Ostern kam und damit nicht nur der Osterhase, sondern auch die Osterhöschen einer namhaften und bekannten Untewäschemarke. Die Wogen gingen prompt hoch, jeder fühlte sich auf den Plan gerufen, seine Meinung zu jener Kampagne zu äußern.

Bereits hier und da thematisiert; Menschen sind verschieden, grundsätzlich ist dies auch gut so, besonders in Zeiten von Sozialen Medien wo offenbar ein Schei*esturm dem nächsten folgt, was gäbe es denn ohne unterschiedliche Ansichten schon aufzuregen? Genau, nichts. Dann wäre Mensch wohl langweilig?

Ebenfalls erneut bekunde ich an dieser Stelle meine stete Verwunderung das Mensch sich offenbar nach wie vor lieber mit negativen als positiven Aspekten befasst, wobei dies in manchen Bereichen natürlich sinnvoll sein kann, dies im Regelfall allerdings nicht ist.

Gänzlich meiner grundsätzlichen Einstellung trotzend, dass ich mich schlichtweg nicht mit negativen Dingen befassen und belasten möchte, folgt aufgrund des Hypes rund um Osterhöschen ein Rundumschlag von A wie Amorelie bis V wie Vicotria’s Secret.

Fangen wir vorerst jedoch bei G wie Google an, bekäme ich jedes einzelne Mal einen Euro, wenn sich eine Kollegin darüber beschwerte welche überaus nicht jugendfreien Bilder man heutzutage mit einer simplen Google Bildersuche zu sehen bekommt, was ihre pubertären Jungs auch nützen, ich wäre wohl bereits Millionär und tatsächlich sehe ich selbst immer wieder … fragwürdige Fotos bei an sich nicht fragwürdigen Suchbegriffen.

In Büchern für Heranwachsende und Jugendliche, wird körperlicher und geistiger Missbrauch angepriesen, das Opfer beginnt gar lustvoll zu stöhnen.

Erneut kommt der eine Euro ins Spiel, denn bekäme ich jedes Mal einen Euro, wenn ich ein Kino verlasse, einen Film oder Serie abschalte und mit Kopfschütteln verlautbare „Mir war nicht bewusst das hier ein Erwachsenen-Streifen gezeigt wird, wäre ich wohl schon Milliardär.

Es ist schon etwas her, da hatte das Wesen hinter dem Blog frei, auf Musik hören während den heimischen Putzarbeiten hatte ich ausnahmsweise keine Lust, die Stille machte mich allerdings auch etwas unrund, also ließ ich den Fernseher laufen. Hunger machte sich breit und ich beschloss die eben geputzte Küche wieder etwas einzusauen und mir etwas zu Essen zu kochen, gerade schnippelte ich die Zutaten zurecht als auf dem von mir ausgewählten Sender eine Werbung startete, welche mir nicht nur wegen ihrer, für mich überaus nervenden Melodie, die Fußnägel hochrollte.

Verdutzt blickte ich auf meine Uhr und stellte fest das ich soeben eine Werbung für Erwachsenenspielzeug um die Mittagszeit gesehen hatte …

Amorelie

Zu Beginn dieser ein weiblicher Hintern in einem Rüschenhöschen in Großaufnahme, schließlich vibriert, nein rappelt, der Karton … Nein Kartong auch noch fröhlich vor sich hin, es wird durch weibliche gespreizte Beine durchgefilmt um einen Kartong am Boden zu zeigen, welcher natürlich auch fröhlich rappelt und dann greifen schon mehrere Hände zu … keine Ahnung was, einem Gerät das einem bestimmten männlichem Körperteil nachempfunden ist und ein Po im Tanga wird mit einem Loli verdroschen …

Offen gestanden traue ich weder meinen Ohren noch meinen Augen und irgendetwas scheint mit mir nicht zu stimmen, bringt mir der Postler einen Kartong, nehme ich das Paket ja eher nicht im Rüschenhöschen entgegen.

Mittlerweile darf ich mir, an ebenfalls freien Tagen zur Mittagszeit die Begeisterung über einen bestimmten Schmeichler und irgendwas das wie Schmetterlinge, wo auch immer, reinfliegt sich multipliziert und explodiert, anhören und mir natürlich gegen Ende des Werbefilmchens auch noch das Teil ansehen.

Rüschenhöschen, oder eben Osterhöschen gab es nun kürzlich, passenderweise zu Ostern, von einer bekannten Unterwäschemarke auf Werbeplakaten und Anzeigen zu bestaunen. Sechs jung wirkende und schlanke Models liegen in einem Zimmer auf einem Teppich am Bauch. Nackt, bis auf besagte Osterhöschen. Vor ihnen macht sich in Richtung eines Fenster Moos breit.

Als Geniestreich würde auch ich dieses Bild nicht bezeichnen, ebenso wenig Werbungen in welchen ein Po im Tanga mit einem Loli verdroschen wird und beide Werbungen werden mich mit Sicherheit nicht dazu bringen diverse Produkte des Herstellers oder Vertreibers zu kaufen. In solchen Fällen gilt für mich gesehen, nicht gefallen, vergessen.

Andere konnten die Osterhöschen Werbung jedoch nicht vergessen, so veröffentlicht die Herausgeberin eines österreichischen Damenmagazins einen Kommentar in welchem sie fragt „Was Osterhöschen seien, was Erde im Zimmer suche und warum da abgemagerte Mädchen halb nackt herumliegen“

Man möge mir verzeihen aber hier komme ich mit meinem verqueren Humor auf meine Kosten, immerhin zieren besagtes Damenmagazin diverse Damen, welche selbst wohl noch einen Teller Kuchen hätten essen sollen und dazu Schlagzeilen wie: Die Wunder Diät, Schweinhund ich besieg dich, Fünf Diäten für jeden Typ, Gesund abnehmen, 33 Schlank und Schön Tipps und immer wieder DIE WUNDER DIÄT …

D&G1

Nehme ich jetzt noch hinzu das besagtes Magazin keinerlei Probleme damit hatte Werbebilder italienischer Modehäuser abzudrucken, bei welchen leichtbekleidete Frauen in High Heels von einem Mann, scheinbar gegen ihren Willen an den Handgelenken festgehalten und nach unten auf den Boden gedrückt werden wobei sie dabei auch noch von drei weiteren Männern umringt wird, ist mein Lachanfall bereits garantiert. Wo war hier das: Warum wird die Frau zu Boden gedrückt? Warum ist die Frau abgemagert? Warum haben alle Männer einen Sixpack und keine Haare auf der Brust?

D&G2

Oder warum werden in einem anderen Werbesujet des italienischen Modehauses nackte Männer, ohne Körperbehaarung und mit Sixpack von drei Möchtegern-Dominas durch die Mangel genommen?

Und auch die Moderatorin eines Fernsehsenders gibt ihren Senf hinzu; das Sujet habe die Ästhetik eines Mädchenhändler-Tatortes, begründet diese Aussage mit ihren Recherchen zu einem solchen Thema: Frauen welche Opfer des Menschenhandels werden, würden oft gegen dreckige Wände gelehnt in Unterwäsche und von hinten abgelichtet, damit man die Frauen nicht erkennen und vielleicht noch finden kann …

vicotrias secret

Hier könnte ich eine persönliche Betroffenheit nun tatsächlich verstehen … Allerdings frage ich mich dann im Gegenzug was mit der berühmten „Po-Backe-Weg-Kampagne“ von Victoria’s Secret ist … Lässt hier also der Umstand das via Photoshop eine gesamte Pobacke wegretuschiert wurde die restliche Darstellung des Bildes verschwinden? Eine Frau mit langen braunen und gewellten Haar steht mit dem Rücken zur Kamera … an eine Wand gelehnt, ihre Hände ruhen rechts und links neben ihrem Kopf ebenfalls auf der Wand, als hätte man sie für eine Leibesvisitation hingestellt, sie trägt nichts außer einem Höschen mit transparenten Einsätzen und Halterlosen …

Abgesehen davon lässt besagte Moderatorin hierbei außer Acht, dass der eigenen Haussender durchaus selbst umstrittene Shows ausstrahlt, welche wohl, vor allem in heutigen Zeiten, ebenfalls dem Sexismus frönen …

Das natürlich auch noch ein ehemaliger Extremsportler mitmischen muss war ja klar. Erneut sind seine Aussagen scheinbar nur provokant und unüberlegt, besagte Moderatorin hätte ja nur wegen ihrer eigenen Figur ein Problem mit dem Werbebild und er würde jederzeit, auch ohne Fallschirm, in die Gruppe von Mädchen reinspringen … Wem interessiert die Meinung eines Menschen, welcher seinem Heimatland den Rücken gekehrt hat, nur durch Hasspostings auffällt und erst kürzlich Jesus gesehen haben will?

Nüchtern betrachtet ist die aktuelle Kampagne der Unterwäschemarke eine etwas schlampige, oder neu interpretierte, Kopie ihres Strumpfhosenplakates vor Jahren. Offenbar sollte ein jüngeres Publikum angesprochen werden, wozu sich junger Models bedient wurde, welche wohl mitnichten dazu gezwungen wurden. Abmagerung kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen und so bleibt wohl zu der ganzen Causa nur zu sagen viel Wind um eine Kampagne welche es eigentlich nicht wert ist.

Aber wenigstens hat die Unterwäschemarke nun das bekommen was sie wohl wollte, jede Menge Aufmerksamkeit.

Fraglich bleibt wann wir uns vielleicht mal darum kümmern das Hardcore-Elemente eben nicht mit schlichter Bildersuche im Internet zu finden sind und mitunter verstörende sexuelle Aspekte nicht mehr in Jugendlektüre vertreten sein werden.

Zudem wie eine Unterwäschemarke wohl in Zukunft ihre „Bekleidung“ vermarkten soll … Vielleicht mit Models welche über der angepriesenen Unterwäsche noch einen Schlabberpulli und eine Jeans tragen, oder greifen wir dann wieder zu dem Unterwäsche über der Wäsche Trend?