Prometheus entfesselt: Dhark

Ich bin alt oder schlichtweg langweilig, zumindest wenn es darum geht unter der Woche auszugehen. Selbstverständlich habe ich dafür eine Erklärung oder Ausrede, meinen Broterwerb, einerseits und andererseits der Sport, man schläft unglaublich gut und viel, wenn man vor oder nach einem anstrengenden Arbeitstag etwas Sport betreibt, erst recht, wenn man zwischen vor und nach ein und setzt. Cinderella werde ich (liebevoll) gerufen, nur das selbige erst um Mitternacht zu Hause ein musste, bei mir ist es unter der Woche dann doch eher acht. Nun trug es sich zu das Dhark, eine Band auf die wir gleich ausführlich zu sprechen kommen, an einem Donnerstag um acht Uhr abends in das Lokal B72 in Wien rief. Normalerweise bin ich unter der Woche ein Ausgehmuffel, aber für Dhark sollte man derartige Gepflogenheiten durchaus sausen lassen …

Lesen kann ich übrigens auch nicht, was mich dann wohl angesichts der Tatsache das ich gerne und gerne viel schreibe zu einem Genie macht, jedenfalls kam ich erst gegen sechs Uhr aus dem Büro und erlitt eine dreiviertel Stunde später beinahe einen Herzkasper als ich nochmal die Einladung auf Facebook ansah und meinte als Konzertbeginn sieben Uhr zu lesen. Schnell die hündischen Damen des Hauses mit Nahrung versorgen, alle Mann oder eben Damen noch mal aufs Klo und ab, in der guten Bürohose, welche außer der Waschmaschine, den Schrank, meine Beine, das Auto, das Büro und ab und an die Hand des Galans auf ihren Gesäßtaschen nichts kennt.

Warum ich letzteres so ausführlich Berichte? Die Antwort, diesmal gar kurzgefasst, Es ist ein verstecktes Kompliment.

Selbstsicher betreten wir das B72 in den Stadtbahnbögen des Wiener Gürtels, über welche einst Kaiserin Sissi reiste und begehren Einlass, da ich seit Neuestem nicht mehr lesen kann, erklärt uns der junge Herr an der Kasse freundlich das wir noch ein paar Minuten warten müssten, da das B72 erst um acht Uhr überhaupt seine Pforten öffnen darf.

Wir begeben uns wieder nach draußen und blicken auf die Uhr, eine knappe viertel Stunde noch bis acht. Ein ebenfalls junger Herr, welcher neben der Kasse gestanden hatte gesellt sich zu uns, meine Chance ein kleine „Mimimimimi-Tirade“ auf ihn loszulassen, Mimimimimi ist in diesem Fall übrigens ein wörtliches Zitat.

Furnitures

Eine dreiviertel Stunde später kontert er nun mit Mimimimimi von der Bühne, Chapeau an dieser Stelle, er ist einer der beiden Sänger der Band Furnitures, welche aber gar nicht die Furnitures, sondern Call the Mothership sind. Verwirrt? Sehr gut, ich auch. Jörg, welcher auch der Veranstalter des Abends ist hat sich diesen Spaß einfallen lassen, dass erfahre ich aber erst nach dem Konzert der Furnitures, nachdem „alle“ lachten, weil sie als letzte Nummer ein Cover von Call the Mothership spielten, nur ich nicht, weil ich den Witz noch nicht verstand.

Eine vorgetäuschte Band, zum Spaß, in Zeiten der Täuschungen, poetisch, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Also Chapeau mal zwei. Sympathiepunkte mit ihrem Humor haben sie also definitiv bereits gesammelt.

Schätzer komplexer musikalischer Werke, welche eher im progressiven Genre heimisch sind, kommen bei … wie nenne ich sie denn nun? … Call the Mothership voll auf ihre Kosten, das was ich gestern sehen und hören durfte überzeugt durchaus, ist aber auch etwas fordernd.

Allerdings wird mir ihr Scherz soeben zum Verhängnis da ich in dem Video, welches ich empfehlen wollte und trotzdem werde, den zweiten Sänger von gestern Abend nicht sehe, dafür ist in dem Video nun ein Sänger den ich gestern nicht gesehen habe … Hmmm, nun denn, hier könnt ihr Call the Mothership mit Lights out sehen und hören und hier einen Song des gestrigen Abends, aber Achtung es ist der gleiche, nur anders …

Auf der Facebook Seite von Call the Mothership findet man übrigens einen Link zum Gratis Download des Albums.

Genuine Aspect 2

Als nächstes betreten Genuine Aspect die Bühne und bei mir als verkappten Vivaldi und Bach Fan haben sie mit der Violine sofort einen Stein in Brett, noch dazu mit einer Violine die aussieht wie jene aus dem 3D Drucker.

Anmerkung der Redaktion: Der verlinkte Artikel über 3D Drucker und Violinen daraus gehört definitiv nicht zu meinen besten … Werken …

In Zusammenhang mit Violinen erwähne ich immer wieder gerne, dass ich seinerzeit und keine Ahnung mehr wo las, dass Violinen den geneigten Hörer in die Flucht schlagen können, somit zum ungeneigten Hörer mutieren lassen, verstanden habe ich dies noch nie und Genuine Aspect strafen diese Aussage lügen. Bis ins letzte Viertel ihres fordernden und rein akustischen Auftrittes ist der Raum beinahe zum Bersten mit Menschen gefüllt.

Leicht plätschernde oder besser beruhigende Titel, wechseln sich mit sehr fordernden ab, die Violine weint wie es sich gehört, der akustische Bass legt perfekt die Schwere dazu und die Gitarre treibt alles an. Wahnsinn. Einer ihrer Titel, ich weiß leider nicht wie er heißt, denke aber dass es der letzte war, macht mit mir dasselbe wie mein geliebtes Terra Solaris von Darkest Hour, es schickt mich auf eine spannende Reise durch all meine Emotionen …

Am Ende ihrer Show verneigen sich Genuine Aspect vor ihren Fans und ich kann dem Drang diese Verbeugung zu erwidern nicht wiederstehen. Andere Bands brauchen allein für die Idee eines solchen Sounds eine ganze Karriere …

dhark

Nach einer etwas längeren Pause folgen nun Dhark, ein kraftvolles und inspirierendes Trio welche zuvor unter dem Bandprojekt Prometheus bereits Begeisterungsstürme, auch außerhalb Österreichs, auslöste. Progressive Rock vom feinsten und mit ihrem neuen Album Darkness Amplified legen sie nochmal einen drauf.

Heute Abend steigern sie ihren musikalischen Geniestreich nochmal Live, beinahe Unfassbar mit welcher Präsenz sie die Halle mit ihren teilweise fordernden Klängen füllen. Spielend wechseln sie von ruhigen Songs zu bissigeren, verlieren dabei aber anscheinend nie eine klare Linie, welche auch auf dem Album rauszuhören ist.

Eine weitere Zwickmühle offenbart sich, ich kann gar keinen Song empfehlen, weil alle Songs ihres neuen Albums auf ihre Art absolut herausragend sind, jedenfalls konnte ich in den letzten drei Tagen noch keinen absoluten Liebling ausmachen, das Album läuft rauf und runter.

Aber auch bei Dhark findet ihr einen Link zum Gratis Download des Albums, überzeugt euch einfach selbst.

Ich gestehe ich bin von mir selbst enttäuscht, zehn Minuten bevor Dhark ihren Auftritt beenden, muss ich aufgeben, die – wie erwähnt fordernden – Auftritte und der Arbeitstag fordern ihren Tribut, trotz Begeisterung kann ich mich kaum noch auf meinen Beinen halten.

Aber es gibt einen Lichtblick am 24. März darf man Dhark in Wiener Neustadt erleben, zusammen mit den uns nicht unbekannten Vinegar Hill und Across the Element … Pflichttermin!

Bedauerlicherweise haben wir die letzte Band des Abends Their Dogs where Astronauts somit auch komplett verpasst, hoffentlich geben sie bald wieder ein Konzert, ich konnte bis jetzt nur kurz in ihr Album Earthkeeper reinhören und wäre sehr neugierig sie Live erleben zu dürfen.

3 Kommentare

  1. Schöner und persönlicher Bericht. 🙂 Das bringt mich darauf, dass ich auch schon viel zulange nicht mehr auf einem Konzert war. Wohl aus den selben Gründen, die Du bei Dir vermutest. (Wobei ich bezweifle, dass Du irgendwas davon bist ;-))

    Ich möchte Dir noch eine Einladung da lassen: Ich bin zu einer Drabble-Parade nominiert worden und möchte Dich jetzt als nächstes dazu vorschlagen. Ein Drabble ist eine kurze Geschichte aus 100 Wörtern. Ich habe 3 Schlagworte vorgegeben, die darin enthalten sein müssen. Mich würde interessieren, was Du daraus machst. Wenn Du da keine Luist zu hast, ist das natürlich völlig, okay. Es soll ja den teilnehmenden ja Spaß machen. Freuen würde es mich dennoch. 🙂

    Lieben Gruß,
    Jo

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