der Galan ist zu diesem Zeitpunkt noch immer der Meinung meine Finger gehören Fachmännisch versorgt. Ich erinnere ihn daran, dass er sich vor einigen Wochen, mit seinem lädierten und dicken Finger, ebenfalls, vor einem Arztbesuch gedrückt hatte.

Da unser Bett noch im alten Domizil, nahe Stockerau, weilt, verbringen wir die erste Nacht nun auch auf der Couch, teilweise zu viert, die hündischen Damen des Hauses reagieren doch etwas sensibel auf den Umzug und suchen Nähe oder Schutz, also erlauben wir ihnen auf die Couch zu kommen, als ich mich umdrehen möchte und es nicht kann, müssen sie wieder hinunter.

Am nächsten Tag demontieren unser Superman-Freund Max und ich den Kasten im oberen Stock, während Max die schweren Teile alleine runter und in seinen Bus verfrachtet, widme ich mich dem zerlegen des Bettes.

„AAAAAAAAAHHHHHHH! OH GOTT!“, brülle ich

„WAS DENN!“, Max eilt die Stufen nach oben, sein sorgenvoller Blick lässt mich vermuten das er dachte ich hätte mir nun erfolgreich ganze Hautfetzen abgerissen.

Ich halte meine Hände nach oben, die Daumen stehen in einer durchaus fragwürdigen Position ab.

„Hast du dir die jetzt ausgerenkt?“, fragt er sorgenvoll

„Nein … ich glaub ich hab in beiden einen Krampf.“

Die Miene von Max ändert sich schlagartig und tatsächlich beginnt er nun zu Lachen.

„Lach nicht! Das tut weh!“, rufe ich wie ein trotziges Kind aus. „Jetzt weißt du warum ich immer mit Bohrmaschinen schrauben will, meine Bürohände sind für solche Arbeiten nicht gemacht … Völlig degeneriert.“

Nachdem ich fünf Minuten auf meine schmerzenden Daumen schaute und mir wünschte sie würden wieder in ihre ursprüngliche Position zurückwandern, erhören sie mich endlich, dass Arbeiten kann weitergehen, aus Trotz hatte ich Max untersagt das Bett weiter auseinander zu nehmen.

Schließlich wieder alles in Wien ausgeladen, machen sich der Galan und Max, nachdem wir uns bei der reiferen Version von mir kulinarisch gestärkt hatten, daran alles wieder zusammenzuschrauben. Ich beschließe die Beiden zu motivieren.

„Irgendwie ist das völlig demotivierend, man kauft etwas, schleppt sich daheim zum Affen, vor allem die Stufen hoch, bastelt es zusammen … Dann demontiert man es wieder, schleift sich erneut zum Affen und muss alles wieder zusammenbauen und zu neunzig Prozent hat man auch noch ein Cut in seinen Möbeln … Demotivierend“

Nach einem gewissen, schweißgebadeten, Blick, beschließe ich die hündischen Damen des Hauses im Garten zu bespaßen und davor noch die Waschmaschine zu beladen und einzuschalten. Dreckig, Sauber mir egal, nach einem Umzug muss alles was in die Waschmaschine geht auch gewaschen werden. So wie alle Möbel nach dem auseinandernehmen und dem erneuten Aufbau gewischt werden und der Boden täglich an die hundert Mal gewischt wird …

Ich wage es nicht alle dazu zu verdonnern die Schuhe auszuziehen bevor sie durch das Domizil latschen … Die Gartentür bietet nämlich massig Platz um die Möbel dadurch herein zu bringen.

Gestern sprach ich mich dagegen aus unser altes Domizil erneut aufzusuchen, es waren nur noch einige Regale, ein kleiner Kasten und mein Laufband zu holen, ich wollte nur noch ins frisch aufgestellte Bett mit den frisch gewaschenen Bezügen.

Die restlichen Sachen würden wir also morgen oder eben heute holen, nachdem Max und ich festgestellt hatten, dass die von ihm für uns besorgten Rollos, da wir eben die hündischen Damen des Hauses noch nicht alleine lassen wollen, nicht zur Gartentüre passen.

Merkzettel an mich, nicht nur die Breite, sondern auch die Länge abmessen. Garten oder eben Terassentüren haben andere Masse als Eingangstüren …

Heute trafen wir uns direkt im alten Domizil, nachdem der Galan seinen Broterwerb beendet hatte, das Laufband über die steile Leiterstiege gemeinsam mit Max runterzutragen wagte ich nicht … Meinen Vorschlag es so nach unten zu befördern wie es nach oben gekommen war, über den Balkon, scheiterte am nicht vorhandenen Seilzug gleichfalls wie an dem fehlenden Verpackungsmaterial.

Generell heute nicht sehr gut gelaunt, was dem Katzenkrimi, dem Rumschlagen mit dem Verpächter und natürlich dem ewigen hin und her mit zwei Hunden geschuldet ist, muss ich mir sehr auf die Zunge beißen, als der Galan einen Ratschlag oder Hinweis von mir missachtet und das empfindliche Display des Laufbandes dadurch einen großen Cut erhält … Kaum im neuen Domizil aufgestellt überprüfte ich es auf Funktion, das Display und das Laufband. Soweit so gut, das wichtigste da und funktionsfähig.

Die hündischen Damen des Hauses scheinen mittlerweile so weit, dass man erste Alleinsein-Versuche starten kann … Angel schläft immer und überall und Shadow schaut nur noch stoisch aus dem, nicht geöffnetem, Autofenster … Bei den Klogen haben sie übrigens einen Raum für sich im Keller, das Haus gehört der kätzischen Dame des Hauses. Als sie selbige kurz durch die offene Haustür erblicken scheint ihre Energie heute erstmals zurückzukommen.

Keine Sorge, außer einer kurzen Sprinteinheit, als die hündischen Damen des Hauses etwas ungestüm das Haus betraten, ist der Katze nichts passiert. Brav ließen sie sich abrufen und verließen das Haus deutlich schneller als sie reingekommen waren … Hätte ich besser aufgepasst, hätten sie das Haus der Klogen gar nicht betreten …

Wie man eventuell merkt, habe ich nun meinen Laptop auch wieder, nach ganzen vier Tagen und nun geben wir uns dem seichten Geplätscher des Hauptabendprogrammes hin …

Ich vernehme die Stimme des Galans „Du Schatz, wo ist denn die Fernbedienung?“

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