Sprechen wir über das erste Tattoo

„Schreibst Du nur noch über Musik?“, erreichte mich kürzlich die Frage eines geneigten Lesers. „Nein, natürlich nicht.“, darf ich beruhigend Antworten, allerdings nimmt Musik einen sehr großen Platz in meinem Leben ein, neben dem Galan eventuell gar meine große Liebe, sie lässt dich den inneren Schweinehund besiegen und oftmals eine Sporteinheit überstehen. Außerdem mangelt es in meiner schönen Heimat doch etwas an Unterstützung talentierter Musiker, so müssen selbst Award Gewinner mit vielen Konzert und Festivalanfragen ihrem normalen Broterwerb nachgehen, von ihrer Kunst Leben ist hier größtenteils unmöglich. Zudem kam allerdings auch noch der, von mir dann doch hier und da erwähnte Zeitmangel, aufgrund … diverser Aktivitäten, über die zu Schreiben ich noch immer Hemmungen habe, welche man aber teilweise und gerne auf Instagram und Facebook etwas verfolgen kann … Aber genug verzettelt, sprechen wir über Tattoos.

Genauer das erste Tattoo, wobei ich, zumindest für Österreich, gleich mit einem fast schon gängigen Missstand aufräumen sollte. Tattoos sind in vielen Branchen, vor allem im Büro, nach wie vor ungern gesehen. Natürlich gibt es schon einige lockere Unternehmen, aber als jemand der immer im Büro arbeitete und einige Male seinen Broterwerb gewechselt hat, wage ich zu behaupten das es im Banken und Versicherungsbereich nach wie vor eher ungern gesehen wird, sichtbare Tattoos sogar ein Ausschlussgrund sind.

Vor seinem ersten Tattoo sollte man sich somit in jedem Fall bewusst sein, dass es Notwendig sein kann, seine Tattoos zu verbergen, selbst in einem Büro oder Broterwerb wo die Kunst am Körper weniger problematisch gesehen wird, kann es sein das bei Besuch eines namhaften Kunden die Kleidung so gewählt werden sollte das man Tattoos nicht sehen kann. Selbst eine dünne Bluse kann hier jenseits der 25 Grad eine Bürde sein.

An dieser Stelle ziehe ich übrigens, erneut, meinen Hut vor dem männlichen Kollegium, welche selbst im Hochsommer mit Anzug im Büro erscheinen, ich habe nicht die blasseste Ahnung wie ihr das durchstehen könnt.

In letzter Zeit hört man übrigens das Tattoos im Kreativbereich etwas lockerer gesehen werden, diese Aussage kann ich teilweise bestätigen, besonders dann, wenn man als Grafikdesigner tolle Tattoos vorweisen kann, an welchen man selbst mitgewirkt hat, oder sie gar komplett selbst entworfen hat.

Das Motiv ist, neben der geeigneten Körperstelle dafür, ein großes Thema, viele Menschen sehen Tattoos tatsächlich als Modetrend oder Accessoire, viele meinen nicht jedes Tattoo muss eine Bedeutung haben. Dem letzten Teil wiederspreche ich nun gleich teilweise, dass erste Tattoo sollte durchaus eine Bedeutung haben und nicht aus einem Tattoo-Mode-Trend entstehen, meiner Meinung nach ist es durchaus ein Unterschied ob mein erstes Tattoo einem Trend folgt oder tatsächlich eine Bedeutung für mich hat. Natürlich sind Menschen aber verschieden.

In jedem Fall sollte man sich vor dem ersten Tattoo so gewissenhaft wie möglich mit der Thematik des Motives beschäftigen und wohl am ehesten eine Stelle wählen an der es sich leicht kaschieren oder verdecken lässt. Macht Euch bewusst das Euer Tattoo Euch das restliche Leben begleiten wird.

Du kannst mich übermalen, aber ich werde immer da sein …

Lasst Euch nicht von Artikeln einwickeln die immer wieder, vor allem am Ende, betonen das man sich das Tattoo bei nicht gefallen wieder, mittels Laser, entfernen lassen kann. Tatsächlich gerate ich bei dieser überaus leichtfertigen Ansicht dezent in Rage. Die Entfernung mittels Laser ist ebenso schmerzhaft wie das stechen selbst, teilweise sogar noch schmerzhafter da der Laser die Tinte erhitzt, Eure Haut wird nun also nicht aufgekratzt, sondern so stark erhitzt das der Körper die Tinte abbauen kann, was eben nicht nur Schmerzhaft sondern auch ein langwieriger Prozess ist, der sich auch mal über mehrere Wochen hinausziehen kann und in jedem Fall mehr kostet als das gewünschte Motiv in die Haut zu bringen. In vielen Fällen bleiben Narben zurück, da wie erwähnt die Haut aufgekratzt wurde um die Tinte einzubringen.

Oft raten Dermatologen ihren potentiellen Kunden selbst eher dazu sich ein sogenanntes Cover Up stechen zu lassen, anstatt zu Lasern. Im Cover Up Bereich hat sich in den letzten Jahren viel getan, dennoch sollte man sich vor dem ersten Motiv bewusst machen … Du kannst mich weg Lasern oder übermalen lassen, aber ich werde immer da sein …
Seht ihr gerne diverse einschlägige Sendungen? Dann ist Euch sicher schon aufgefallen das diverse Tattoos, besonders Dunkle, trotz bemerkenswerter Fertigkeit des Künstlers dennoch oft dezent durscheinen.

Ebenso wichtig wie das Motiv ist der Künstler selbst, einfach hat man es hier, wenn sich im Bekannten oder Freundeskreis schon Personen befinden, welche über Tattoos verfügen deren Stil einem selbst zusagt und auch über die Hygiene im Studio kann man bereits einiges in Erfahrung bringen.

Kennt man keine tätowierte Person oder die Tattoos im Bekanntenkreis sagen nicht zu, kann man sich heutzutage im Internet das Portfolio der Künstler ansehen, nehmt Euch Zeit und stöbert die Bilder der Künstler durch, seht Euch mehrere Künstler und Studios an und nein es ist nicht verrückt für sein Wunschmotiv auch auf Reisen zu gehen, man trägt es im besten Fall eben bis ans Ende seines Lebens.

Haut ist kein Stück Papier

Habt ihr einen Künstler gewählt vereinbart einen Beratungstermin und bringt ruhig mehrere mögliche Motive mit, einerseits möchte so gut wie kein Künstler ein vorgefertigtes Bild abmalen und andererseits könnt ihr ihm beim Beratungstermin genau erklären was Euch an welchem Bild am besten gefällt, so kann der Künstler sich ein Bild von Euren persönlichen Präferenzen machen und Euch gleich erklären was auf welcher Körperstelle möglich ist und was nicht. Eine Zeichnung welche in der Google Bildersuche, auf Pinterest oder von Eurem besten Freund auf Papier angefertigt wurde, kann manchmal nicht eins zu eins übertragen werden, Euer Körper ist nun einmal nicht flach wie ein Stück Papier.

Der Künstler passt das Bild der Form der gewünschten Körperstelle an oder schlägt Euch eine bessere Stelle für das Motiv vor. Bleibt offen für seine Vorschläge.

Das Tattoo Studio ist keine Singelbörse

Klar die Chemie zwischen Euch und Eurem Künstler muss stimmen, man muss sich riechen können und durchaus auch auf einer Wellenlänge sein. Viele Künstler lenken, vor allem beim ersten Tattoo, mit kleinen Witzchen ab oder machen ein Kompliment, einerseits natürlich, weil sie es ernst meinen und andererseits um Nervosität und Scham zu nehmen, schlichtweg das Eis zu brechen. Dies bedeutet aber nicht, dass er ernsthaft an Euch interessiert ist.  Geht nicht immer wieder zum selben Künstler nur um an seine Nummer zu kommen oder in der Hoffnung auf ein Treffen.

Trotz guter Chemie, die fürs tätowieren einfach wichtig ist, besonders wenn es an intimere Stellen geht, womit auch einfach nur die Innenseite des Oberschenkels oder ein Tattoo über oder unterhalb der Brust, sowie des Leistenbereiches gemeint ist, seid ihr für den Künstler vornehmlich Kundschaft, Broterwerb und Leinwand, verhaltet Euch professionell und respektvoll oder wollt ihr von jedem Eurer Kunden angeflirtet werden?

Wählt Euren Künstler nicht nach seinem Aussehen, außer er ist auffallend ungepflegt, sondern nach seinem Portfolio.

Fortsetzung folgt …
unter anderem mit weiteren Tipps für Portraits, süßem Schmerz und Hygiene vor, während und nach dem tätowieren.

9 Kommentare

    • Fies 🙂 Ist halt fraglich ob man Ewig dort bleiben möchte … Wie erwähnt ich war selbst bei zwei lockeren Firmen wo es kein Thema war – aber das waren eben 2 von 5 und ich gestehe in den letzten Jahren habe ich teilweise im Intervall von einem Jahr gewechselt …

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    • Interessant, wie gesagt bei 3 von 5 Arbeitgebern waren sichtbare Tattoos bei mir ein Problem, komme aber eben aus dem Versicherungssektor, da sind noch viele ältere Herrschaften, wenn ich das so blöd schreiben darf

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