2016 oder das Jahr mit Motto #NoFilter

Als sich 2015 dem Ende neigte begnügte ich mich damit einige Unternehmungen des Galans und mir Revue passieren zu lassen, immerhin existierte Criticalpixie zu jenem Zeitpunkt auch erst fünf Monate, vieles war somit nicht erzählt worden. Der Rückblick auf das Jahr 2016 bereitet mir nun seit gut acht Tagen etwas mehr Probleme, viele waren quasi live dabei wenn der Galan und ich zu Abenteuern oder einfach Konzerten aufbrachen, es scheint über das vergangene Jahr gibt es nichts mehr zu erzählen. Deshalb blicken wir heute gemeinsam auf das Jahr 2016 zurück … Lustig wird es diesmal aber eher nicht …

Den Belästigungen, welche viele Frauen in der Silvesternacht 2015 auf 2016 ausgesetzt waren, lösten verständlicherweise viele Diskussionen aus und ich gestehe das ich zu Mittag des 01.01.2017 etwas nervös meinen Laptop startete und diverse Onlinedienste von Tageszeitungen besuchte, ein wenig überrascht las ich auf mehreren Seiten, Silvester sei friedlich verlaufen.

Erst am 03.01.2017 sollten sich die Meldungen ändern, offenbar kam es in Innsbruck zu mehreren Belästigungen, erneut wurden Frauen gegen ihren Willen unsittlich berührt, obwohl der Galan und ich noch immer etwas im Umzugsstress waren las ich einige der Kommentare welche man in Online Medien gerne hinterlässt, unwissentlich, dass ich mein Frühstück, ob der Kommentare, gleich rückwärts essen würde:

Haben nicht der Großteil der Innsbruckerinnen vdb gewählt und damit ein deutliches Zeichen gesetzt ?

Die Innsbruckerinnen müssen die glücklichsten Frauen der Welt sein, können sie doch endlich so leben, wie sie gewählt haben.

Wer nicht hören will soll leiden!

Ja liebe Frauen bei der nächsten Wahl mal das Gehirn einschalten.

Ich wünsche es keinem aber ich hoffe es hat nur die VDB-Wählerinnen getroffen. So spüren die das mal auf der eigenen Haut im wahrsten Sinne des Wortes!

Gerne würde ich in Rage geraten, aber ich versuche an mich zu halten. Deshalb bleibt mir wohl nicht mehr als zu Fragen: Seid ihr komplett von Sinnen? Habt ihr vor Euren Kommentaren einmal nachgedacht, oder sie einfach ohne Filter rausgehauen? Was unterscheidet diejenigen, welchen Mitbürgern offenbar übles aufgrund ihrer politischen Wahl wünschen, von jenen die uns vernichten wollen, weil wir ungläubig sind?

Kommentaren ohne Filter war ich 2016 oft begegnet, weshalb es auch zu dem einem oder anderem Beitrag von mir kam. Im Sommer 2016 saßen der Galan und ich abends mit unserem guten Freund Pheodor, in einem Lokal in Stockerau zusammen, dort sollte Pheodor einen Satz sagen, welcher mir bis heute nicht mehr aus dem Sinn geht:

Ich glaube schon das Facebook und Co eine gute Sache sein könnte, aber die Menschen nützen es nicht für Positives …

Es steht wohl außer Frage das er Recht hat, gerade auf Facebook begegnet einem oft Schwarz und Weiß, Meinungsäußerungen scheinen kaum überlegt zu passieren, man ist aufgeregt und schreibt sich seinen Frust von der Seele, das gute alte nochmal darüber Schlafen scheint verloren gegangen zu sein.

Oft habe ich das Gefühl, dass man sich durch das Liken von Seiten und dem viel zu Lockeren und schnellen entfernen von Freunden, langsam aber sicher in eine Art Blase begibt, in welcher die eigene Meinung größtenteils reflektiert wird … Ein Austausch, oder ein simples über den Tellerrand schauen, scheint immer seltener statt zu finden oder gewünscht zu sein.

In diversen Gruppen bemerke ich oft das die vermeintlichen Redensführer andersklingende Stimmen scheinbar vernichten möchten, so durfte ich mich erst kurz vor Weihnachten an einem Mini-Shitstorm, wie es heutzutage so schön heißt, erfreuen … Das interessante daran in einer Hunde-Gruppe, in welcher Hundehalter von Hundehalter lernen soll und kann.

Der Auslöser? Ein Bild eines ziemlich haarigen, großen Hundes, welcher in einer überfüllten Regionalbahn auf einem Sitzplatz lag, mit einem kleinen Handtuch unter sich, welches die Sitzfläche nur mangelhaft und das Rückenteil des Sitzes gar nicht vor den Hundehaaren schützte … Ich hatte mir erlaubt, da eine Diskussion über Leinen und Maulkorbpflicht entstanden war anzumerken das es in Österreich Pflicht ist den Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln mit Leine und Maulkorb zu führen und merkte an, dass ich meine Hunde, deutscher Schäfer, nicht auf einen Sitzplatz in einem öffentlichen Verkehrsmittel setzten würde, mit einem Vermerk auf mögliche Tierhaarallergiker die sich da reinsetzten könnten, aber zum Beispiel wieder etwas anderes ist, wenn jemand seinen kleinen Hund auf seine eigene Schoß setzt …

Die zahlreichen Reaktionen auf diesen, eigentlich simplen und neutralen Kommentar? Über 50 Antworten, die meisten „gegen mich“ und unter anderem verdrehte einer mir meinen Kommentar komplett und legte mir die Worte in den Mund, dass ich alle Hunde mit Maulkorb für aggressiv halten würde, woraufhin sich noch mehr User, welche es allesamt nicht schlimm fanden das ein großer haariger Hund in der Fellwechselzeit auf einem gepolsterten Sitzplatz in einem öffentlichen Verkehrsmittel sitzt, auf mich stürzten … Offensichtlich ohne meinen Kommentar überhaupt selbst gelesen zu haben …

Für mich war die Diskussion mit meinem letzten Kommentar beendet: Einige der User die hier relativ heftig dafür einstehen das ein großer Hund einen gepolsterten Sitzplatz in einem öffentlichen Verkehrsmittel als Liegeplatz benützt, füttern ihre Hunde mit rohem Fleisch (was man offenbar Barfen nennt), weil er ja eigentlich ein Wolf ist … Die Polstermöbel in Wolfshöhlen müssen mir in zahlreichen Dokumentationen über das Wesen Wolf wohl entgangen sein …

Lesen scheint ohnehin auch nicht mehr die Stärke von jedem zu sein, oft beschleicht mich das Gefühl das Artikel oder eben schlichte Kommentare nur überflogen werden, wobei das Wesentliche dann verloren geht. Was haben einheimische Obdachlose mit Flüchtlingen zu tun?

Viel wichtiger als Lesen sind ohnehin die Daumen, stellte uns Facebook im Laufe von 2016 neben altbekannten nach oben zeigenden Daumen noch ein Herz, ein erstauntes Gesicht und ein grantiges Gesicht zur Verfügung um auf Beiträge zu reagieren, domminieren in Online Medien noch immer die Daumen nach oben und nach unten … Formulieren wir deshalb härter ohne den vermeintlichen Filter?

Im März 2016 diskutierten viele aufgebracht über das Thema Satire … Klar ist der Ansatz mittels Schmähkritik über einen Präsidenten aus einem fernen Land aufzuzeigen wo diverse Grenzen liegen interessant, es ändert aber nichts daran, dass der betreffende Satiriker und Moderator genau wusste, dass er etwas rechtlich Fragliches tat, immerhin merkte er selbst an, er werde nun aufzeigen wo die Grenzen genannter Schmähkritik (und ich meine mich zu erinnern Pressefreiheit) liegen …

Nun erlaube auch ich mir anzumerken, dass mich Gedichte in welchen unter anderen Zoophilie unterstellt werden, nicht sonderlich erheitern, egal wie ich selbst zu der betreffenden Person stehe. Muss aber wohl zeitgleich dazu stehen, dass ich ohnehin einen etwas anderen Humor habe, oft lache ich wenn sonst niemand lacht und lache nicht, wenn die Meisten lachen …

Soeben stelle ich fest, dass dieser Artikel oder Beitrag, deutlich mehr Themen behandelte als nun veröffentlicht werden, einerseits war er bereits viel zu lang, andererseits möchte ich derzeit nicht in diverse Wespennester stechen, grundsätzlich sollte hier unterhalten oder weitestgehend neutral informiert werden.

Dennoch komme ich nicht umhin die Überschrift zu erklären und mich dabei etwas zu wiederholen, rückblickend war das Jahr 2016 offenbar das Jahr der unüberlegten Kommentare, in welchem viele meinten ihre Weltanschauung ohne Filter hinaushauen zu können …

Bleibt am Ende nur zu hoffen, dass wir über die Feiertage den hinter Magie versteckten Harry Potter-Ethik-Unterricht doch noch verstanden haben, dass wir Abstufungen wiedererkennen können, denn auf dem Weg vom nach oben zeigenden Daumen zum nach unten zeigenden Daumen gibt es viele verschiedene Neigungen, gar eine Neutrale …

Vielleicht sollten wir das Leben und die Themen welche es uns entgegenwirft (wieder) mehr wie einen Feedbackbogen behandeln, man muss einer Meinung nicht immer 100% zustimmen oder 100% dagegen sein …

Man darf auch nur eher zustimmen, neutral sein oder eher weniger zustimmen …

9 Kommentare

  1. Es wird für mich immer deutlicher, dass der Wille, eine vernünftige Diskussion zu führen, auf Facebook kaum vorhanden ist. Man hinterlässt einfach irgendwas, mischt mit, hat sich eingebracht.
    Aber wenn ich bspw. wie zuletzt einige Male eine ernsthafte Frage stellte, weil ich mein Gegenüber und dessen Haltung tatsächlich verstehen wollte, stieß ich auf Desinteresse. Warum will man sich nicht mehr austauschen? Ist es so schwierig geworden, auch bei abweichenden Meinungen die Dialog zu suchen? Es scheint fast so.

    Gefällt 3 Personen

    • Ja ich glaube das ist es, Desinteresse bei abweichenden Meinungen den Dialog zu suchen … Ich finde es sehr schade, man kann sich zu einem Thema keine wirkliche Meinung bilden oder schlichtweg eine Lösung finden wenn man nur in seiner Blase sitzt und nicht für sachliche Diskussionen bereit ist

      Gefällt 1 Person

  2. Toller Beitrag! Ich fühle mich in vielem bestätigt, was ich denke! Einer der Gründe, warum ich es kaum noch „wage“ in Foren zu posten, ist die Tatsache, dass auch ich schon Zeugin einer Massenunreflexion wurde und mir Dinge unterstellt wurden und mit „lustigen“ Gifs auf mich geworfen wurde. Und das alles nur wegen der Frage, ob es die Möglichkeit gibt, ein Forum in seinen Blog einzubauen. Mir ist das Ganze übrigens in der WordPress Österreich Gruppe passiert….. Und die Beleidigungen wurden von einem Admin gestartet….
    Im Internet zu kommunizieren, bestärkt einfach viele (w)irre Menschen, sich auszulassen. Außerdem versteht man sich oft Miss. Das ist auch einer der Gründe, warum man bei mir nicht mehr kommentieren kann 😉

    Liebe Grüße

    Gefällt 2 Personen

    • Danke, ja das ist wirklich Schade, in besagter Hundegruppe sind es auch oft die Admins welche damit beginnen auf User hinzuhacken – bei mir zum Glück nicht, da sind sie sogar eingeschritten – finde ich aber schon etwas „traurig“ grad ein Admin sollte eigentlich weitestgehend Neutral für Ordnung und eine Diskussionskultur sorgen …

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