Disturbed und Avenged Sevenfold in der Stadthalle, oder: das Ö3 Problem

Etwas turbulent startete unsere Reise in die Wiener Stadthalle, gestern und somit Donnerstag während den frühen Abendstunden. Aber endlich hatten wir es in die Stadthalle geschafft. Jetzt noch schnell etwas zu trinken besorgen und ab auf unsere Plätze. Kurz bevor wir die Halle betreten, bricht Jubel aus.Offenbar haben wir es Zeitgerecht zum Anfang von Disturbed, ich wiederhole mich: jener Band welche Ö3 nach elf Jahren musikalischen Schaffens aufgrund ihres Simon & Garfunkel Covers: Sound of Silence entdeckt hat und nun mit angegebenen Werk tot spielt.

Keine Frage der Sänger von Disturbed, David Draiman, ist stimmgewaltig und dies nicht nur auf diversen Tonträgern sondern auch Live, dennoch sind einige Dinge während dem Konzert zu beobachten die mich etwas nerven, was wohl auch meiner Verstimmung durch den turbulenten Vorabend geschuldet ist.

Persönlich schätze ich kompakte Alben, ein roter Faden der sich durch ein Album zieht oder mehrere Alben, wie wir es zum Beispiel von Volbeat kennen, um kurz bei den bekannten Bands zu bleiben. Eine Single mit einer vermeintlichen „Message“ bringt mir nichts, wenn das Thema im restlichen Album verloren geht. Gleicht nicht jedes Album stilistisch gesehen denen davor ist es ein extra Zuckerl.

Vielleicht versuchten Disturbed diesen Wandel 2010 mit Asylum? Nein Schluss, das würde zu weit ausführen. Ich mache es kurz und schmerzlos, der typische Disturbed Sound ist in mehreren Nummern des neuen Albums gut zu erkennen, allerdings kennt die Mehrheit der neuen Fans über welche sich Disturbed dank: The Sound of Silence, freuen darf. Nun offenbar lediglich dieses und The Light. Beim ersten Hören des Albums auch meine Favoriten, wurden aber schnell von Never Wrong, Legion of Monsters und Who Thaught you how to hate abgelöst.

Lange Rede kurzer Sinn: teilweise fehlten einfach die Überraschungen, irgendwie scheint der alte Sound lediglich recycelt und neu verpackt, es funktioniert, aber Disturbed haben sicher mehr in Peto. Rein auf den Text gehört haben sie ja, wie immer, einiges zu bieten. Man darf somit gespannt sein was passiert, wenn sie sich nun 2018 erneut ins Studio zurückziehen.

Ziemlich schnell stelle ich nun jedenfalls fest, dass wir, ähnlich wie am Nova Rock, von einigen Ö3 Hörern umgeben sein dürfte … Welcher Disturbed Fan würde tatsächlich bei Stupify, 10.000 Fists oder gar Down with the Sickness, ihre erste Platin Single und auch im Soundtrack von Königin der Verdammten zu hören, tatsächlich Still sitzen oder stehen bleiben oder, noch schlimmer, sich anfangen zu Unterhalten?

Bei The Light und The Sound of Silence wird dann natürlich dreifach mitgesungen, Laut, Falsch und mit Begeisterung … Ich schlage, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, die Hände über den Kopf zusammen.

Ähnliches durfte ich übrigens im Dezember 2012 bei Seether in der Arena Wien erleben, wie kann man auf ein Konzert einer Band gehen, weil einem ein oder zwei Singleauskopplung eines neuen Albums gefallen? Mir persönlich haut es schon etwas die Stimmung zusammen, wenn sich jemand bei Fake it vor mich drängen muss um dann bei Gasoline, Remedy oder The Gift wie ein Stock dazustehen und sich zu Unterhalten …

disturbed

 

Mir heizen Disturbed jedenfalls, abgesehen von ihrer opulenten Pyro-Show, eher mit den oben genannten Songs sowie Stricken ein. Auch David Draiman scheinen seine alten Songs besser zu gefallen. Seinen Matrix-Mantel vom Nova Rock trägt er zwar noch immer, aber er hat zwischenzeitlich wieder gelernt mehr auf der Bühne zu vollführen als auf und ab zu gehen und lässt sich zu einigen Sprüngen und Drehungen hinreißen …

Ja ich bin Gemein, ich weiß, aber ich war am Nova Rock ziemlich enttäuscht von Disturbed, besonders nachdem ich sie auch 2011 deutlich energiegeladener erlebend durfte, aber klarerweise verstehe ich das auch ein David Draiman mal einen schlechten Tag haben darf.

Alles in allem, waren sie deutlich stärker als am Nova Rock, haben aber eigentlich mehr Potential, allerdings haben sie auch diesmal etwas nicht Leichtes zu verdauen … Dazu gleich mehr.

Nach der Pause, zwischen Disturbed und dem Headliner des Abends: Avenged Sevenfold, soll sich meine Befürchtung der Anwesenden, nennen wir es nun, Charts Hörer, wobei weder Ö3 Hörer noch Charts Hörer abwertend oder respektlos gemeint ist, jedem das seine, anscheinend bewahrheiten.

Ist der Stehbereich vor der Bühne noch gut gefüllt, bleiben die ersten Sitzreihen in den oberen Rängen des eigentlich ausverkauften Konzertes nun frei.

Vielleicht sind die ja alle noch am Klo oder Getränke holen, geht es mir bei den ersten Klängen zu The Stage durch den Kopf. Aber auch während dem folgenden Afterlife, kommt niemand hinein und einige Male muss ich Platz machen, da jemand aus unserer Reihe offenbar den Saal verlässt …

Vor zwei Tagen, in den Abendstunden des 21. Februar, ereignet sich nach dem Konzert in der Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart, ein tödlicher Unfall. Ein 26-jähriger Bühnenarbeiter glitt beim Abbau des, durchaus imposanten Bühnenbildes, aus großer Höhe ab. Wobei er auf einem 19-jährigen Bühnenarbeite stürzte, welcher gerade unter ihm seiner Arbeit nachging …

Für den 19-jährigen kam jede Hilfe zu spät … Der 26-jährige kämpft im Krankenhaus um sein Leben …

Direkt nach Afterlife spricht der Sänger von Avenged Sevenfold M. Shadows, diese Tragödie an, die Bühnenarbeiter, auch wenn es Lokale wären und die Tour nicht begleiteten gehören zu ihnen, vor ihren Auftritten hätten sie Spaß miteinander und würden die Bands für ihre Auftritte anfeuern. Der Verlust mache ihn sehr betroffen.

Deshalb widmen sie nun Hail to the King, den Beiden, aber auch allen anderen Bühnenarbeitern auf ihrer Tour.

Ich bin ganz schön gerührt und bevor ich Sensibelchen mich gesammelt habe, bemerke ich das zwei Damen vor mir mittels Smartphone soeben herausfinden wer Avenged Sevenfold überhaupt sind … Sie deuten zwischen den Bandbildern am Smartphone und der Bühne hin und her, schütteln den Kopf was auch immer das bedeutet hat, denn ich versichere da steht Avenged Sevenfold, vom Rolling Stone Magazin gar als die neuen Heavy Metal Götter bezeichnet, auf der Bühne und verlassen schließlich den Saal.

Kann man die bartione Stimme des M. Shaodws überhaupt verkennen, welche er, David Draiman gleich, Live sofern die Tontechnik mitspielt mitunter besser als auf ihren Tonträgern präsentiert?

Außerdem agieren Avenged Sevenfold deutlich agiler auf der Bühne als Disturbed zuvor, man ist versucht den guten Ton zu verlieren und in Klischee-Sprache zu verfallen: So muss das Rocken. Yeah!

Ich genieße in jedem Fall ihre Live-Darbietung von Buried Alive und erfreue mich an der Reise durch ihre Alben, wobei irgendwie keines so klingt wie das davor. In jedem Fall freue ich mich, dass A7X, so ihr Bandkürzel, nach ihrem Album Hail to the King, welches wohl etwas „Mainstream“-tauglicher werden sollte, wieder zu Nummern zurückgekehrt sind welche das Publikum … und eventuell sie selbst, mehr fordern. Mit der ersten, kanpp neunminütigen, Nummer ihres gleichnamigen Albums: The Stage, knüpfen sie dort an wo ich sie kennenlernte, bei starken Songs die sich Zeit nehmen ihre Geschichte zu erzählen.

So ist das Album für mich dieselbe Überraschung wie die Veröffentlichung Ende letzten Jahres, eine Überraschung die übrigens Aufging, auch wenn das Album nicht wie mittlerweile gewohnt auf Platz Eins der einschlägigen Charts landen konnte.

a7x

Im Gegensatz zu Disturbed setzen A7X nicht auf Pyrotechnik sondern auf starke Bühnenbilder, große Videoflächen, ein Kubus und ein überdimensionaler Astronaut, letzterer bei Planets, machen es neben einer starken Lichtshow aber dann doch teilweise schwer nicht einer kompletten Reizüberflutung zu erliegen.

Der zweite Schock soll mich nun nach der Ballade Acid Rain treffen. M.Shadows verabschiedet sich, was ich ihm nicht abkaufe, aber tatsächlich strömt nun ein Großteil des sitzenden Publikums nach draußen.

Hallo es ist noch nicht einmal Elf und glaubt ihr wirklich die verabschieden sich so salopp und ohne Piece of Heaven und Bat Country, letzteres im Film Fear and Loathing in Las Vegas zu hören, zu spielen … Ach und das Licht ist auch noch nicht an.

Besagte Stücke samt Unholy Confessions gibt es dann tatsächlich noch auf die Ohren und die verbleibenden Zuschauer, womit sich wohl die Fanspreu vom Fanweizen getrennt hat, geht ab wie Schmidts Katze, um erneut in einen etwas mundartgerechteren Jargon zu verfallen.

Leider verabschieden sich A7X danach doch noch relativ schnell, verteilen noch ein paar Goodies und sind ohne „Thank You, Good Night.“ auch schon weg.

Der Galan und ich warten ab bis der Großteil den Saal verlassen hat, bis auch wir unsere nun unspektakuläre Heimreise mit Gunslinger, Beast and the Harlot und eingigen mehr antreten.

5 Kommentare

  1. Hier rutscht Disturbed mit „The Sound of Silence“ auch so langsam immer mehr in die Endlosschleife sämtlicher Radiostationen, wo es zuvor noch eher im „Fachradio“ gespielt wurde.
    Mir persönlich gefällt das Original wesentlich besser. Manche Lieder sollte man nicht neu auflegen, auch wenn die Stimme des Sängers tatsächlich toll ist.

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  2. Da dürften tatsächlich einige Ö3-Hörer dabei gewesen sein, eine Freundin, die weiter hinten im Stehplatzbereich geblieben ist, hat auch berichtet, dass bei den ersten A7X-Songs schon die ersten gegangen sind… Sehr schade, wieso kann man den Bands, die man nicht kennt, nicht einfach eine Chance geben?

    Falls du Interesse hast, findest du mein Review zum Konzert hier:
    http://www.volume-injection.at/2017/02/avenged-sevenfold-23022017.html

    Gefällt 1 Person

  3. Ich finde die Umsetzung von Sound of silence super gelungen. Aber mein absoluter Liebling ist und bleibt immer Down with the Sickness, dass ich schon viele Jahre als einen Lieblingssong nenne und normal dann immer alle so fragend gucken wenn man Disturbed als band nennt.
    Nun ja das hat sich jetzt geändert 😉
    Liebe Grüsse Ela

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  4. Hachja, Disturbed. Ich musste immer daran denken, wie Hausfrau X und Hausfrau Y sich das Album aufgrund vom Cover von »The Sound Of Silence« gekauft haben und beim Anschalten rückwärts vom Küchenstuhl gefallen sind. Das Cover ist gut, keine Frage, aber viel besser finde ich ihr Cover von »Land Of Confusion«, was ich dadurch entdeckt habe und seitdem suchte.

    Toll geschriebener Beitrag und super Musikgeschmack und Rezension! Spannend zu lesen 🙂

    LG Lena von Zeilenzunder

    Gefällt 1 Person

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