Schiffsbrände, Jagdkommando Übungen und vergessener Käse

Zu Beginn sollte ich wohl gleich aufklären das die Überschrift, eventuell, mehr verspricht, als der der Text hierzu halten kann. Das Schiff welches ich gestern besuchen durfte brannte zwar, aber Jahre bevor ich es betreten sollte und auch die Übung des Jagdkommandos liegt zwei Jahre zurück, aber beim vergessenen Käse, da war ich live und in Farbe dabei.

Der Broterwerb lud zum Beisammensein auf einem Schiff der DDSG, was ausgeschrieben und gesprochen Donaudampfschifffahrtsgesellschaft heißt, wobei dieses Wort mit seinem 34 Buchstaben unter den zehn längsten Wörtern im Duden, die erste Anlaufstelle für Rechtschreibung und Grammatik aber auch als Wörterbuch fungierend.

Wie ich zugeben muss erfreute mich dieser Umstand nicht sonderlich, abseits diverser Rock-Festivals oder Konzerte bin ich schrecklich langweilig, nach Beenden des Broterwerbes zieht es mich nach Hause zum Galan und den hündischen Damen des Hauses. Zudem, wie ich schon hier und da erwähnte, pflege ich zwischen acht und neun Uhr abends auf der Couch einzuschlafen, meist wache ich dann gegen halb zwölf auf, selten von alleine oft, weil der Galan mich behutsam weckt, wanke ins Bett und schlafe dort bis halb sechs weiter. Manchmal aber auch nicht, so wie letzte Nacht, dann wache ich gegen sechs auf der Couch auf und stelle fest das mir der Rücken oder der Nacken weh tut.

Allerdings komme ich nicht umhin zu erwähnen, dass meiste Unbehagen an der broterwerblichen Veranstaltung sollte mir der Umstand des Aufenthaltes bei Nacht auf einem ablegenden Schiff bereiten. Man könnte es Kontrollverlust, Misstrauen oder schlichtweg Penisneid nennen. Immerhin diagnostizierte anno dazumal irgendein Psychologe einer Patientin mit Flugangst Penisneid, da auch sie einen Kontrollverlust erlitt, da sie das Flugzeug nicht steuern konnte, was ihr wiederrum so ausgelegt wurde das sie lediglich den Steuerpenisknüppel halten wolle.

Tatsächlich ist mir Penisneid nicht fremd, wie ich schon einmal erwähnte, wer schon mal im Hochsommer länger im Stau stand, auf einem längeren Abschnitt ohne sichtschützende Büsche, Betonsäulen oder einer Raststation in der Nähe aber einer ziemlich Wassergefüllten Blase und dann noch reihenweise Männer beobachtet, welche schnell am Pannenstreifen halten und sich vor der Leitplanke ihrem Wasser entledigen, wird dies wohl verstehen.

Während dem Laufen müssen sie sich übrigens auch nicht in die Büsche schmeißen, dies wäre aber eine andere Geschichte, welche in dem mir zugetragenen Fall, welche sich außerhalb einer Sportveranstaltung zutrug und mit einem angepinkelten Polizisten endet.

Jedenfalls wage ich zu behaupten, dass mein Kontrollverlust gar kein Kontrollverlust ist, ich habe kein Problem damit das ein Kapitän, Steuermann oder Autopilot ein Schiff steuert, zwar passiert auf der Donau dann doch viel mehr als man glauben möchte, aber ich kann ja schwimmen, allerdings lege ich bei minus elf Grad Lufttemperatur nicht viel Wert darauf.

Allerdings spiele ich soeben mit einem ernsten Thema, weshalb wohl gesagt werden sollte: Gewisse Opfer von Schiffsunglücken der Neuzeit, sollen die Strömungen der Donau bis heute nicht freigegeben haben, weshalb auch an Wiens Ufern immer noch Blumenschiffe losgeschickt werden …

So ergab auch meine, schlampige, Recherche über das zu besteigende Schiff das es 2007 einen Brand gegeben hätte, dass dies allerdings nur eine geplante Übung war, erfahre ich erst als ich die Einladung des Kapitäns annehme und frage ob man noch Spuren des Brandes sehen könne und wie lange die Instandsetzung danach gedauert hätte … Peinlich …

Ebenso peinlich wie der Umstand das ich das Schiff als letzte, zwei Minuten vor der geplanten Ablage, stark zitternd ob des galanschen Fahrstils, bestieg. Allerdings fährt der Galan nicht schlecht oder schneller als ich, aber ich bin ein schlechter Beifahrer … Warum? Vermutlich Penisneid.

Auch eine Geisel wurde auf dem von uns besuchten Schiff schon befreit, allerdings ebenfalls während einer Übung des Jagdkommandos, wenigstens dies hatte ich gewusst, bevor ich das Schiff bestieg, soeben male ich mir die Reaktion des Kapitäns aus, hätte ich auch noch danach gefragt.

Neben falschen Annahmen und einer kurzen peinlichen Situation als ich nach einem Brand frug, welchen es nie gegeben hatte, verläuft unsere Fahrt unspektakulär und Fad in Anbetracht der endlosen Vorträge, welche sich irgendwie inhaltlich dann doch immer wieder wiederholen. Drei Stunden Ansprachen mit zehn Minuten Pause, zum Pinkeln und eventuell Rauchen für circa 250 Personen … Als wir zu jener Uhrzeit anlegen zu welcher gewöhnlich meine Augen schwer werden, ist mein Gehirn gut durch.

Nicht mit drei Stunden Ansprache gerechnet und deshalb den Galan gebeten mich direkt zur Anlegezeit wieder abzuholen, kann ich nun am soeben eröffneten Buffet nicht mehr Teilnehmen. Ein Umstand welcher meine Mitbroterwerber immer etwas unverständlich ist, dass es mich immer stark gen Heimat zum Galan und den hündischen Damen des Hauses zieht … Wäre der Galan dabei könnten wir, von mir aus, bis sechs in der Früh bleiben.

Etwas mehr als sonst gefrühstückt, aber anstatt zu Mittag zu essen mit den hündischen Damen des Hauses gelaufen, da aufgrund der Veranstaltung der längere Nachmittag-spaziergang ausfallen sollte, knurrte mein Magen in Stella, dem galanschen Fahrzeug gewaltig. Also galt es noch eine Tankstelle zu überfallen, allerdings ohne Geschrei und mit Zahlen selbstverständlich.

Die von uns ausgewählte Tankstelle hat einen kleinen Supermarkt angeschlossen, also decken wir uns auch für den nächsten Tag ein, weshalb wir mit relativ vielen „Gegenständen“ die Kassa aufsuchen, die Menge unserer „Gegenstände“ bringt mich dazu andere nächtliche Besucher der Tankstelle, welche nur tankten oder ein bis zwei Gegenstände in der Hand haben, vorzulassen.

Das diese Sitte langsam aber sicher ausstirbt ist mir schon aufgefallen, wir haben es alle so eilig, dass wir wohl mindestens drei Jahre früher sterben werden, auch ein Herr scheint ob dieser fast ausgestorbenen Sitte derart überrascht das er seinen soeben gekauften Käse an der Kassa liegen lässt, ich drücke meine „Gegenstände“ dem Galan auf seine „Gegenstände“ und renne hinaus …

„Sie haben ihren Käse vergessen!“, rufe ich quer über die Tankstelle, nachdem ich den Herren am anderen Ende, bei der Waschanlage, beim Einstieg in sein Auto sehe.

Freudestrahlend kommt der Herr retour und ich staube noch einige Komplimente ab „Sie sind so freundlich und auch noch jung und hübsch.“ Ich bin halt lieber gut als schlecht, denke ich bei mir und lächle verlegen.

Der Abend endet mit Pizza im Bauch auf der Couch, kaum ist die Pizza unten, sind meine Augen auch schon zu, auch der Galan verfällt dem Sandmann auf der Couch und so erwache ich pünktlich um halb sechs, mit steifen Nacken, schicke den Galan ins Bett, bereite mir einen Kaffee und belaufe mit den hündischen Damen des Hauses einen Morgenlauf.

Wald, Musik und ein Lauf in den Tag …
Vergessen sind Kontrollverlust und Penisneid … bis ich knapp drei Kilometer vor zu Hause feststelle das meine Blase zu viel Wasser mitführt und argwöhnisch den gefrorenen Boden betrachte …

5 Kommentare

    • He he, also die Geschichte ist eigentlich recht kurz und trug sich vermutlich in den frühen sechziger Jahren zu … Damals gab es keine Gameboys, Computer oder gar Telefone, um sich die Zeit zu vertreiben machten die Jungs jener Zeit allerlei Unfug. Wer kann am weitesten Spucken, wer am schnellsten Laufen und so weiter und so fort.
      Eines schönen Tages kamen sie auf die Idee wer die weiteste Pinkelspur ziehen könne, die des jungen Hans war die kürzeste und er plante seine Revanche, seit den frühen Morgenstunden hatte er getrunken und zurück gehalten was hinaus musste.
      Endlich bei seinen Freunden legte er los, er lief und zog eine Spur … Schließlich lief er um ein Eck … Dumm nur das um das Eck ein Polizist stand, welchen Hans nun bewässerte … 🙂

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